Die Hose nochmal auf

ApoSKAlypse: Skamusik statt Weltuntergang

Weltuntergangsstimmung am Freitag im Sudhaus? Iwo! Drei Bands, Secret Asian Men, Bülbül Manush und Suit Up! sorgten bei der ApoSKAlypse dafür, dass gut 130 Gäste zum Offbeat tanzten.

24.12.2012

Von Michael Sturm

Bläserattacken. Die Rhythmusgruppe aus Gitarre, Bass und Schlagzeug rein auf den Offbeat ausgerichtet. So kennt man Ska, den älteren, etwas wenig bekannteren Bruder des Reggae. Ska wird schneller gespielt und reizt daher massiv zum Pogo tanzen. Oder dazu, die Beine rasant nach vorne zu werfen, ohne dabei umzukippen.

Dafür hätten die Tänzer am Freitagabend im Sudhaus Platz genug gehabt. Sie zogen es jedoch vor, unaggressiv zu hüpfen. Das allerdings dauerhaft. Das ging schon bei den Secret Asian Men aus Tübingen los. Denen stand Sängerin Janina vor. Während der Refrains klang die Gitarre meist recht rockig – untypisch für das Genre. Ebenso die kurzzeitigen Wechsel der Tempi in manch einem Stück. Da tendierten die Secret Asian Men für ein paar Takte in die etwas weichere Reggae-Richtung. Es dauerte zwei Lieder, dann platzte beim Publikum der Knoten.

Bülbül Manush aus Erlangen waren die Entdeckung des Abends. Die mit acht Männern und drei Frauen angetretenen Franken wandelten auf den Pfaden der 17 Hippies, was die musikalische Experimentierfreude betrifft: Ska war das eigentlich schon nicht mehr, eher Weltmusik. Frontfrau Julia sang auf türkisch, arabisch, ungarisch oder schwedisch. Für ein Stück aus der Ukraine übergab sie das Mikrophon an Perkussionist Aljoscha, mit den Worten: „Du hast wenigstens eine Ahnung, wovon Du singst.“ Ungewöhnliche Rhythmen – etwa ein 9/8-Takt – trafen auf eine bunte Instrumentierung. Neben Schlagzeug, Bass und Gitarre hörte man Akkordeon, Cello, Querflöte und einmal sogar den Dudelsack. Der reguläre Bläsersatz: Zwei Trompeten, eine Klarinette. Ungewöhnlich, aber enorm ansteckend. Vokalpartien, die an russische Choräle erinnerten. Da steckte viel drin: Ska, orientalisch anmutender Funk, Balkan-Pop – extrem tanzbar. Und weil sich die Zuhörer offenbar nicht genug gehen ließen, sprang Aljoscha ins Publikum und tanzte.

Nun kochte die Stimmung so sehr, dass eine Zugabe kommen musste. Bülbül Manush ließen sich nicht lange bitten. Bassist Alexander verspricht: „Weil es so schön war bei euch, machen wir die Hose nochmal auf.“ Es folgte ein Liebeslied über die mazedonischen Frauen mit einem hinreißenden Klarinetten-Solo. Kaum zu glauben, dass es diese Band erst seit zweieinhalb Jahren gibt und dass die Band in der Mehrzahl aus Medizinern besteht.

Den Abschluss des Abends bildeten die Tübinger Suit Up! Die kennt man in dieser Region bereits als eine Band, die eine melodische Variante des Ska macht und gelegentlich in die weicheren Reggae-Klänge überzugehen vermag. Außerdem sind die Tübinger eine Band, die sich optisch sehr stilsicher zu präsentieren weiß. Ihren Hutständer ließen die konsequent in weiß und schwarz gekleideten Musiker dieses Mal im Proberaum. Es galt keine Zeit zu verplempern und das Publikum nur nicht aus seiner Tanzlaune heraus lassen! Und das war der Fall, bis nach Mitternacht.

Ska oder doch eher Weltmusik? Bülbül Manush aus Erlangen, hier im Bild, bringen das Sudhaus zum Tanzen.

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Erstellt:
24. Dezember 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Dezember 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Dezember 2012, 12:00 Uhr

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