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Hagelschäden sind eventuell steuerlich absetzbar

Ans Finanzamt denken: Frist endet in zehn Monaten

Noch sind nicht alle Schäden repariert, die das Hagel-Unwetter im Juli 2013 hier in der Region massenhaft hinterließ. Wer nicht alle Kosten von einer Versicherung ersetzt bekommt, kann sie möglicherweise steuerlich absetzen. Aber er muss sich sputen.

08.10.2015
  • Gert Fleischer

Kreis Tübingen. Der Hagelsturm in Teilen Baden-Württembergs und Bayerns, hinterließ einen Gesamtschaden von 3,6 Milliarden Euro. Es handelt sich um den bisher größten Hagelschaden für die Versicherungsunternehmen in Deutschland. Die Kreise Tübingen und Reutlingen waren stark betroffen. Die Dächer sind inzwischen weitgehend repariert. „Zu mehr als 95 Prozent“, sagt Gebhard Höritzer vom Tübinger Unternehmen Peetz Bedachungen. Es würden vereinzelt jetzt noch Hagelschäden entdeckt, die bisher unerkannt blieben. Höritzer empfiehlt deshalb nochmals einen gründlichen Blick.

Vielfach sind in den Städten und Gemeinden noch gelöcherte Rollläden, zerschlagene Jalousien, verbeulte Blechverwahrungen zu sehen. Manche Reparatur wurde hintangesetzt, weil erst die notwendigeren Instandsetzungen zu machen waren. Manche ertragen den Anblick; sie ließen sich einen Abgeltungsbetrag von der Versicherung auszahlen.

Andere Hauseigentümer verhandeln oder streiten noch mit ihrer Versicherung, zu welchem Grad sie die Schadensbeseitigung trägt. Die Dellen im Blech seien nur ein optischer, kein technischer, funktionaler Mangel – das ist ein Argument der Versicherungsunternehmen. Dementsprechend bieten sie Geld für die Wertminderung an. Das ist den Eigentümern oft zu wenig.

Wichtig sind dabei die unterschiedlichen Vertragsbedingungen der Versicherer. Höritzer rät, im Zweifel einen Gutachter einzuschalten.

Darüber, dass manche Versicherung bezahlt, dann aber den Vertrag kündigt, berichteten wir im Juli. Wer seinen Schaden nur zum Teil ersetzt bekommt, kann die Kosten, auf denen er sitzen bleibt, grundsätzlich bei der Steuer absetzen.

Vielleicht lässt sich etwas bei der Steuer absetzen

Doch dafür gibt es eine Frist, die bei unseren Anfragen selbst beim Finanzamt Tübingen und auch bei Steuerberatern nicht bekannt war. Eduard Bachert, Steuerberater bei Auren in Rottenburg, suchte auf Wunsch des TAGBLATTs und fand den rechtlichen Rahmen. Festgeschrieben ist die Frist in der Einkommensteuerrichtlinie R 33.2. Dort heißt es: „Aufwendungen zur Wiederbeschaffung oder Schadensbeseitigung können im Rahmen des Notwendigen und Angemessenen (. . . ) als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden.“ Allerdings müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Die Aufwendungen müssen „einen existentiell notwendigen Gegenstand betreffen“. Laut Richtlinie sind das Wohnung, Hausrat und Kleidung, nicht aber das Auto oder eine Garage. Verlust oder Beschädigung müssen „durch ein unabwendbares Ereignis wie Brand, Hochwasser, Kriegseinwirkung“ verursacht sein. Hagel ist zwar nicht explizit genannt, dürfte aber dem Hochwasser gleichgestellt sein.

Steuerpflichtige müssen tatsächlich etwas für Reparaturen bezahlt haben, „ein bloßer Schadenseintritt reicht zur Annahme von Aufwendungen nicht aus“. Einfach den Betrag des geschätzten Schadens absetzen zu wollen, geht also nicht. Die Aufwendungen müssen zudem „ihrer Höhe nach notwendig und angemessen sein“. Das Finanzamt berücksichtigt sie nur, soweit sie den Wert des beschädigten Gegenstands „im Vergleich zu vorher nicht übersteigen“.

Zudem sind die tatsächlich geleisteten Aufwendungen um den „nach Schadenseintritt noch vorhandenen Restwert zu kürzen“. Wer Kosten bei der Steuer absetzen will, muss außerdem „glaubhaft darlegen, dass er den Schaden nicht verschuldet hat und dass realisierbare Ersatzansprüche gegen Dritte nicht bestehen“.

Eine steuerliche Absetzung erkennt das Finanzamt nach dieser Richtlinie R 33.2 nicht an, wenn die Steuerzahler „zumutbare Schutzmaßnahmen unterlassen oder eine allgemein zugängliche und übliche Versicherungsmöglichkeit nicht wahrgenommen“ haben. Wer keine Versicherung abgeschlossen hatte, aus Nachlässigkeit oder weil sie ihm zu teuer schien, hat demnach keinen Anspruch, wenigstens einen Teil seines materiellen Verlustes vom Fiskus zu holen.

Wichtige Frist endet drei Jahre nach dem Hagel

Ganz zum Schluss kommt die wichtige zeitliche Einschränkung: „Das schädigende Ereignis darf nicht länger als drei Jahre zurückliegen, bei Baumaßnahmen muss mit der Wiederherstellung oder Schadensbeseitigung innerhalb von drei Jahren nach dem schädigenden Ereignis begonnen worden sein.“ Konkret auf das verheerende Hagelunwetter vor gut zwei Jahren bezogen bedeutet das im Fall steuerlicher Absetzung: Spätestens am 27. Juli 2016 müssen die Hagelschäden nicht nur begutachtet, ihre Beseitigung nicht nur in Auftrag gegeben worden sein, sondern die Bauarbeiter müssen mit der Reparatur oder der Erneuerung mindestens angefangen haben.

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08.10.2015, 12:00 Uhr
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