Teurer Weg zum Traumjob

Angehende Psychotherapeutinnen fordern Reformen

„Wir sehen rot – PiA ist in Not!“, war das eindringliche Motto des bundesweiten Protesttages der „PsychotherapeutInnen in Ausbildung“ (PiA) am Dienstagnachmittag. Rund 30 von ihnen fanden sich an der Stiftskirche ein, um über ihre kritische Lage aufzuklären.

27.05.2016

Psychotherapeuten in Ausbildung protestierten auf den Treppen der Tübinger Stiftskirche.Bild: Faden

Psychotherapeuten in Ausbildung protestierten auf den Treppen der Tübinger Stiftskirche.Bild: Faden

Tübingen. „Mit unserer Aktion möchten wir auf die prekäre Lage der PiA aufmerksam machen“, so Sabine Arnold. Die 27-Jährige ist eine der 30 jungen Protestierenden, die sich in Tübingen für eine Reform des Psychotherapeutengesetzes einsetzen.

Arnold arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Tübingen im Bereich Klinische Psychologie und Psychotherapie und hat direkt nach dem Abitur mit 19 Jahren angefangen, Psychologie zu studieren. Letztes Jahr hat sie ihr Masterstudium in Psychologie erfolgreich abgeschlossen. „Ich arbeite momentan noch als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, um Geld für die Ausbildung zur Psychotherapeutin anzusparen“, so Arnold.

Dass dies bitter nötig ist, um die Ausbildung überhaupt machen zu können, zeigen die Zahlen. Rund 25 000 Euro kostet die drei- bis fünfjährige Ausbildung. Bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden oder mehr erhalten die angehenden Psychotherapeuten als Vergütung für ihre Arbeit zwischen Null und 450 Euro. „Die Bezahlung und auch die rechtlichen Leistungen variieren immer von Krankenhaus zu Krankenhaus“, erklärt Arnold. „Wir wollen psychotherapeutische Versorgung leisten“, allerdings sei dies unter den aktuellen Bedingungen mehr als schwierig, so Arnold weiter.

Die Forderungen der PiA sind klar: Sie wollen eine gerechte Bezahlung während der Ausbildung, ebenso wie einen eindeutigen rechtlichen Status. Denn oftmals finden sich in ihrem Ausbildungsvertrag keinerlei Regelungen zu Sozialversicherungen oder Arbeitszeiten.

Seitdem 1999 das Psychotherapeutengesetz in Deutschland eingeführt wurde, gab es keine großen Reformen. „Wir verlangen, dass das Gesetz reformiert wird, und zwar jetzt!“, so die Forderung Arnolds.

Die angehenden Psychotherapeuten hielten stumm rote Schilder mit eindringlichen Botschaften in die Höhe. „Psychotherapeuten in Ausbeutung“, „Ihr kommt wegen Burnout? Wir haben ihn schon!“ und „Patient geheilt – Therapeut bankrott“ waren nur einige der Slogans, die auf den Plakaten zu lesen waren. Zusätzlich waren vor der Stiftskirche mehrere Aktivist(inn)en mit Flugblättern unterwegs und sprachen Passanten an, die interessiert stehen blieben.sma