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Albstädter vor US-Gericht

Arzt wollte laut Anklage Mädchen für Missbrauch kaufen

Das FBI stellte im Internet Fallen, um potenzielle Kinderschänder zu fangen - bei zwei deutschen Medizinern schnappten sie zu. Ein Arzt aus Albstadt und ein Gynäkologe aus Sachsen wollten Mädchen "kaufen".

17.11.2011

Von PETER DE THIER

Cleveland Seit Jahren versuchen die US-Behörden, dem Sexhandel mit Kindern einen Riegel vorzuschieben. Jetzt sind den Fahndern zwei angesehene deutsche Ärzte ins Netz gegangen, ein Internist aus Albstadt und ein Frauenarzt aus dem nordrhein-westfälischen Schwalmtal. Seit dem Frühjahr sitzen sie in einem Gefängnis im US-Staat Ohio und warten auf die Verkündung des Strafmaßes.

Dr. Peter B. betrieb in einer weißen Villa in Albstadt eine erfolgreiche Praxis. Ansehen genoss der 49-jährige Internist vor allem deswegen, weil er als früherer Oberarzt der Bundeswehr zu Einsätzen im Kosovo und später Afghanistan ausgerückt war, um verletzte Flüchtlinge und deren Kinder zu behandeln. Amerikanische Behörden behaupten aber, eine andere Seite des respektierten Internisten kennen gelernt zu haben.

Im Juni vergangenen Jahres wählte er eine Webseite an, die versprach, gegen eine fixe Gebühr von umgerechnet 820 Euro sexuelle Begegnungen mit Minderjährigen zu vermitteln. Der Arzt gab sich als "Peter Maier" aus und buchte eine achtstündige Begegnung mit einem elfjährigen Mädchen, das allerdings gar nicht existierte. Er ahnte nicht, dass er in Wirklichkeit mit Fahndern des US-Bundeskriminalamts FBI und des amerikanischen Heimatschutzministeriums kommunizierte.

Als B. im März am Flughafen von Cleveland die Passkontrolle und die Zollabfertigung absolviert hatte, standen ihm bewaffnete Spezialagenten gegenüber; sie legten ihm Handschellen an. Er wurde wegen mehrerer Delikte im Zusammenhang mit "Sexhandel" angeklagt und bekannte sich am 15. August schuldig. Bis zu 15 Jahren könnte der Albstädter hinter Gittern verbringen müssen.

Zwischenzeitlich sind makabre Einzelheiten aus der Anklageschrift gegen den 49-Jährigen an die Öffentlichkeit gekommen. Demnach hatte der Internist konkrete Forderungen hinsichtlich des Alters, Gewichts und Erscheinungsbilds seines fiktiven Opfers gestellt.

Auch wurden in seinem Koffer diverse Utensilien für den sexuellen Missbrauch sowie eine Einhorn-Spielfigur gefunden, die als "Mitbringsel" dienen sollte. Zudem soll er angekündigt haben, das Beruhigungsmittel Midazolam verwenden zu wollen, "falls sie Angst haben sollte".

Im selben Monat hatte ausgerechnet ein zweiter deutscher Arzt, Dr. Otto L. aus Schwalmtal in der Nähe von Düsseldorf, aus ähnlichen Gründen ein Flugticket nach Cleveland gebucht. Der 63-jährige Gynäkologe, der in 2008 in Pension gegangen und nach Leipzig in Sachsen gezogen war, soll ebenfalls im Juni letzten Jahres auf derselben Webseite Interesse an sexuellem Kontakt "mit Kindern zwischen 10 und 13 Jahren" bekundet haben.

Laut Anklageschrift forderte er Fotos der angeblich zur Verfügung stehenden Kinder an und soll gefragt haben, ob er die Begegnungen mit einer Videokamera aufzeichnen kann. Diesen Wunsch soll auch der Albstädter Internist geäußert haben, der angeblich bereit war, für die Filmaufzeichnung eine zusätzliche Gebühr zu zahlen.

Versprochen hatten die Betreiber der Webseite, ihre Kunden nach der Ankunft in Cleveland in den US-Staat Michigan oder ins benachbarte Kanada zu bringen, wo die Begegnungen in Hotels stattfinden würden.

Vor seiner Reise in die USA hatte der Gynäkologe bereits einen Umschlag mit 100 Dollar (74 Euro) geschickt, die als Anzahlung dienen sollten. Am Sheraton-Flughafenhotel in Cleveland wurde er dann von den angeblichen Mittelsmännern empfangen, die ihn zu den Kindern bringen sollten.

Die Vermittler aber hatten nichts mit Sextourismus zu tun. Sie waren Sonderagenten des US-Grenzschutzes und Heimatschutzministeriums. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft habe der Deutsche noch eine Chance gehabt, der Verhaftung zu entgehen. Als er ihnen aber weitere 1600 Dollar (1180 Euro) in die Hand drückte, wurde er abgeführt.

Am 2. September wurde L. von dem zuständigen Bundesgericht in Akron, Ohio, in drei Punkten schuldig gesprochen: Wegen illegalen Sexhandels, der Absicht, Minderjährige auszubeuten und eine Reise mit der Absicht angetreten zu haben "einen rechtswidrigen Geschlechtsakt zu begehen".

Der Gynäkologe, dem eine Haftstrafe von maximal 20 Jahren droht, wird am 2. Dezember sein Schicksal erfahren. Die Verkündung des Strafmaßes für den Albstädter ist bereits für den 28. November angesetzt.

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Erstellt:
17. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. November 2011, 12:00 Uhr

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