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Friede in der Futterkrippe

Am Brennlesberg kümmern sich Kinder um Tiere

Auf dem kleinen Bauernhof von Cornelia Schäfer in Gomaringen in der Lindenstraße dürfen Kindergartenkinder Pferd, Hase, Ziege und Co. versorgen: Ein Projekt des evangelischen Familienzentrums „Netzwerk Leben“, bei dem die Kleinen lernen, Verantwortung zu übernehmen.

19.02.2013
  • Amancay Kappeller

Gomaringen. Nurmi bringt so leicht nichts aus der Ruhe: Mit 32 Jahren ist der Wallach der Opa in der kleinen Islandpferd-Herde von Cornelia Schäfer. In der unteren Lindenstraße betreibt die Erzieherin und Erlebnispädagogin einen kleinen Bauernhof. Nicht nur Nurmi bekommt zwei Mal in der Woche Besuch von Gomaringer Kindergartenkindern. Die Vier- bis Sechsjährigen kümmern sich mit Begeisterung um die Tiere, geben Ponys, Hasen, Enten, Hühnern, Ziegen, Katzen, Hofhund und im Sommer auch Schweinen Futter, füllen deren Trinken auf, misten die Ställe aus, putzen die Vierbeiner. Manchmal ist auch einfach nur Streicheln angesagt.

Kleine Schubser für die Entwicklung

Seit September 2011 läuft das Projekt, welches von dem Familienzentrum der evangelischen Kirche, dem „Netzwerk Leben“, getragen wird. Das Betreuungsangebot richtet sich an Kindergartenkinder mit Entwicklungsblockaden. Dabei ist die Bandbreite der Blockaden groß: Vom Zappelphilipp über den Raufbold bis hin zum Grobmotoriker sind die unterschiedlichsten Kinder vertreten. Manche Knirpse können auch einfach nicht auf andere zugehen, haben Schwierigkeiten im sozialen Umgang miteinander. Kinder mit solchen Entwicklungsstopps versuche man „anzuschucken“, formuliert Schäfer das Erziehungsziel.

Zwei Gruppen à vier Kinder kommen derzeit in den Genuss des Bauernhof-Betreuungsangebots, welches ein Mal in der Woche für drei Stunden am Vormittag das ganze Jahr über stattfindet – auch im Winter und bei „schlechtem“ Wetter. Aufwärmen können sich die Kinder in einem urigen alten, mit einem Ofen ausgestatteten Bauwagen. Hier können die Kleinen ausruhen, vespern und malen; Schlammschuhe sind kein Eintritts-Hindernis. Die Hälfte der Hof-Zeit verbringen die Kinder mit Pflichtaufgaben; den Rest haben sie zur freien Verfügung.

Die beiden Gruppen, die Schäfer betreut, sind „total unterschiedlich“, sagt die 35-Jährige: Da gibt es die „Schaffer“, die am liebsten ständig anpacken wollen, und die „Gemütlichen“, die gerne mal einen „Riechparcours“ durch die Gartenkräuter absolvieren. Nicht nur die Pflege von Tieren steht für die Kinder auf dem Programm; auch mit dem Pflanzen, Säen und Ernten im Jahreskreislauf beschäftigen sie sich. Auf dem Acker werden Karotten angebaut, die die Kids später eigenhändig aus dem Boden ziehen und essen dürfen – auch mal mit schmutzigen „Pfoten“. Bohnen werden gesteckt, Träuble genascht – „was halt grad wächst“, kommentiert Schäfer. Dass die niedlichen Stallhasen zum Schlachten da sind, wissen die Kinder mittlerweile auch. Der natürliche Lauf der Dinge. Die Erzieherin ist selbst Mutter von drei Kindern im Alter von vier, sechs und acht Jahren.

Bei den ihnen gestellten Aufgaben sind die Kinder meist aufeinander angewiesen: Die Teamarbeit fördert das soziale Miteinander und stärkt das Selbstbewusstsein. Die Mädchen und Jungen lernen, sich auf andere einzulassen und Empathie zu empfinden. Zu den Tieren bauen die Kinder ganz schnell eine Beziehung auf. Wenn Nurmi, das alte Islandpony, angelatscht kommt und vorsichtig dazwischenschnaubt, bricht das Eis, freut sich Schäfer. Auch hibbelige Kinder werden dann ganz ruhig.

Tiere bringen Kindern Sozialverhalten bei

Es sei toll zu beobachten, wie positiv die Kleinen sich mit der Zeit entwickelten. Die Kinder lernen unter anderem, sich selbst und ihre Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken, eigene Grenzen wahrzunehmen. Wer die Erfahrung macht, dass es nicht so angenehm ist, vom kleinen Ziegenbock geschubst zu werden, der geht mit anderen künftig vielleicht auch vorsichtiger um.

Schäfer hatte diesbezüglich ein richtiges Aha-Erlebnis, erzählt sie: Ein Mal hat sie ein Kind in eine mit Heu gefüllte Pferde-Futterkrippe gesetzt. Seitdem ist dies der Lieblingsplatz ihrer kleinen Gäste. Mit den weichen Pferdeschnauzen vor der Nase entspannen sie und „fahren runter“: „Die totale Entschleunigung“, sagt die Gomaringerin. Die Tiere reagieren sensibel auf das Verhalten der Kinder: Ein Mal hatte ein Kind Angst vor den Ziegen – die gehörnten Vierbeiner hielten prompt Abstand.

Die Rückmeldungen von Eltern und Erzieherinnen sind durchweg positiv, erzählt Schäfer. Es findet ein ständiger Austausch über die Entwicklung des Kindes statt. Ein kleiner Bauernhof-Besucher, der vor Beginn der Hofzeit keinen Dreck anfassen konnte, rutscht mittlerweile mit Vergnügen den Matschberg herunter; mehrere Familien erwägen die Anschaffung eines Haustiers. Ein Kind, das noch zu Beginn des Projekts einem brütenden Huhn kaltes Wasser über den Kopf geleert hatte, zeigt jetzt Einfühlungsvermögen für die Tiere. Das Projekt und die Teilnahme der einzelnen Kinder ist nicht zeitlich begrenzt, sondern auf Kontinuität angelegt. „Da ist ein großes Vertrauensverhältnis“, freut sich auch Netzwerk-Leiter Forschner. Demnächst soll es einen Nachmittag geben, an dem die Sprösslinge ihren Eltern zeigen dürfen, was sie bauernhoftechnisch schon alles drauf haben. Und das scheint eine ganze Menge zu sein.

Am Brennlesberg kümmern sich Kinder um Tiere
Joel (auf den Armen seiner Mutter), Raphael, Leonie und Charlotte haben es gut: Anders als die Kinder aus den Projekten, die nur tageweise den kleinen Zoo in der Gomaringer Lindenstraße besuchen dürfen, können sie jeden Tag Ponys streicheln gehen.

Das evangelische Familienzentrum „Netzwerk Leben“ in Gomaringen gibt es seit Juli 2010. Es unterstützt Menschen in Gomaringen – beratend sowie tatkräftig – in schwierigen Lebenslagen. Das Zentrum bietet beispielsweise Hilfe bei Erziehungs- und Beziehungsfragen, in persönlichen Notsituationen, bei Lebensumbrüchen und -übergängen sowie bei Betreuungsengpässen. Leiter und Ansprechpartner ist Diakon Klaus Forschner, telefonischer Kontakt: 0 70 72 / 91 04 12. Das Familienzentrum im Netz: www.kirchengemeinde-gomaringen.de.

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19.02.2013, 12:00 Uhr
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