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Ankara-Mörder identifiziert

Attentäter hatten offenbar Verbindung zum IS - Erdogan räumt Fehler ein

Die türkischen Ermittler wissen jetzt offenbar, wer die beiden Attentäter waren, die am Samstag bei einer Friedensdemonstration in der Hauptstadt Ankara mehr als 100 Menschen mit sich in den Tod rissen.

15.10.2015
  • GERD HÖHLER

Ankara Die mutmaßlichen Täter des Anschlags am vergangenen Samstag sollen Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gehabt haben. Das berichtete am Mittwoch die Zeitung "Hürriyet" auf ihrer Internetseite. Die beiden Männer wurden anhand von DNA-Spuren am Tatort identifiziert.

Einer von ihnen soll Yunus Emre Alagöz sein. Er war bereits kurz nach dem Attentat als möglicher Täter genannt worden. Es handelt sich um einen Bruder von Seyh Abdurrahman Alagöz, der am 20. Juli bei einem ähnlichen Attentat auf eine Versammlung kurdischer Aktivisten nahe der Grenze zu Syrien 33 Menschen tötete. Die beiden Alagöz-Brüder sollen sich 2014 in Syrien dem IS angeschlossen haben. Nach ihrer Rückkehr in die Türkei betätigten sie sich offenbar in einer IS-Zelle. Nach dem Anschlag von Suruc, bei dem sich sein Bruder in die Luft sprengte, war Yunus Emre Alagöz untergetaucht.

Bei dem anderen mutmaßlichen Attentäter handelt es sich laut der Polizei um Ömer Deniz Dündar. Sein Name habe auf einer Liste von 21 möglichen Attentätern gestanden, die der Polizei vorlag, berichtete "Hürriyet". Nach Aussage seines Vaters war Dündar 2013 nach Syrien gegangen, im Jahr darauf zurückgekommen, acht Monate später aber erneut in Syrien untergetaucht. Sein Vater berichtete, er habe die Polizei auf die möglichen Verbindungen seines Sohnes zum IS aufmerksam gemacht. "Ich habe ihnen gesagt: Steckt ihn ins Gefängnis!", sagte der Vater der Zeitung "Radikal". "Aber sie haben ihn nach einem Verhör wieder entlassen."

Den von "Hürriyet" zitierten Ermittlungen zufolge kamen die beiden mutmaßlichen Attentäter aus der südostanatolischen Provinz Gaziantep nach Ankara. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte am Montag in einem Fernsehinterview eingeräumt, die Sicherheitsbehörden besäßen eine Liste mit den Namen möglicher Selbstmordattentäter. Man könne diese Verdächtigen jedoch nicht festnehmen, solange sie keine Straftat begangen hätten, weil die Türkei ein Rechtsstaat sei.

Diese Äußerung löste Aufsehen aus, weil die türkische Polizei fast routinemäßig Personen auch aus nichtigen Verdachtsmomenten festnimmt und Regierungskritiker sogar wegen missliebiger Twitter-Kommentare hinter Gitter wandern. Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu verlangt nun von der Regierung Auskunft darüber, ob die beiden als mutmaßliche Täter identifizierten Personen auf der von Davutoglu genannten Liste standen. "Wenn das so ist, dann stehen wir vor einem noch größeren Desaster", sagte Kilicdaroglu. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat unterdessen erstmals mögliche Fehler der Politiker und Behörden eingeräumt. "Es hat wohl irgendwo einen Fehler, ein Versäumnis gegeben", sagte Erdogan am Dienstagabend. Die Forderung der Opposition nach einem Rücktritt des Innen- und Justizministers wies Erdogan aber zurück. Am Mittwochmorgen meldete dann die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu, der Polizeichef von Ankara sowie die Leiter der Sicherheits- und der Geheimdienstabteilung seien vom Dienst suspendiert worden.

Nach Angaben aus Regierungskreisen hat die Polizei zwei Personen festgenommen, die einen Tag vor dem Attentat im Kurznachrichtendienst Twitter Befürchtungen über einen möglicherweise geplanten Anschlag auf die Kundgebung in Ankara verbreitet haben sollen. Die Festgenommenen sollen Verbindungen zu einer kurdischen Rebellengruppe haben. Mehrere Abgeordnete der größten Oppositionspartei CHP beantragten am Mittwoch im Parlament die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, der mögliche Versäumnisse im Vorfeld des Anschlags durchleuchten soll.

Attentäter hatten offenbar Verbindung zum IS - Erdogan räumt Fehler ein
Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan (links) und Finnlands Präsident Sauli Niinisto gedenken in Ankara der Anschlagsopfer vom vergangenen Samstag. Foto: afp

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15.10.2015, 12:00 Uhr
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