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Atmosphäre, aber wenig Substanz
Sally du Randt begeistert in „Prima Donna“ als Diva. Foto: Jan-Pieter Fuhr
Oper

Atmosphäre, aber wenig Substanz

Kitschverdacht: Das Theater Augsburg zeigt „Prima Donna“ des Songwriters Rufus Wainwright.

08.02.2018
  • JÖRN FLORIAN FUCHS

Augsburg. Rufus Wainwright hat eine beträchtliche Fanbase, trotz – oder wegen? – seiner näselnden Stimme. 2009 wurde sein Musiktheater „Prima Donna“ in Manchester uraufgeführt, ein Herzenswunsch des amerikanisch-kanadischen Songwriters und Opernfreaks. Jetzt zeigt das Theater Augsburg die deutschsprachige Erstaufführung – und bietet eine tolle Ensembleleistung.

Vor allem Sally du Randt begeistert als in die Jahre gekommene Diva, deren Comeback durch Selbstzweifel, die schicksalhafte Begegnung mit einem – singenden – Journalisten (mutig groteske Höhen erklimmend: Roman Poboinyi) sowie einen sinistren Butler verhindert wird. Zum Finale steht Madame eine gefühlte Ewigkeit am Fenster, betrachtet und besingt dabei ein Feuerwerk. Als das irgendwann dann doch mal abgebrannt ist, verklimpert auch die Oper.

Text und Handlung von „Prima Donna“ erweisen sich als reichlich klebrige Angelegenheit. Was wiederum perfekt zur Musik passt. Wainwrights zwischen ödem Minimalismus und müden Kitschmelodien schwankende Partitur würde glatt als Parodie durchgehen. Doch der Komponist meint es bitterernst, klaut mal Puccini-Schmachtereien, bedient sich mal bei Richard Strauss.

Als Zuhörer hält man sich mühsam wach mit dem Spiel „Erkennen Sie die Melodie?“, als Zuschauer kommt man schon eher auf seine Kosten. Hans Peter Cloos inszeniert mit präziser Personenführung und zahlreichen filmischen Elementen. Der Abend gewinnt mehr und mehr an Atmosphäre, das Stück selbst ist freilich nicht zu retten. Der böse Butler (toll: Wiard Witholt) erinnert stark an Wainwright – ein hübscher Einfall! Dirigent Lancelot Fuhry bemüht sich redlich, mehr aus „Prima Donna“ herauszuholen, als drin ist. Jörn Florian Fuchs

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08.02.2018, 06:00 Uhr
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