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American Football: Generationenduell der Quarterbacks im 50. Super Bowl
Superman gegen Sheriff

American Football: Generationenduell der Quarterbacks im 50. Super Bowl

Auch wenn im American Football Mannschaften gegeneinander spielen: Im 50. Super Bowl kommt es zum Generationenduell zwischen Peyton Manning und Cam Newton - mit klaren Vorteilen für den Youngster.

06.02.2016
  • TOBIAS KNAACK

Ulm/Santa Clara. Es ist eine Geschichte ganz nach amerikanischem Geschmack - und wie sie Hollywood nicht besser hätte schreiben können. Wenn in der Nacht zu Montag (0.40 Uhr, Sat.1 und http://www.ran.de) im kalifornischen Santa Clara zum 50. Mal ein Super Bowl, das Finale der Football-Liga NFL, angepfiffen wird, kommt es zum Clash der Kulturen. Genauer gesagt: der Spielkulturen. Es geht um große Figuren: einen Superman und einen Sheriff. Es geht aber auch um eine Wachablösung: Jung will Alt vom Thron stoßen. Es geht um Spielweisen: Die beste Defensive trifft auf die beste Offensive. Kurz und amerikanisch formuliert: Es steht alles auf dem Spiel. Und das zum Jubiläum.

Nun ist Football laut Regelbuch zunächst ein Mannschaftssport. Dennoch liegt der Blick immer besonders auf den Quarterbacks, den Spielmachern. Und das auch noch vermehrt, seit sich die NFL über die vergangenen Dekaden noch stärker zu einer passorientierten Liga entwickelt hat.

Maßgeblich dazu beigetragen hat auch Peyton Manning (39), Quarterback der Denver Broncos, früher Indianapolis Colts. Vielen gilt er als Football-Superhirn, als Trainer auf dem Feld, als Revolutionär des Spiels. Mit Änderungen von Spielzügen in der Aufstellung und einer nahezu maschinellen Präzision in seinen Pässen hat er über Jahre hinweg Abwehrreihen seziert. Seine Gabe, die Ordnung auf dem Feld nach seinen Wünschen herzustellen, brachte ihm von einem US-Kommentator mal den Titel „Sheriff“ ein - und nahezu jeden erdenklichen Passrekord der Liga.

Andere sehen ihn trotz eines Super-Bowl-Titels als „Ewigen Zweiten“: Ein Mann seiner Fähigkeiten müsste mehr Titel haben, lästern sie. In den entscheidenden Spielen habe er, bis auf wenige Ausnahmen, immer versagt. Die Statistiken der Playoffs, also wenn es ernst wird auf dem Weg zum Titel, geben den Kritikern zumindest in Teilen recht. In der besonders übersteigerten amerikanischen Sportbetrachtung, in der der Zweite immer der erste Verlierer ist, ist für Leute wie Manning eigentlich kein Platz.

Es sei denn, er holt am Montagmorgen im vierten Anlauf seinen zweiten Titel. Es ist wohl seine letzte Chance auf einen zweiten Super-Bowl-Ring: Der Sheriff ist auf seinem „Last Rodeo“, seinem letzten Ritt, wie er nach dem Halbfinalsieg zu Bill Belichick, Trainer des Dauerkonkurrenten seiner Karriere, New England Patriots, sagte.

Manning wusste nach dem Halbfinalsieg um dessen Bedeutung. Er wusste es vor allem deshalb, weil er über weite Teile der Saison recht wenig zu diesem Erfolg beigetragen hat: Grottenschlechte Leistungen wechselten sich mit Verletzungen ab. Sein Körper lässt den 39-Jährigen in seiner 18. Saison langsam, aber sicher im Stich. Der Erfolg der Broncos ist nahezu allein Verdienst der Defensive - die beste dieser Saison, eine der stärksten und dominantesten in der Liga-Geschichte.

Peyton Manning vom Thron oder, um im Rodeo-Bild zu bleiben: vom Pferd stoßen will Cam Newton mit seinen Carolina Panthers. Newton (26), der nach einem Touchdown gerne als Superman posiert, ist eine völlig andere Art Spielmacher. Er hat einen Arm wie ein Quarterback, die Beine eines Runningbacks - und könnte mit seinem massiven Körper auch in der Defensive eine gute Figur abgeben.

Newton hat allerbeste Aussichten, am heutigen Samstagabend zum besten Spieler der Saison gekürt zu werden. 50 Touchdowns hat er mit Würfen oder eigenen Läufen bisher erzielt. Carolina stellt die beste Offensive der Saison. Und das, obwohl Newton keine außerordentlich talentierte Crew von Passempfängern um sich herum hat.

Das hat vor allem mit Newtons Leistungsexplosion zu tun. Wie Manning auch ein Number-One-Pick, also als erster Spieler eines Drafts von einem Team ausgesucht, zeigte er sofort sein enormes Talent - und eine Menge Schlampigkeiten. 2014 hatte Newton einen schweren Autounfall. Viele glauben, dass ihn, den Superman, das, obwohl er noch immer wie ein Kleinkind über das Feld hüpft und seine Mäzchen macht, geerdet hat. Er ist konzentrierter, fokussierter, und ein wahrer Kapitän seines Teams geworden.

Hinzu kommt, dass die Defensive - nach den Broncos - zum Besten gehört, was die Liga zu bieten hat. Sie hat den Gegnern am häufigsten den Ball abgeluchst - sei es, dass sie Pässe des gegnerischen Quarterbacks abfangen (Interception) oder den Ballträgern den Football aus der Hand schlagen und aufheben (Fumble).

Die Panthers haben die beste Quote im Verhältnis von Balleroberungen zu -verlusten. Das macht sie im Finale zum klaren Favoriten, da sie in der Balance aus Offensive und Defensive das ausgeglichenere Team stellen.

Dennoch gibt es auch Statistiken, die Denver Mut machen - gemäß dem sportlichen Sinnspruch, die Defensive gewinne Meisterschaften: Seit 1970 hat das Team mit der besten Defensive, wenn es ins Finale einzog, neun Mal gewonnen und nur zwei Mal verloren. Hinzu kommt das Mehr an Erfahrung auf Seiten Denvers - auch wenn der letzte Super Bowl gegen Seattle krachend verloren ging (8:43). Und so könnte der „letzte Rodeo“ von Sheriff Manning doch ein Ritt in den Sonnenuntergang werden - mit einem zweiten Ring am Finger. Eines aber ist klar: Superman Newton hat was dagegen.

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06.02.2016, 08:44 Uhr
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