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Flammen gegen Flüchtlinge

Am ersten Jahrestag ist der Brandanschlag von Weissach im Tal ungeklärt

Brandstifter wollten vor einem Jahr die Aufnahme von Flüchtlingen verhindern. Doch in Weissach im Tal entsteht ein Neubau an gleicher Stelle.

23.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Weissach im Tal. An bunte Luftballons können die Kinder von Weissach in Tal (Rems-Murr-Kreis) Zettel mit ihren Wünschen hängen. „Kinder von Flüchtlingen sind herzlich willkommen“, heißt es im Rathaus. Mit dieser Aktion erinnert die Gemeinde morgen an den Brandanschlag, der ihr vor einem Jahr unrühmliche Bekanntheit nicht nur in ganz Deutschland eingebracht hat. In der Nacht zum 24. August 2015 stand ein Gebäude lichterloh in Flammen, das vom Gemeinderat für die Unterbringung von Flüchtlingen ausgesucht worden war. Das Gebäude konnte trotz beherzten Einsatzes der Wehrleute nicht gerettet werden.

Rasch verfestigte sich die Vermutung, dass das unbewohnte Haus gezielt abgefackelt worden sein könnte, zur Gewissheit. „Das war auf jeden Fall vorsätzliche Brandstiftung“, bestätigte gestern ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Aalen der SÜDWEST PRESSE. Die Experten hätten „mehrere Ausbruchsstellen festgestellt“. Damit stehe fest, „es wurde nachgeholfen“. Doch wer mit welcher Absicht an der Welzheimer Straße gezündelt hat, das konnte bis heute nicht herausgefunden werden. Die Ermittlungen sind eingestellt. Tatverdächtige gibt es nicht. Aber, betont der Polizeisprecher, es sei „kein Deckel drauf“. Das heißt, „wenn sich irgendwo irgendetwas tut, haken wir sofort nach“.

Am Brandort lässt heute nur ein kleiner Schutthaufen vermuten, dass hier einmal ein Haus gestanden haben könnte. Sobald geklärt ist, wie die mit Öl belasteten Überresten beseitigt werden, soll ein Neubau hochgezogen werden. Der symbolische „erste Baggerbiss“ wurde Anfang August vollzogen. Vorgesehen ist ein Holzmodulbau, dessen Optik dem früheren Gebäude ähneln soll. Die Gemeinde möchte damit deutlich zeigen, dass sie sich durch Brandanschläge, die möglicherweise fremdenfeindlich motiviert sind, nicht beeindrucken lässt.

Dieselbe Politik verfolgt Remchingen. Die Kommune im Enzkreis geriet gleichfalls in die Negativ-Schlagzeilen, weil in der Nacht zum 17. Juli 2015 in einem Gewerbegebiet das frühere Vereinsheim eines Motorradclubs ein Raub der Flammen wurde, bevor dort heimatlos gewordene Flüchtlinge einziehen konnten. Der Brandstifter, der nicht aus Fremdenhass gehandelt haben will, wurde gefasst. Das Landgericht Karlsruhe will ihn für drei Jahre hinter Gitter schicken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Gemeinderat der „Wohlfühlgemeinde“, wie es im Internetauftritt von Remchingen heißt, hat einen Neubau beschlossen. Mit den Arbeiten solle „umgehend“ begonnen werden, sagte Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. Welcher Entwurf des Architekten umgesetzt wird und wie hoch die Kosten sind, steht allerdings noch nicht endgültig fest. Vorgesehen ist ein Haus für maximal 20 Personen. Zwei große Familien wären seiner Ansicht nach „am sozialverträglichsten“, glaubt der Bürgermeister.

Rätselhaft ist noch immer der Brand des früheren Gasthauses „Lamm“ in Remseck bei Ludwigsburg. Die seit Mai 2014 geschlossene Wirtschaft wurde am 20. Oktober 2015 zerstört. Zweifelsfreie Ursache: Brandstiftung. Weil eine Unterkunft für 60 Flüchtlinge direkt angrenzt, wurde sofort ein fremdenfeindlicher Hintergrund vermutet. Die Stadt und der Arbeitskreis Asyl riefen noch für denselben Abend zu einer Mahnwache auf, um die Solidarität mit den Flüchtlingen zu bekunden. 500 Personen waren gekommen. „Wir sind geschockt und entsetzt über diese Tat“, erklärte Oberbürgermeister Dirk Schönberger damals. Ein Täter sei nicht gefunden worden, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, ebenso wenig ein Hinweis auf ein fremdenfeindliches Motiv. Die Ruine sieht aus wie ein Mahnmal.

In Wertheim (Main-Tauber-Kreis) hat sich seit dem Brandanschlag auf eine Sporthalle kaum etwas getan. Bevor dort kurzfristig 320 Feldbetten belegt werden konnten, machten Feuer und Rauch am 20. September 2015 den Bezug unmöglich. Die Ermittlungen der Polizei führten zu keinem Erfolg. Die Sanierung der landeseigenen Immobilie steht noch aus. Dabei sind die Vereine der Stadt für ihren Übungsbetrieb dringend auf die Halle angewiesen. Wenigstens die verrußten Feldbetten sind entfernt.

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23.08.2016, 06:00 Uhr
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