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Amazon ist überflüssig
Autor Matthias Brendel ist 57 Jahre alt, investigativer Finanzjournalist für „Spiegel“, „Focus“ und andere. Er schildert seine Beobachtungen zum Finanzmarkt in seiner Kolumne. Foto: Matthias Brendel
Bulle und Bär

Amazon ist überflüssig

Matthias Brendel wundert sich, warum das Geschäft von Amazon so brummt.

28.07.2018
  • MATTHIAS BRENDEL

Im Jahr 1994 – das Internet war damals noch nicht viel nicht mehr als ein Informationsportal – hatte der US-Amerikaner und Gründer von Amazon, Jeff Bezos, eine Idee: Das neue Ding könnte auch wie ein Tresen funktionieren, mit Kunden auf der einen und ihm auf der anderen Seite. Bücher schienen ihm als Handelsware ideal. Einerseits unverderblich, andererseits nicht im Supermarkt zu haben. Und Buchhandlungen gab es auch damals schon nicht gerade um die Ecke.

Als Amazon drei Jahre später an die Börse ging, kostete die Aktie 18 US-Dollar. Heute sind es rund 1830 US-Dollar – und der auf Fotos stets lieb lächelnde Bezos wurde mit seiner Idee zum reichster Mann der Welt.

Das Geschäft brummt weiterhin – obwohl eigentlich niemand mehr Amazon wirklich braucht.

Denn anders als früher verfügt heute praktisch jeder Hersteller über einen eigenen Online-Shop. Wer dort kauft, macht eine interessante Entdeckung: Die angebotene Ware ist meist viel günstiger als bei Amazon, Zalando und Co. Kostenlose Rücksendungen gibt es hier auch, Reklamationen und Garantiefälle lassen sich mit den Herstellern oft schneller und leichter abwickeln als mit Zwischenhändlern.

Zwischenhändler sind in Wahrheit Abgreifer, die nutzlos zwischen Produzent und Kunden stehen. Internetplattformen eignen sich eher als Marktplatz, wo man sich umschauen kann.

Hersteller werden ausgequetscht, Mitarbeiter schlecht bezahlt, Retouren auf den Müll geworfen. Wer braucht das – abgesehen von Jeff Bezos?

Amazons einzige Zukunft liegt darin, Monopolist zu werden, und genauso agiert die private Supermacht. Für Konsumenten ist das nicht so toll. Sie nähren ein Biest, das seine Kinder fressen will.

Nicht viel anders ist es mit Google. Ich arbeite seit zwei Jahren erfolgreich mit „Duckduckgo“. Dieses Suchsystem spielt keine Werbung auf, forscht den Nutzer nicht aus und bringt neutrale Ergebnisse in ebenbürtiger Qualität. Es gibt weitere Anbieter. Ein Rat: Zeigen Sie den Überflüssigen die Rote Karte.

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28.07.2018, 06:00 Uhr
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