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Konzept für Baggersee

Attraktiv für alle

HIRSCHAU. Für die einen ist er ein Badeparadies, für die anderen ein Ärgernis: der Hirschauer Baggersee. Das soll sich ändern. Die Tübinger Stadtverwaltung hat für das Gewässer im Neckartal ein Szenario erarbeitet, das aus der Problemzone ein friedliches Nebeneinander von Naturgenießern, Anglern und anderen Nutzern machen soll. Zunächst aber sorgte die Planung für einige Unruhe rund um den See (siehe auch das ÜBRIGENS).

25.08.2007

Von Uschi Hahn

Frank Axel Schwarzbach kommt seit sechs Jahren regelmäßig nach Hirschau zum Baden. Den Weg von Weil im Schönbuch nimmt er dabei gerne in Kauf. Hier findet er, was ihm in Freibädern oder auch am größeren Kirchentellinsfurter Baggersee fehlt. Oder besser: Hier findet er eben genau das nicht, was ihn anderswo stört: „Es ist ruhig, ohne Remmidemmi, ohne laute Musik. Und es kostet nichts.“ Naturnahes Baden eben. Im Wasser und in der Sonne.

Doch dann kam vergangenen Sommer das Gerücht auf, es sei demnächst vorbei mit der meist textilfreien Badeseligkeit zwischen dem Hirschauer Industriegebiet und dem Neckar. Schwarzbach und andere gründeten im September vor einem Jahr eine Bürgerinitiative. Ihre Ziele: „Das naturnahe Baden und den kostenfreien Zutritt, überhaupt den See und alles so erhalten“, so Schwarzbach.

Das ist die eine Seite. Doch es gibt auch andere Stimmen, die die Zustände am See gar nicht so idyllisch finden: „Den Hirschauern ist der See fremd geworden“, klagt Ulrich Latus. Schuld seien die vielen Nacktbader. „Das ist unseren Kindern peinlich“, sagt Hirschaus Ortsvorsteher, der selbst im Baggersee das Schwimmen gelernt hat. Zu den vielen Nackedeis am Ufer kommen Müll und Lärm von nächtlichen Grillpartys. Und es gibt noch die Angler, die sich von Badenden und freilaufenden Hunden gestört fühlen.

Kurz: „Der Baggersee birgt jede Menge Konfliktstoff“, formuliert Ute Krommes von der Tübinger Stadtverwaltung die Ausgangslage. Von der Landschaftsarchitektin stammt das Konzept, mit dem der See befriedet werden soll. Nach der Sommerpause werden sich die Gremien des Gemeinderats damit beschäftigen. Der Hirschauer Ortschaftsrat hat das in enger Absprache mit dem Ortsvorsteher entwickelte Papier schon abgesegnet. Seine Kernpunkte: Der See und seine Ufer sollen behutsam so verändert werden, dass künftig alle Nutzer zufrieden sind. Krommes schwebt eine Art „Landschaftspark“ vor, der auch die am Nordufer des Sees noch vorhandene Industriearchitektur mit einbezieht.

Der größte Teil des Südufers, das nur durch einen Damm vom Neckar getrennt ist, soll als Auebruchwald mit Schilfzonen besonders naturnah erhalten und zum Rückzugsgebiet für seltene Vögel werden. Ein Graben soll dafür sorgen, dass das dann vom derzeit allzu wuchernden Gehölz befreite Ufer hier nicht betreten wird. Das sei auch wichtig für die Wasserqualität so Krommes.

Empfohlen wird außerdem ein Rundweg mit Sitzplätzen an „schönen Aussichtsorten“. Die am Nordufer in den See hineinragende Halbinsel möchte Krommes als „Treffpunkt“ gestalten. Auch für die Angler sollen verschiedene Bereiche attraktiver gestaltet werden.

Ganz wichtig ist den Hirschauern, dass der See durch attraktive Fußwege besser erreichbar wird. „Der See soll wieder öffentlicher werden“, sagt Latus. Dadurch erhofft sich der Ortsvorsteher auch, „dass die Nacktbader zurück gedrängt werden“. Überhaupt wolle man das Baden am See zwar nicht verbieten aber auch nicht gerade fördern. Deshalb wird es auch in Zukunft keine Freibad-ähnliche Infrastruktur wie Toiletten oder Umkleidekabinen geben. Kurz: „Der Ortschaftsrat möchte den See für Hirschau und nicht für die Freizeitindustrie“, sagt Latus.

Mit diesem Konzept kann auch die Bürgerinitiative leben. „Da finden wir uns wieder“, sagt Frank Axel Schwarzbach. Schließlich belässt dieses Szenario den See weitgehend so, wie er ist. Und was die Uferkosmetik betrifft, werde man gerne mitanpacken: „Es gibt bei uns ?ne Menge Leute, die dafür gerne mal die Ärmel hoch krempeln würden“, versichert Schwarzbach.

Elf Hektar groß, acht Meter tief

lDer Hirschauer Baggersee hat eine Wasserfläche von etwa elf Hektar, ist 130 bis 140 Meter breit, um die 700 Meter lang und an manchen Stellen bis zu 8,50 Meter tief.

lEntstanden ist der See zwischen 1959 und 1986 durch den Kiesabbau der Firma Epple. Noch bis 1993 wurde am Nordufer der Kies aus dem kleineren, im Osten angrenzenden „See am Moritzenbach“ gewaschen.

lEin Bebauungsplan aus dem Jahr 1983 weist den See als „rekultivierten Baggersee – Badesee“ mit entsprechender Infrastruktur aus. 1987 fasste der Hirschauer Ortschaftsrat den Beschluss, auf die Realisierung des Badesees zu verzichten.

lDer größtenteils der Firma Epple gehörende See ist bis zum Jahr 2019 an den Kreisfischereiverein verpachtet, der das Gewässer bewirtschaftet.

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Erstellt:
25. August 2007, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. August 2007, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. August 2007, 12:00 Uhr

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