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Warten auf neue Enthüllung

Angst in Washington: Edward Snowden hat Daten im Internet gespeichert

Edward Snowden sitzt in Russland fest. Nun könnten neue brisante Daten auf den Markt kommen - verteilt von drei ausgewählten Mitstreitern. Für Snowden ist dieser Datenpool eine Art Lebensversicherung.

30.11.2013

Von PETER DE THIER

Washington In Washington geht die Angst um: Hält NSA-Whistleblower Edward Snowden für das Weiße Haus und die US-Geheimdienste eine unangenehme Überraschung parat? Angeblich plant der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter, während der kommenden Wochen eine Fülle geheimer Informationen in den Medien zu lancieren.

Nach Angaben aus Regierungskreisen liegen verlässliche Informationen vor, dass Snowden tausende Dokumente der NSA und des britischen Geheimdienstes GCHQ im Internet in einer Daten-Cloud gespeichert hat. Zugang zu den mehrfach verschlüsselten Dateien haben demnach genau drei bisher unbekannte Personen, deren Passwörter jeden Tag nur zu bestimmten Zeiten Gültigkeit haben. Die Dateien sollen unter anderem die Namen von Spionen und ranghohen Mitarbeitern der beiden Organisationen sowie anderer Geheimdienstbehörden enthalten, so auch des Auslandsdienstes CIA.

"Den genauen Zeitpunkt wissen wir natürlich nicht", erklärt ein US-Regierungsangestellter, "doch das Schlimmste steht noch bevor, und für einen wahrscheinlichen Zeitpunkt halten wir die bevorstehenden Feiertage." Dem 30-jährigen Snowden, dem in Russland vorübergehend Asyl gewährt wurde, geht es nach Ansicht von Experten auch darum, sich gegen das Risiko einer Auslieferung an die USA oder einer möglichen Entführung durch amerikanische Geheimdienstagenten abzusichern.

"Dass diese Dokumente mehrfach verschlüsselt und gezielt mehreren Personen zugänglich gemacht werden", so der Antiterror- und Geheimdienstexperte Richard Clarke, "ist für Snowden eine Art Lebensversicherung". Er wolle sicherstellen, dass, wenn ihm etwas zustößt, eine Fülle peinlicher und womöglich gefährlicher Dokumente an die Öffentlichkeit kommt. Strategisch sei der Schritt "nicht unklug", erklärt Clarke, der mehrere US-Präsidenten in Geheimdienstfragen beraten hat. "Snowden weiß, dass die Angst vor weiteren Enthüllungen Regierung, Militär und Geheimdienste davon abhalten könnte, ihn um jeden Preis weiterzuverfolgen."

Experten glauben daher, dass Snowden nur einen Bruchteil jener Daten preisgeben wird, die er während seiner Jahre als Zulieferer für die NSA speicherte. Er hatte zunächst für die Computerfirma Dell gearbeitet, wo er Zugang zu Akten der britischen GCHC hatte. Danach wechselte er zum US-Konzern Booz Allen Hamilton, wo er offenbar ungehindert Zugang zu Dokumenten der NSA hatte. Neben Namen und Lebensläufen von Agenten könnten auch Informationen über deren Privatleben preisgegeben werden, die ihren Status als Geheimdienstmitarbeiter kompromittieren würden.

Unklar ist, inwieweit Snowden Einzelheiten über Überwachungsprogramme an die Öffentlichkeit bringen will. Im Fokus der NSA soll neben dem iranischen Nuklearprogramm auch die Kooperation des Iran mit Russland gestanden haben. "Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Wladimir Putin so bereitwillig den Verräter aufgenommen hat", erklärt der Antiterrorexperte Steven Halsey. "Er möchte kontrollieren, über welche Informationen Snowden verfügt und wann diese in welchen Medien publiziert werden."

Diese Möglichkeit hätten US-Behörden auch gern. Sie, sagen Experten, sind inzwischen besorgt über die Folgen möglicher Datenlecks für ihr Image und über die Beziehungen zu Verbündeten.

Wann kommt die nächste Information? NSA-Enthüller Edward Snowden (rechts) Anfang November an einem unbekannten Ort in Moskau. Foto: dpa/Wikileaks

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Erstellt:
30. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. November 2013, 12:00 Uhr

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