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Lesung mit Schorlau und Palmer

Argumente gegen Stuttgart 21

Schon lange nichts mehr von Stuttgart 21 gehört? Es ist zu ruhig geworden um dieses Thema, findet Boris Palmer. Da kam eine Lesung mit Wolfgang Schorlau gerade recht.

28.01.2011

Von WOLFGANG ALBERS

Tübingen. Neulich sah Christian Riethmüller, Mitglied der Osiander-Geschäftsleitung, den VfB, als der FC Bayern kam und siegte. In der Reihe vor ihm waren sechs Bayern-Fans, die beim schnellen ersten Bayern-Tor jubelnd aufsprangen. Da kamen die schwarzen Sheriffs von der Security und sagten: Aufspringen und Jubeln verboten.

Das ist in einem Fußballstadion eine eher ungewohnte Regel, und so flippten die Bayernfans beim zweiten Tor der Münchner wieder aus. Wieder rückte die Security an und drohte: Beim nächsten Jubel kommt die Polizei. Da gab Christian Riethmüller, der zuvor vergebens zugunsten der Bayern-Fans interveniert hatte, diesen einen Tipp: „Macht euch jetzt mal lieber vom Acker. Wenn in Stuttgart die Polizei zulangt, wird?s gefährlich.“

Der Schwarze Donnerstag im September, als die Polizei mit Wasserwerfern auf Demonstranten schoss, wirkt nach. Das hat er auch bei Wolfgang Schorlau getan, dem Gast auf der Osiander-Lesung am Mittwochabend im Museum.

Lügen und Schläge – demütigend sind beide

Wolfgang Schorlau firmiert unter Krimiautor, aber in dieses Genre packt er viel Politik, vom Münchner Oktoberfest-Attentat bis zu den dunklen Kanälen der Wasserwirtschaft. So waren die Demos vor seiner Stuttgarter Haustür für ihn ein willkommener Anlass, Eindrücke für ein neues Buch zusammenzutragen. Deshalb radelte er auch zu der Schülerdemo am 30. September. Und ist heute noch ganz aufgewühlt von den Ereignissen: „Ich habe schreckliche Szenen gesehen.“ Ältere Damen, die der Wasserwerferstrahl einfach weghob, Schüler im Baum, auf die er zielte. „Wären diese Jugendlichen fünf bis acht Meter heruntergestürzt, sie hätten tot sein können. Wer war der Barbar, der den Befehl gab, und wer war der Barbar, der ihn ausführte?“

Zuhause, mit klatschnassen Klamotten und einem Kopf, der von Schlägen schmerzte, sah Wolfgang Schorlau im Fernsehen einen Innenminister Rech, der die Demonstranten als gewalttätig schmähte. „Die Lüge ist genauso demütigend wie es die Schläge sind“, fand Wolfgang Schorlau – und beschloss, sich mit dem Buch „Stuttgart 21 – Die Argumente“ zu wehren. Einer seiner Ko-Autoren ist Boris Palmer, der vor den rund 200 „Museums“-Besuchern fast schon kabarettistisch den Fahrplan für den Tunnelbahnhof auseinandernahm. Und eher nachdenklich wurde, als Wolfgang Schorlau ihn zu den Chancen befragte, Stuttgart 21 noch zu stoppen.

„Wir sind nicht mehr in der Wahrnehmung, das Thema ist plötzlich weg.“ Einen Teil der Schuld gibt er den Medien: „Sie gehen Modetrends hinterher wie jetzt der Gorch Fock, anstatt kritisch dranzubleiben.“ Oder seien wie in Stuttgart auf der Pro-Linie.

Entscheidend ist bei der Wahl

Da fühlt er sich in Tübingen besser bedient: „Über das TAGBLATT können wir uns nicht beschweren, das ist kein Stuttgart 21-Beförderungsverein. Man darf nur nicht den Mantel lesen.“ Zum Teil sei man auch selbst schuld: „Wir hätten nicht akzeptieren dürfen, das der Schlichter Heiner Geißler keine Freiheit hat, gegen Stuttgart 21 zu sein, aber jedes Recht, dafür zu sein.“ Die Schlagzeilen „Geißler für Stuttgart 21“ seien ein Problem. Aber dieser Effekt werde verpuffen: „Ich glaube nach wie vor an die Kraft der Aufklärung.“ Und die Entscheidung werde an der Wahlurne fallen: „Wenn etwas Stuttgart 21 stoppen kann, dann ist es die Landtagswahl.“

Mittwochabend in den Oberen Sälen des „Museums“: Autor Wolfgang Schorlau (links) im Gespräch mit Oberbürgermeister Boris Palmer. Bild: Sommer

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Erstellt:
28. Januar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. Januar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2011, 12:00 Uhr

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