Kein grauer Alltag

Alter schützt vor Theater nicht: Seniorentheatertreffen am LTT

Am Sonntag beginnt das alljährliche Seniorentheatertreffen – diesmal in Tübingen am LTT.

11.06.2010

Von Wilhelm Triebold

Tübingen. Seit zehn Jahren existiert in Tübingen das Frauentheater Purpur. Angeleitet von der Regisseurin und Theaterpädagogin Uschi Famers, sind in der Zeit fünf Produktionen entstanden, die nicht nur am Probe- und Spielort LTT, sondern auch auf Festivals sowie Abstechern im In- und Ausland gezeigt wurden. Höhepunkt: Ein Auftritt auf dem Seniorentheaterfestival „Herzrasen“ im Hamburger Schauspielhaus.

Auch im schnellen, jungen, lauten Schauspielbetrieb werden jetzt wieder mehr die leisen, weisen Älteren entdeckt, die Qualität und Erfahrung an Jüngere vermitteln. Auf den Ruhrfestspielen etwa waren es die „grauen Stars“ von einst, eine Profi-Darstelleransammlung der zumeist über 60jährigen, die Shakespeares „Was ihr wollt auf die Bühne“ brachte. In Tübingen kommen im Frauentheater Purpur zwar Laien zusammen. Doch Lebenserfahrung bringen die 13 Frauen im Alter zwischen 55 und 85 Jahren allemal in die Arbeit ein.

Vier Stunden wöchentlich proben sie normalerweise. Zum Jubiläum nehmen sie spielerisch den Ball der derzeit grassierenden Weltmeisterschaft auf. „HeimSpiel“ fragt ganz allgemein: Welche Spiele wurden gewonnen? Welche wurden verloren , welche blieben unentschieden und welche werden noch gespielt? Eine Jubiläumsproduktion, gespickt mit einigen Leckereien aus fünf Produktionen. Damit ist das Frauentheater Purpur eines von vier Ensembles, die jetzt auf dem erstmals nach Tübingen verlagerten Seniorentheaterfestivals auftreten.

Die anderen sind: Die Grauen Zellen aus Ettlingen, die sich der Satire verschrieben haben. Bereits seit 1995 bringen sie jedes Jahr ein neues Programm auf die Bühne. Die Texte stammen alle von Gründer Fritz Pechovsky, seit zwei Jahren inszeniert Ines Agnes Krautwurst. Die Seniorentheatergruppe „Nierosta“ gibt es seit 1996. Sie trifft sich regelmäßig einmal die Woche in der Zehntscheuer in Leinfelden-Echterdingen, um unter der Leitung von Eva Balz kleinere Theaterstücke, lustige Sketche, aber auch längere Stücke mit ernstem Inhalt einzustudieren. Die sechs bis acht Mitwirkenden sind zwischen 65 und 79 Jahre alt.

Und schließlich das Tanztheater Zartbitter von und mit Lisa Thomas: Es arbeitet wöchentlich in der Tanz -und Theaterwerkstatt Ludwigsburg. „Tanzgeschichten im Taschen-Format“ ist bereits die dritte Produktion des Ensembles.

„Wieviel Alter verträgt die Kunst?“, fragt sich dann noch eine Expertenrunde, zu der LTT-Intendant Simone Sterr und Festivalorganisatorin Famers ebenso wie der Präsident des Landesverbandes für Amateurtheater, Rolf Wenhard; der Gerontologe Dr. Gerhard Eschweiler, die FDP-Landtagsabgeordnete Heiderose Berroth, Purpur-Mitspielerin Anneliese Goth und Guillermo Aparicio vom Stuttgarter Jugendensemble. Es moderiert Friederike Hohloch.

Abgerundet wird das Festival, das vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport über den Landesverband gefördert wird und außerdem ein Kooperationsprojekt mit dem Arbeitskreis Senioren- und Generationentheater ist, durch drei parallele Workshops zu „Tanztheater“, „Atem und Stimme“ und „Arbeit am Text“.

Das Seniorentheater-Programm im einzelnen

Am Sonntag, 13. Juni um 16 Uhr: Podiumsdiskussion „Wieviel Alter verträgt die Kunst?“ mit Teilnehmern aus Theater und Politik.

19 Uhr: Premiere Frauentheater Purpur: „HeimSpiel“ von Uschi Famers. 20 UhrPublikumsgespräch. 20.30 Uhr: Fußball-WM und Tanz im LTT.

Am Montag, 14. Juni von 10 bis 13 Uhr Workshops,

17 Uhr: Tanztheater Zartbitter mit „Tanzgeschichten im Taschen-Format“.

18 Uhr Publikumsgespräch.

20 Uhr: Seniorenkabarett „Graue Zellen“Ettlingen mit „Die Drei-Cent-Krisenoper“ unter Verwendung von Melodien aus der Dreigroschenoper.

21.30 Uhr: Publikumsgespräch.

Am Dienstag, 15. Juni von 10 bis 13 Uhr wieder Workshops.

15 Uhr Seniorentheater „Nierosta“ „Es ist nie zu spät“. 16 Uhr Publikumsgespräch, Auswertung und Abschluss.

Die Trikots erinnern eher an die holländischen Oranje-Leibchen oder an die Kicker-Kluft der Elfenbeinküste: Das Tübinger Frauentheater Purpur hat allemal ein „HeimSpiel“. Auf dem Bild, von links nach rechts, hintere Reihe: Reinhilde Hauser, Ulla Huhn, Martha Rebel, Marianne Seidel, Elke Haas, Brigitte Bauermeister-Nitschke, Magdalene Braun, Marga Andriessens, Heidrun Falk, Esther Eisele. Vordere Reihe: Ruth Sprondel und Anneliese Goth. Vorne unten: Rosemarie Heinl. Bild: LTT

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Erstellt:
11. Juni 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Juni 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2010, 12:00 Uhr

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