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„Alles vernetzt“

Interview mit Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter

Für den Chef des Telekommunikations-Riesen können Daten nicht schnell genug durch die Leitungen rauschen. Ob seine Kunden superschnelle Anschlüsse wollen, bleibt abzuwarten.

14.02.2020

Von Thomas Veitinger

Vodafone stellt sein Kabelnetz nach und nach auf Glasfaser um. Das Unternehmen vernetzt auch Tankstellen. Foto: Sina Schuldt/dpa

Handysüchtige können sich freuen: Die Lücken in Deutschland werden schnell weniger, verspricht Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Schneller gesurft wird sowieso.

Die Telekom macht jeden fünften Shop zu. Vodafone auch?

Hannes Ametsreiter: Für uns ist persönliche Betreuung sehr wichtig, vor allem, wenn Produkte immer komplexer werden. Insofern halten wir an Shops als Vertriebskanal natürlich fest. Harte Einschnitte planen wir nicht. Allerdings werden wir, wo jetzt durch den Unitymedia-Zukauf Doppellagen entstehen, konsolidieren. Und die Mitarbeiter bestmöglich in einem Shop zusammenführen.

Sie versorgen immer mehr Kabelkunden mit 1-Gigabit-Anschlüssen. Wer braucht so schnelles Internet?

Das ist erst der Anfang. Ultrahoch auflösende Fernseher etwa benötigen eine große Bandbreite. Hologramme und Virtual-Reality-Anwendungen fressen regelrecht Daten. Das Datenvolumen wächst jedes Jahr mit 40, 50 Prozent exponentiell. In Zukunft werden Kunden 10 Sim-Karten haben, weil sich alles vernetzt.

Wann kommen 10 Gigabit?

Wir pflanzen immer mehr Glasfaser in das Kabelnetz. Das heißt, es wird immer schneller. Der nächste Sprung mit 10 GB pro Sekunde und deutlich verkürzter Reaktionszeit kommt bereits in den nächsten Jahren.

Die Deutsche Glasfaser plant 6 Mio. Anschlüsse. Werden Sie von ihr und Telekom in die Zange genommen?

Nein. Wir planen 25 Mio. Gigabitanschlüsse bis 2022. Mehr als jeder andere in Deutschland. Aber: Wir kooperieren beim Glasfaserausbau auch mit der Deutschen Telekom. Es könnte theoretisch eine Konkurrenzsituation entstehen, aber derzeit überwiegt die Kooperation.

Über den Kauf von Unitymedia müssen Sie glücklich sein, ohne den Kabelanbieter würde Vodafone Deutschland bei Erlösen statt 25,3 Prozent nur 1,6 Prozent wachsen.

Strategisch sind wir sehr happy über den Zusammenschluss. Unitymedia komplettiert uns und hat die fehlenden drei Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gebracht. Auch ökonomisch war das ein sehr sinnvoller Schritt, der uns neue Möglichkeiten bringt.

Geschwindigkeit ist das eine, aber brennt den Menschen nicht eher die Abdeckung von Internet und Handy auf den Fingern?

Im Mobilfunk aktivieren wir derzeit alle zwei Stunden eine neue LTE-Station. Da tut sich also einiges. Mit Glasfaser gehen wir dahin, wo wir mit Kabel nicht sind. Da kooperieren wir mit passenden Gemeinden. Wenn sich 30 bis 40 Prozent der Menschen in Gemeinden entscheiden, Glasfaser zu nehmen, dann bauen wir überall. Ähnlich machen wir es mit Businessparks.

Sie arbeiten im Mobilfunk mit Telefonica und der Telekom zusammen. Funktioniert das?

Ja. Zu Dritt schließen wir weiße Flecken, wo gar kein Empfang ist. Mit der Telekom haben wir ganz aktuell eine weitere Vereinbarung geschlossen. Für graue Flecken, wo nur einer von uns beiden Netz bietet. Sollte da eine Mobilfunkstation von der Telekom sein, können wir diese nutzen – und umgekehrt. Quasi ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Das Netz wird sich in diesem Jahr auch damit deutlich verbessern.

Problem Huawei. Ist das Unternehmen böse?

Wir haben bislang keine nachvollziehbaren Hinweise, dass Huawei Missbrauch betreibt. Die Frage sollte aber viel mehr sein: Wie erreichen wir höchstmögliche Sicherheit? Dafür braucht man klare Regeln, scharfe Prüfungen und sicherlich ein gesundes Misstrauen – aber in alle Richtungen.

Vodafone muss Huawei-Technik für 200 Mio. EUR abbauen. Ärgert das?

Wir haben uns als Gruppe entschieden, Huawei-Komponenten aus den europäischen Kernnetzen zu nehmen. In Deutschland sind wir hier weniger betroffen, weil schon weiter. Vor gut zwei Jahren haben wir aus wirtschaftlichen Gründen hier auf Nokia umgestellt. Der Austausch ist fast vollendet.

Bekommt Deutschland genug Geld von Ihrer Mutter aus London?

Natürlich könnte man immer noch mehr bekommen, aber wir sind gut ausgestattet. Die Entwicklung in Deutschland ist gut, wir sind erfolgreich.

50 Mio. Sim-Karten in Deutschland sind von Ihnen. Wird noch mit dem Handy ganz normal telefoniert?

Was immer stärker wächst, ist der Datenkonsum. Und das nicht nur im Mobilfunk. Wir machen als Digitalisierungskonzern bereits 60 Prozent Umsatz mit Breitbandlösungen und TV und 40 Prozent mit Mobilfunk. Wir sind wirtschaftlich erfolgreich und bei 32 Prozent Ebitda-Marge vor vier Jahren gestartet und liegen jetzt bei etwa 40 Prozent. Der Zukauf von Unitymedia war also goldrichtig. Für uns genauso wie fürs Land.

Plätzchenbacken mit dem Vodafone-Chef

Chef Hannes Ametsreiter hält einen stationären 5G-Router an einer Total-Tankstelle in den Händen. Foto: Valèry Kloubert/Vodafone/dpa

„Backen mit Mister Gigabit“ heißt ein Video bei Youtube, indem Hannes Ametsreiter Plätzchen fertigt. Zufälligerweise – oder auch nicht – kam Erzfeind Telekom mit seinem Chef Timotheus Höttges im Dezember 2018 auf die gleiche Idee. Der Sieger des Plätzchenwettkampfes steht bis heute nicht fest. In seinem beruflichen Leben ist Ametsreiter Chef von 16.000 Vodafone-Mitarbeitern in Deutschland, die einen Serviceumsatz von 13 Mrd. € erwirtschaften. Der 1967 geborene Salzburger arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Telekommunikationsmarkt unter anderem bei der Telekom Austria Group und A1 Telekom. Ametsreiter ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.

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Erstellt:
14. Februar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Februar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2020, 06:00 Uhr

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