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Kardinal Marx reagiert in Schöntal gelassen auf Kritik von AfD-Chefin Petry

Attacke lässt Bischöfe kalt

Die Harmonie beim Frühjahrstreffen der katholischen Bischöfe in Hohenlohe konnte eine AfD-Attacke nicht trüben. Der Klerus ließ sich von Frauke Petrys harschen Vorwürfen nicht wirklich beeindrucken.

19.02.2016

Von HANS GEORG FRANK

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, predigte im Kloster Schöntal. Das Dorf im Jagsttal bezeichnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zwar als "entlegenen Ort", dennoch seien bei der Frühjahrsvollversammlung keineswegs "entlegene Themen" besprochen worden. Foto: dpa

Schöntal. Gelassen reagierte Kardinal Reinhard Marx auf Vorwürfe der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, für die kirchliche Hilfen für Flüchtlinge "eine Täuschung" und "verlogen" sind. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) war beim Abschluss der viertägigen Frühjahrsversammlung im Kloster Schöntal (Hohenlohekreis) gestern spürbar bemüht, die Äußerungen der Frontfrau der "Alternative für Deutschland" nicht durch seine Kommentierung aufzuwerten.

Petry hatte in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" behauptet, "inzwischen erheben einige Amtsträger der deutschen Kirchen ihre Stimme offenbar mehr für Muslime als für die eigenen Glaubensbrüder". Dabei hatte Kardinal Marx am Vortag zur Situation der Christen in den Krisenregionen gesagt, es sei "erschütternd", dass die Präsenz der Christen dort nach 2000 Jahren zu Ende zu gehen drohe. Es müsse "alles getan werden", dass sie zwar jetzt ihr Land verlassen, aber später wieder in die Heimat zurückkehren könnten.

In "Leitsätzen des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge" hat die DBK die "Solidarität mit Christen" beschrieben. Ihnen sei sie "auf besondere Weise verbunden". Es müsse garantiert sein, dass sie "gerade in Asylbewerberunterkünften keine Ausgrenzung oder Bedrängung aufgrund ihres Glaubens erfahren". Marx fügte hinzu, es wäre "eine gewisse Niederlage", wenn die Konfessionen in den Lagern getrennt werden müssten, "später sollen sie ja auch zusammenleben". Er verhehlte nicht, dass die Spannungen "gewaltig" seien, auch wegen der politischen und ethnischen Prägung. Deshalb müsse dafür gesorgt werden, dass die Menschen möglichst bald aus den Einrichtungen rauskämen.

Wer in Not sei, müsse unterstützt werden, bekräftigte Marx: "Ich kann nicht erkennen, dass wir nicht alles tun, um wirklich allen zu helfen." Es gebe auch "intensive Bemühungen" bei der Seelsorge für geflüchteten Christen: "Dass wir ihnen besondere zugewandt sind, ist doch selbstverständlich." Diskussionen müssten "in einem Stil des Respekts" geführt werden. Vordringlich sei jedoch das Engagement: "Wir müssen Prioritäten setzen, wenn Menschen im Mittelmeer ersaufen."

Der DBK-Vorsitzende zeigte sich erstaunt, dass die AfD, laut Petry, als "menschenverachtend" bezeichnet worden sein soll. "Wir haben über die AfD gar nicht gesprochen", widersprach Marx. Es könne auch keine Rede davon sein, dass das Gespräch mit der AfD verweigert werde: "Die Bischöfe sprechen zum Teil mit den Vertretern vor Ort." Er selber sehe für eine Aussprache "im Augenblick keine Veranlassung". Er habe auch gar keinen entsprechenden Brief bekommen. "Ich weiß gar nicht, was das soll", wies er Petrys Boykott-Behauptung zurück.

Die DBK wolle allerdings nicht zulassen, dass durch die AfD bei Foren von den eigentlichen Problemen abgelenkt werde, sagte Marx. Er billigte damit, dass beim Deutschen Katholikentag in Leipzig keine AfD-Mitglieder vertreten sind.

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Erstellt:
19. Februar 2016, 08:34 Uhr
Aktualisiert:
19. Februar 2016, 08:34 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2016, 08:34 Uhr

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