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Melitta, Manieren

Asfa-Wossen Asserate las in den Tübinger Museumssälen

Tübingen. Drinnen gab es nur Tässchen. Kleine weiße Tassen mit äthiopischem Kaffee, den Asfa-Wossen Asserate seit geraumer Zeit auf seinen Lesungen anbietet. Der Kaffee kam einem guten Zweck zugute - und war nebenbei Asserates Appell für ein wenig mehr Kaffee-Kultur im Heimatland von „Kaffee Hag“ und Melitta. Am Donnerstagabend las Prinz Asfa-Wossen Asserate, der 2003 mit seinem langen Essay „Manieren“ einen Publikumserfolg gelandet hatte, aus seinem aktuellen Buch: „Draußen nur Kännchen“ ist ein liebevoll zusammengetragenes Kuriositätenkabinett der deutschen (Un-)Kultur - lustig, geistreich und interessant.

18.09.2010

Tübingen. Drinnen gab es nur Tässchen. Kleine weiße Tassen mit äthiopischem Kaffee, den Asfa-Wossen Asserate seit geraumer Zeit auf seinen Lesungen anbietet. Der Kaffee kam einem guten Zweck zugute - und war nebenbei Asserates Appell für ein wenig mehr Kaffee-Kultur im Heimatland von „Kaffee Hag? und Melitta.

Am Donnerstagabend las Prinz Asfa-Wossen Asserate, der 2003 mit seinem langen Essay „Manieren? einen Publikumserfolg gelandet hatte, aus seinem aktuellen Buch: „Draußen nur Kännchen? ist ein liebevoll zusammengetragenes Kuriositätenkabinett der deutschen (Un-)Kultur - lustig, geistreich und interessant. Die Tübinger Museumssäle waren übervoll ? vielleicht auch, weil Asserate große Teile seiner Studentenzeit am Neckar verbracht hatte. 1968 hatte Asserate in Tübingen sein Studium begonnen. Früh hatte er auf der Suche nach einer guten Tasse Kaffee das damalige Café Pfuderer am Marktplatz ausgemacht, das, so der Prinz, „für die Schönheit seiner Kellnerinnen bekannt war?. „Draußen aber nur Kännchen!?, belehrte ihn damals eine der gastronomischen Schönheiten ? und stieß den jungen Äthiopier damit mitten hinein in die fremdartigen Riten der deutschen Kultur.

Die Tübinger Anekdote war titelgebend für das neue Buch des Autors - und zog am Donnerstagabend lange Ausführungen über die deutsche Kaffeekultur (gibt es, nämlich in Sachsen), die Erfindung des deutschen Porzellans (in Sachsen) und schließlich über die deutsche Geschichte im Allgemeinen nach sich.

Kritisches durfte man von Asserate freilich nicht erwarten. Der gebürtige Äthiopier sieht sich als Vermittler der Kulturen, und so etwas klappt nach Asserate am besten mit ? Manieren. „Die Geschichte der Deutschen ist mehr als die Vor- und Nachgeschichte des Nationalsozialismus?, ist genauso ein Standpunkt des Prinzen wie die Überzeugung, dass mit den Worten „Typisch Deutsch!? nur Deutsche über Deutsche fluchen: sehr versöhnlich.

Stark waren Asserates Sätze immer dann, wenn er geistreiche Ausflüge in die Welt der Moral unternahm: „Das Wesen der Manieren will sich nicht mit zweckgerichteten Denken vertragen?, urteilte der Prinz über den Schmalspur-Knigge der Berufswelt. Manieren seien schön, transzendent und auf Verständigung ausgerichtet, so Asserate. Manieren sind, und das stand unausgesprochen im Raum, wie eine gute Tasse Kaffee.Eike Freese

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Erstellt:
18. September 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. September 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. September 2010, 12:00 Uhr

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