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Raumfahrt

Appell von Astro-Alex: „Wir haben keinen Planeten B“

In seiner Heimatstadt Künzelsau wird der Astronaut Alexander Gerst auch bei Wolkenbruch und Donnerwetter als bodenständiger All-Star gefeiert.

20.05.2019

Von HANS GEORG FRANK

Alexander Gerst berichtete in Künzelsau auch von seinen Experimenten auf der ISS. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Künzelsau. Pauline muss nicht mehr überzeugt werden von der Faszination der Raumfahrt. Der Berufswunsch der Erstklässlerin steht schon fest: Astronautin. „Wie Alexander Gerst“, betonte die Siebenjährige. Aus Marktbreit am Main ließ sie sich von ihren Eltern eine Stunde lang nach Künzelsau am Kocher fahren. Dort wurde am Samstag eine „Welcome Party“ als pseudooffizieller Abschluss der ISS-Mission gefeiert – 149 Tage nach der Rückkehr aus dem All.

Das Fest sollte einen doppelten Zweck erfüllen. Alexander Gerst (43), der „Hohenloher Bub“, wollte seiner Heimatstadt danken für die verehrungsgleiche Treue, die dem Ehrenbürger entgegengebracht wird. Die Europäische Weltraumagentur konnte dabei für die Raumfahrt und um wissenschaftlichen Nachwuchs werben. Trotz Wolkenbruchs und Donnerwetter feierten mehr als 3000 Fans ihren „Astro-Alex“.

In das Lob auf den charismatischen Astronauten stimmte der für Raumfahrt zuständige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ein. Mit seiner wichtigen Mission, seinen mahnenden Bildern und seinen Appellen zum Schutz der Erde habe Gerst „für unser Land viel mehr erreicht als Politiker je in ihrem Leben zustande bringen“.

Die Sympathien für Gerst passen dem Minister gut ins Konzept: „Wir wollen aus der bemannten Rumfahrt nicht aussteigen.“ Es handle sich nicht nur um einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Für jeden investierten Euro gebe es ja zwei zurück. Auch bei einer Mondmission wolle Deutschland dabei sein – am liebsten mit Gerst an Bord der Orion-Rakete. Der Künzelsauer zeigte sich nicht abgeneigt. Er werde sich „auf jeden Fall bewerben“, hatte er zuvor angekündigt.

Auch wenn kein Deutscher jemals eine so lange Dienstreise zurückgelegt hat, sei Gerst zwar „ein Überflieger, aber gleichzeitig mit beiden Beinen fest auf der Erde geblieben, wo er herkommt“, betonte Altmaier. Diese Erde müsse viel stärker als bisher geschützt werden, mahnt der All-Star unablässig. „Wir haben keinen Planeten B“, pflegt der Außerirdische auf Zeit gerne zu sagen. „Es ist uns vielleicht gar nicht ganz klar, was für ein wertvolles Luxusgut das ist“, lautete eine seiner Botschaften in Künzelsau. Deshalb hält er auch die „Fridays for Future“-Demonstrationen für „sehr wichtig“. Als Alibi-Aktionen von Schulschwänzern möchte er diesen Kampf für eine rasche Klimawende nicht verstanden wissen.

Auf der Bühne bot der gertenschlanke Gerst eine leicht verständliche Einführung in den unschätzbaren Wert galaktischer Expeditionen. Er berichtete über Experimente für eine effizientere Medizin bei Parkinson, Alzheimer, Schlaganfall, Krebs. Nur in den speziellen Bedingungen der ISS ließen sich für die Forschung größere Kristalle züchten, die auf der Erde eingehender analysiert werden könnten. Gleiches gelte für Nutzpflanzen, die einen Klimawandel überstehen könnten: „Damit können wir vermeiden, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen.“ Sogar für Beton lasse sich in der Schwerelosigkeit eine bessere Formel finden.

Der Sack mit Reis in China

Es regte sich keinerlei Widerspruch, als Gerst die globalen Zusammenhänge definierte: „Wenn in China ein Sack Reis umfällt, kümmert mich das auch – der Planet ist so klein, dass man an der einen Ecke spürt, was an der anderen passiert.“

„Ich bin kein Superstar, ich bin ein ganz normaler Mensch“, wollte er in seiner Geburtsstadt die Begeisterung für ihn etwas bremsen. Wer sich für die Raumfahrt interessiere, solle überzeugt sein, „wenn der Gerst das kann, dann kann ich das auch“.

Pauline aus Franken „wil auch mal inz Weldraum fliegen“, hatte sie auf ein Bild für Alexander Gerst gekritzelt. Ihren Berufswunsch bekräftigte sie mit passendem Outfit: Die Oma hatte ihr zum Geburtstag einen Overall geschenkt, der aussieht wie der eines Astronauten. Nur den Helm ließ das Mädchen im Auto. Dafür war es zu warm in Hohenlohe.

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Erstellt:
20. Mai 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Mai 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 06:00 Uhr

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