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Bestattung

Asche zu Asche

In Remseck befindet sich das einzige Tierkrematorium im Großraum Stuttgart. Rund 400 Katzen, Hunde oder Kaninchen werden hier pro Monat eingeäschert – Tendenz steigend.

14.03.2017

Von CAROLINE HOLOWIECKI

Tierkrematoriums-Betreiber Walter Rupff mit einem Tonherz, auf dem ein Pfotenabdruck zu sehen ist. Das Angebot an Urnen und Grabbeigaben ist unendlich groß. Foto: Caroline Holowiecki

Remseck. Das Silberherzchen an der zarten Kette zieren zwei weiße Pfotenabdrücke. Ein besonderes Schmuckstück für Hundeliebhaber. Besonders auch, weil das Herzchen eine Öffnung hat. Es ist eine Miniatur-Urne, die man um den Hals tragen kann – mit den zu Asche verbrannten sterblichen Überresten von Bello, Fiffi und Co. Für die einen mag das morbide sein, für andere ist es Trauerbewältigung, eine Möglichkeit, den treuen Freund im Herzchen am Herzen zu tragen.

„Ein Tier ist heutzutage ein vollwertiges Familienmitglied, für viele ältere Leute ist es der einzige Ansprechpartner“, weiß Walter Rupff. Er ist Vorstand der Tieba AG. Sie betreibt in Remseck-Aldingen im Landkreis Ludwigsburg das einzige Tierkrematorium im Großraum Stuttgart. 2006 war es das erste in Baden-Württemberg, heute gibt es landesweit fünf. Im Backsteinbau im Industriegebiet, zwischen einem Tattoo-Studio, einer Kfz-Werkstatt und einer Sektkellerei, werden im Monat um die 400 Tiere eingeäschert. „Das geht beim Kanarienvogel los und reicht bis zur Deutschen Dogge“, sagt Walter Rupff.

Hochemotionale Abschiede

Ob winziger Piepmatz oder riesiger Hund: Für die Halter ist der Abschied in der Regel hochemotional. Täglich fließen Tränen im Krematorium, ganze Familie liegen sich in den Armen, wenn Hund, Katze, Maus den letzten Weg antreten. Walter Rupff versteht das. Er ist selbst Tierhalter, lebt mit einem Parson-Russell-Terrier, Hühnern und Schildkröten zusammen. Nach mittlerweile elf Jahren in dem Geschäft hat der gelernte Tierpräparator „einen gewissen Selbstschutz“ entwickelt, um die Geschichten nicht so sehr an sich heranzulassen. Schlucken muss der 60-Jährige dennoch immer wieder, wie er bekennt. Er erinnert sich an das alte Mütterlein, das den toten Hund brachte – die letzte Erinnerung an den Sohn, der nur Monate zuvor gestorben war.

Im Tierkrematorium wird der Trauer Raum gegeben. Im Abschiedszimmer wird der Körper, sofern es die Besitzer wünschen, nochmals aufgebahrt. Zuvor lagert er bei etwa -4 Grad im Kühlhaus. Zwischen Kerzen, Tier- und Engelsfiguren kann man sich bei selbst mitgebrachter Musik in Ruhe verabschieden, bevor der tierische Freund zum Ofen gebracht wird. Diesen sogenannten schwarzen Teil des Gebäudes dürfen Kunden nicht betreten, unter anderem aus Seuchenschutzgründen. Bei mindestens 700 Grad verbrennen die Tiere, in der Nachbrennkammer herrschen mindestens 850 Grad. Zurück bleiben Asche und das Gerippe. Die Reste werden anschließend zu einem weißen Granulat zermahlen. Im Regal lagern die durchsichtigen Plastikbeutel, jeweils mit Zetteln und dem Schamottstein gekennzeichnet. Bis zu 1,5 Liter Pulver bleiben von einem Schäferhund, knapp ein Drittel von einem Kätzchen.

Urnen mit Strass

Die sterblichen Überreste können die Auftraggeber bereits nach drei Stunden mitnehmen. Entweder in einer Transportbox, um sie später zu verstreuen. „Ich weise die Leute darauf hin, dass sie das nur auf ihrem eigenen Grund und Boden machen dürfen“, sagt Walter Rupff und lächelt. Will heißen: Was die Tierhalter nach dem Verlassen des Krematoriums tun, hat er nicht in der Hand. Außerdem gibt es ein schier unglaubliches Angebot an Urnen. Urnen mit Strass, biologisch abbaubare Urnen, Urnen in Herz-, Pyramiden- oder Häschenform. Im Trend sind Bilderrahmen mit einer verborgenen Kammer und 3D-Gipsabdrücke der Pfote.

Günstig ist so eine Feuerbestattung nicht. Das reine Kremieren kostet, je nach Gewicht des Tieres, zwischen 128 und 460 Euro. Günstiger sind die Sammeleinäscherung und die anschließende Bestattung im Gemeinschaftsgrab. Dennoch: Walter Rupffs Dienste werden immer gefragter. Zum einen, weil es immer mehr Tiere gibt. Allein in Stuttgart sind aktuell 14 242 Hunde gemeldet. Auch haben immer weniger Leute einen Garten zum Begraben, zum anderen, so Walter Rupff, sei das Bewusstsein gestiegen, was mit einem Kadaver in der Tierbeseitigungsanlage passiert. Dort wird er mit vielen anderen und Schlachtabfällen gekocht, geschreddert und zu Industrie-Schmierfett, -Öl oder Tiermehl verarbeitet. Walter Rupff weiß: „Viele sehen das und denken: Das hat mein Tier nicht verdient.“

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Erstellt:
14. März 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. März 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. März 2017, 06:00 Uhr

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