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Als Paul über das Meer kam

Als Paul über das Meer kam

Dokumentarfilm über einen Mann aus Kamerun und seine Flucht übers Mittelmeer nach Europa.

Als Paul über das Meer kam

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Deutschland 2017

Regie: Jakob Preuss


101 Min. - ab 6 Jahren

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01.06.2017
  • Matthias Reichert

Europa schottet sich ab. In der spanischen Enklave Melilla an der nordafrikanischen Küste halten hohe Zäune die afrikanischen Flüchtlinge zurück, die nach Europa wollen. Dort beginnt der Dokumentarfilm „Als Paul über das Meer kam“. Der Dokumentarfilmer und Grimme-Preisträger Jakob Preuss trifft in einem Camp im Wald, wo Flüchtlinge aus Kamerun hausen, den jungen Paul und begleitet ihn auf seinem gefährlichen Weg nach Berlin.

Paul wollte eigentlich Diplomat werden. Doch er flog nach einer Demonstration von der Uni. In seinem Dorf galt er als Versager. Nur seine Mutter wusste von seiner Flucht - die Geschwister hätten ihn sonst zurückgehalten, erzählt er.

Als Comics werden die Strapazen auf dem Weg zum Mittelmeer gerafft dargestellt. „Libyen ist zu gefährlich“, erzählen sie - deshalb versucht die Gruppe es über Marokko. Polizisten der Guardia Civil schildern ihr mieses Bauchgefühl, wenn sie wieder eine Gruppe Flüchtlinge vom Zaun pflücken. Die Besatzung eines Frontex-Schiffes spricht über die gefährlichen Situationen, wenn Flüchtlinge aus ihren Booten ins Meer springen, um an Bord der Retter zu kommen.

Als Paul schließlich tatsächlich mit Schleusern übers Meer gelangt, sterben mehrere Passagiere des Schlauchbootes, darunter acht Kinder. Paul landet im Abschiebeknast. Der Dokumentarfilmer darf ihn erst besuchen, als er mit weiteren Flüchtlingen beim Roten Kreuz strandet. Preuss wird mehr, als ihm lieb ist, in die Flucht verwickelt. Denn Paul hofft, dass der Filmemacher eine Frau für ihn findet, die ihn heiratet, damit er in Deutschland bleiben darf.

Der zweite Teil des Filmes hat gelegentliche Längen. Das symbolisiert aber zugleich das Warten der Flüchtlinge, bis über ihre Asylanträge entschieden ist, und illustriert die deutsche Bürokratie. Der Film ist wie ein Tagebuch gegliedert. Auch nach 976 Tagen hat Paul noch keine Sicherheit - obwohl er bei den Eltern des Filmemachers untergekommen ist und Arbeit in einem Pflegeheim gefunden hat. Doch sein Asylantrag wird abgelehnt, ihm droht die Abschiebung.

Besonders die Bilder aus Melilla und vom Mittelmeer sind ein wichtiger politischer Beitrag. Der Film gibt der oft nur anhand abstrakter Zahlen geführten Flüchtlingsdebatte ein Gesicht und zeigt, dass auch ohne direkte politische Verfolgung Auswanderung für viele Menschen der einzige Weg ist.

Unbedingt anschauen - und bitte nie mehr das Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“ verwenden.

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01.06.2017, 11:11 Uhr
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