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Bad Boll

Als Muslim heimisch werden in Deutschland

Der Satz ist schnell gesprochen, doch wenn der Islam zu Deutschland gehört, hat das Folgen. Damit beschäftigte sich eine Tagung in Bad Boll.

23.01.2012

Von ELISABETH ZOLL

Der Satz von Bundespräsident Christian Wulff sorgte im Oktober 2010 für Furore. "Der Islam gehört zu Deutschland", stellte das Staatsoberhaupt klar. Doch welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Gesellschaft und Kirchen? Dieser Frage ging eine Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll nach.

Die Realität ist nicht mehr zu leugnen: Knapp vier Millionen Muslime leben in Deutschland, rund die Hälfte davon mit deutscher Staatsangehörigkeit, viele hierzulande geboren. Wer möchte ihnen absprechen, Teil dieser Gesellschaft zu sein - mit gleichen Rechten und Pflichten? Aus juristischer Sicht, so betonte der Erlanger Rechtswissenschaftler Mathias Rohe, sei die Sache klar: Der Rechtsstaat unterscheide nicht in "Wir" und "die Muslime". Er verlange von allen Bürgern Rechtstreue, nicht aber Staatsloyalität. Rohe räumte ein, dass für das neue Phänomen des Islam in Deutschland, manche Rechtsvorschriften neu interpretiert werden müssen, gegebenenfalls auch die Definition von Religionsgemeinschaften, um islamische Seelsorge in Haftanstalten zu ermöglichen oder Eheangelegenheiten von Migranten nach deutschem Recht behandeln zu können. "Wir stecken mitten in der Pubertät," sagt Rohe zur Übergangsphase. Doch ermutigte er Islamverbände, schon Mögliches positiv zu begleiten, wie den islamischen Religionsunterricht an Modellschulen. Wer auf abschließende Klärungen warte, diene nicht dem Wohl muslimischer Schüler.

Mit Modellprojekten will sich Erdinc Altuntas, Vorsitzender der Ditib in Baden-Württemberg, jedoch nicht begnügen. Von 90 000 muslimischen Schülern hätten derzeit nur 700 die Chance auf einen Religionsunterricht. Er drängte auf die Anerkennung muslimischer Verbände als Religionsgemeinschaft, damit diese Lehrer auswählen und Religionsunterricht selbstverantwortet gestalten können.

Wenn der Islam zu Deutschland gehört, so Yavuz Kazanc, der Landesvorsitzende islamischer Kulturzentren (VIKZ), dann gehörten auch "Frauen mit Kopftüchern zum öffentlichen Leben", ebenso Moscheen. Auch die Kirchen müssen sich der neuen Realität stellen, sei es in ihren Kindergärten oder bei Mitarbeitern, die einen nicht-christlichen Ehepartner haben. "Da haben wir noch eine Debatte vor uns", räumte Landesbischof Frank Otfried July auch mit Blick auf eine Vikarin ein, die wegen ihrer Ehe mit einem Muslim entlassen wurde.

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Erstellt:
23. Januar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Januar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2012, 12:00 Uhr

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