Ein Kind der „Marktwerkstadt“

Am Dienstagabend geht der Reutlinger Weihnachtsmarkt zu Ende

Heute noch und morgen, dann ist?s vorbei mit dem Weihnachtsmarkt, der Wilhelmstraße, Weibermarkt und Burgplatz für 27 Tage in ein Lichtermeer verwandelt hat. Nahezu 300 000 Besucher sind nach einer Schätzung der „Marktwerkstadt“ gekommen.

21.12.2009

Von Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Die „Marktwerkstadt“, das sind vier Reutlinger, die sich im Jahr 2005 zusammengetan haben, „um den Weihnachtsmarkt attraktiver zu machen“: Versicherungsfachmann Norbert Brendle, 53, Diplomingenieur Horst Bürkle, 69, die uns am Freitag für ein Gespräch zur Verfügung standen, Weinküfermeister Julius Vohrer, 56, und Gärtner Hans-Jürgen Reutter, 59, gehören einem Kegelclub an, der Heiligabend 2005, beim Stammtisch auf der Achalm den Entschluss fasste, die Sache in die Hand zu nehmen.

„Reutlingen hat einen besseren Weihnachtsmarkt verdient“, erinnert Bürkle an die Initialzündung. Schon beim Bürgerempfang am 6. Januar wurde der Entschluss in die Tat umgesetzt. Brendle: „Wir gingen zur Oberbürgermeisterin und sagten ihr, dass wir nicht nur schimpfen, sondern es besser machen wollen.“

Dieser Ansprache wurde ein Konzept nachgeschoben, und dem Konzept folgte der Zuschlag durch den Gemeinderat. Doch statt der erhofften fünf Jahre, durfte man erst einmal zwei – auf Probe. Erst danach wurde die Vergabe um drei weitere Jahre verlängert. Heuer haben die vier von der „Marktwerkstadt“ ihren dritten „Reutlinger Weihnachtsmarkt“ abgeliefert – und kommen auf dem Zahnfleisch daher. „Wir sind am Limit“, verrät Brendle, „wir haben den Aufwand glatt unterschätzt.“ Schließlich „wollen wir einen Markt auf hohem Niveau machen“, sagt Bürkle, und fügt sogleich hinzu, dass nicht sicher sei, ob die „Marktwerkstadt“ über die kommenden zwei Jahre hinaus noch einmal antreten werde. „Das müssen wir offen lassen.“

Freilich brauchen sie die nächsten beiden Märkte schon aus finanziellen Gründen dringend. Denn im ersten Jahr haben sie kräftig drauf gelegt. Erst nach und nach amortisieren sich die Investitionen – und an Gewinn sei schon gar nicht zu denken. Was die Sache so teuer macht, sind die „Baum-Illuminationen“, die voll auf Kosten der „Marktwerkstadt“ gehen, ein paar Häuschen, die man extra angeschafft hat, sowie die Eisbahn, die im ersten Jahr voll finanziert werden musste. Und die Eisbahn kostet. Auch wenn die Stadt jetzt dem Weihnachtsmarkt einen Zuschuss von 30 000 Euro gewährt, ist die 40 000 Euro teure Eisbahn noch nicht finanziert. Um die Sache günstiger zu gestalten, hat die „Marktwerkstadt" mit dem Hersteller einen Dreijahresvertrag abgeschlossen, der selbstredend eingehalten werden muss.

Und doch sind sie stolz auf ihre Leistung. Denn die Stadt könnte das nicht so günstig machen wie sie. „Bei Eisbahnen legt man immer und überall drauf“, sagte Brendle, und hier zumal, weil man mit der Reutlinger Eishalle einen professionellen Betreiber beauftragt habe.

250 000 bis 300 000 Besucher, schätzen Brendle und Bürkle, sind in diesem Jahr auf den Weihnachtsmarkt gekommen – viele von auswärts. Man habe die Stadt um eine „Attraktion für die ganze Region“ bereichert. Und im Grunde könne man den Markt kaum attraktiver gestalten. Statt wie früher um die 50, warte man heuer mit 100 Ständen auf. Die Marktbeschicker seien zufrieden. Eine Umfrage bestätige: Das letztjährige Ergebnis wurde übertroffen. Das schreiben sich Brendle, Bürkle, Vohrer und Reutter natürlich auf ihre Fahnen. Denn die Liste der von ihnen besorgten Neuerungen ist lang.

Die Eisbahn wurde eingeführt und für diesen Weihnachtsmarkt um 50 Prozent vergrößert. Der mit wertvollen Preisen ausgestattete Adventskalender erweise sich als „das zentrale Highlight“, die vom Sankt Nikolaus täglich erzählte Fortsetzungsgeschichte als „absoluter Renner“. Das Märchenerzählen in der Jurte, die Mitmachwerkstatt, der Circus Relaxx und das Stockbrotbacken am offenen Feuer werden vom Publikum ebenso geschätzt, wie die Krippe mit ihren Kunstfiguren und das tägliche Programm auf der Bühne bei der Marienkirche mit der Verlosung der Weihnachtsmarkttaler. Eine Menge Arbeit also. Doch Brendle und Bürkle glaubt man sofort, dass es trotzdem Spaß macht.

Minus zehn Grad: Norbert Brendle (links) und Horst Bürkle stoßen mit Punsch auf den Erfolg des diesjährigen Reutlinger Weihnachtsmarktes an. Bild: Haas

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Erstellt:
21. Dezember 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Dezember 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2009, 12:00 Uhr

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