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Roddy McDowall und Pal 1943 in „Lassie Come Home“. Foto: MGM/Kobal/REX/Shutterstock




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25.09.2018

Von MAGDI ABOUL-KHEIR

Los Angeles. Wer der Star ist, war rasch klar. 250 Dollar Gage pro Woche erhielt Pal, der Collie. Elizabeth Taylor bekam 100 Dollar. Vor 75 Jahren erblickte der Hund in „Lassie Come Home“ das Licht der Leinwand: Am 7. Oktober 1943 feierte der Film Premiere, und Lassie wurde zum erfolgreichsten tierischen Star der Filmgeschichte.

1938 war Eric Knights Kurzgeschichte „Lassie Come Home“ in der „Saturday Evening Post“ erschienen, 1940 folgte ein Roman. In der Kriegszeit waren solche Heimatgefühle anregenden, ans Herz gehenden Storys auch in Hollywood gefragt, und so sicherte sich MGM die Filmrechte.

Auf dem Studiogelände wurde zum großen Hunde-Casting geladen, Züchter präsentierten einer Jury hunderte Collies. Auch der Hundetrainer Rudd Weatherwax, der reinrassige Collies besaß, stellte sich dort vor, allerdings mit seinem einjährigen Rüden Pal, der in seinen Augen das größte schauspielerische Talent besaß. Er besaß für Pal jedoch keine Papiere: Er hatte ihn von einem Bekannten bekommen, der ihm zehn Dollar schuldete.

Die Filmproduzenten würdigten Pal keines Blickes, wie der Filmjournalist Jim Lochner recherchiert hat. Sie suchten einen „schönen“ Hund, und Pal war zuvor eine Woche lang durch die Gegend gestreunt und hatte ein zotteliges Fell, wie Weatherwax der „New York Times“ später erzählte. Die Produzenten engagierten also einen schönen weiblichen Collie (Lassie sollte weiblich sein) für die Hauptrolle und Pal nur als Stunt-Hund.

Entscheidung am Fluss

Doch als eine Szene gedreht wurde, in der Lassie einen reißenden Fluss durchqueren sollte, rührte sich die schöne Hündin nicht vom Fleck. Pal hingegen stapfte durchs Wasser, die Szene war nach einer Aufnahme im Kasten. MGM hatte Lassie gefunden. Dass ein Rüde sie nun spielte? Egal.

Die melodramatische Story war einfach. Lassie ist die treue Hündin einer Familie im englischen Yorkshire, die beste Gefährtin des kleinen Joe. Doch die Eltern sind so arm, dass sie Lassie an einen wohlhabenden Herzog verkaufen. Der nimmt den Collie mit auf sein schottisches Anwesen, hunderte Meilen entfernt. Lassie reißt aus und kehrt zu ihrer Familie zurück. Dabei erlebt sie Abenteuer, übersteht Strapazen, entkommt Hundefängern und macht Diebe dingfest – bis zum Happy End.

Die emotionale Handlung, herrliche Landschafts-Aufnahmen in Technicolor und anrührende junge Zweibeiner – Roddy McDowell und die zehnjährige Elizabeth Taylor in ihrer zweiten Rolle – machten den Film zum Kassenschlager. Die „New York Times“ schrieb, der Film erzähle „die Geschichte eines Jungen und eines Hundes mit simpler Schönheit und so ergreifend, dass nur hartherzige Zuschauer nicht gerührt werden“.

„Lassie Come Home“ war so erfolgreich, dass MGM alsbald ein Lassie-Bild in seine Star-Galerie aufnehmen ließ, wo sie zwischen Sex-Symbol Hedy Lamarr und Komödien-Spezialistin Myrna Loy ihren Platz fand. Es gab Autogrammkarten mit Pals Pfotenabdruck, und der namhafte Künstler Normal Rockwell malte den Collie. Schon 1945 erschien mit „Son of Lassie“ eine Fortsetzung (man beachte den Geschlechterwechsel, der aber niemand interessierte), der bis 1951 fünf weitere Lassie-Filme folgten. In Deutschland kam der erste Film unter dem Titel „Heimweh“ 1950 ins Kino.

In diesen frühen Lassie-Filmen verkörperte stets Pal den Titelhelden. Rudd Weatherwax machte ein Vermögen mit seinem Zehn-Dollar-Hund: Pals Filmgage überstieg bald 50 000 Dollar. Und als Pal in den verdienten Ruhestand ging, blieb die Rolle in der Familie: Nahezu alle späteren Kino- und TV-Lassies wurden von Nachfahren Pals verkörpert.

Laut Internet Movie Database stieg die Zahl reinrassiger Collies in den USA in den 40er Jahren von 3000 auf 18 400 – eine Folge des Lassie-Booms. Der Hund bekam einen Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“, eine Ehre, die nur wenigen Filmtieren zuteil wurde. Als Pal 1958 starb, war Weatherwax untröstlich. „Er beerdigte ihn an einem besonderen Ort auf seiner Ranch und ging oft an sein Grab“, berichtete sein Sohn. „Mein Vater hat sich nie wieder einen alten Lassie-Film angeschaut. Er hätte es nicht ausgehalten, Pal zu sehen.“

Zu der Zeit war Lassie längst zur lukrativen Werbefigur und zum Helden auf der kleinen Mattscheibe geworden. 1954 war die TV-Serie „Lassie“ auf Sendung gegangen, und mit 19 Jahren Laufzeit und 591 Folgen sollte sie einer der größten Erfolge der Fernsehgeschichte werden.

Fünf Nachfahren von Pal spielten Lassie in der Serie. Man sah den Collie als Mitglied diverser Familien, als Helfer von Rangern und im Einsatz auf Ranches: Lassie als bellenden Beschützer von guten Menschen, als besten Freund von Timmy und anderen Kindern, als hechelnden Umweltaktivisten und als mutigen Kämpfer für Gerechtigkeit.

Weitere Kinofilme – darunter einer mit James Stewart – und vier weitere TV-Serien sollten folgen, die jüngste im Jahr 2015. Und egal, welcher Zweibeiner an der Seite des Collies spielte und spielt, bis heute ist stets klar, wer der Star der Show ist: Lassie, ob Männchen oder Weibchen.

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Erstellt:
25. September 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. September 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. September 2018, 06:00 Uhr

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