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Das politische Buch

Anatomie der griechischen Krise

Ulf-Dieter Klemm, Wolfgang Schultheiß (Hg): Die Krise in Griechenland. Campus, Frankfurt/ New York, 546 Seiten, 29,90 Euro.

13.05.2015

Von GERD HÖHLER

Seit fünf Jahren hält die Griechenland-Krise Europa und die Welt in Atem. Jetzt haben Ulf-Dieter Klemm und Wolfgang Schultheiß ein Buch vorgelegt, das den Ursachen der Krise nachgeht und ihre Folgen analysiert. Der über 500 Seiten starke Band ist die bisher mit Abstand umfassendste und kompetenteste Aufarbeitung der Krise.

Beide Herausgeber sind gute Kenner des Landes und ihrer Menschen: Klemm lebte schon vor seinem Jurastudium sechs Jahre in Griechenland und kehrte später als Diplomat an die deutsche Botschaft nach Athen zurück. Schultheiß war 2005 bis 2010 deutscher Botschafter in Griechenland. Sie konnten für die 28 Beiträge hochkarätige Autoren gewinnen, denen es gelingt, die weitverzweigten ökonomischen, politischen und sozialen Ursachen der Krise und die Folgen für Wirtschaft, Menschen und das politische System sachkundig aufzuarbeiten.

So erklärt der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Panos Kazakos den Weg in die Krise und analysiert die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Strukturreformen. Andreas Stergiou, Historiker und Politologe, widmet sich dem Thema Staatsverständnis und Klientelismus in Griechenland, einem zentralen Aspekt der Krise. Kai Carstensen, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Kiel, geht der Frage nach, ob ein "Grexit", ein Ausscheiden aus der Währungsunion, Griechenland helfen würde. Die Rolle der Medien kommt ebenso wenig zu kurz wie das Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen. Ein ausführliches Kapitel ist den Reparationsforderungen gewidmet, ein Thema, das in Griechenland seit Jahrzehnten diskutiert wird und seit dem Amtsantritt von Alexis Tsipras wieder in den Vordergrund gerückt ist.

Der thematische Bogen des Buches ist weit gespannt. So ist hier zugleich ein neues Standardwerk zur Geschichte, Wirtschaft und politischen Kultur des modernen Griechenland entstanden. Die der Ökonomie gewidmeten Abschnitte werden mit detaillierten Daten und aussagekräftigen Grafiken hinterlegt. Zu jedem Kapitel gehören ein detaillierter Fußnotenapparat und eine Literaturliste. So genügt das Buch wissenschaftlichen Ansprüchen.

Dass 20 der Autoren Griechinnen und Griechen sind, viele von ihnen in Deutschland ausgebildet, gehört zu den Stärken dieses Bandes. Auf die gerade in diesen Tagen immer wieder gestellte Frage "Schaffen es die Griechen?" haben allerdings weder sie noch die beiden Herausgeber eine Antwort.

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Erstellt:
13. Mai 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Mai 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2015, 12:00 Uhr

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