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Alle paar Jahre bricht der Vesuv von Wörlitz aus
17 Meter misst der Mini-Vulkan des alten Fürsten. Foto: Hanskarl von Neubeck
Ein Vulkan zum Vergnügen

Alle paar Jahre bricht der Vesuv von Wörlitz aus

Feuerwerk kann jeder. Fürst Franz von Anhalt-Dessau entfachte für noble Gäste einen Vulkanausbruch. Jetzt spuckte sein Vesuv wieder Feuer.

22.08.2016
  • HANSKARL VON NEUBECK

Dessau/Wörlitz. Der Vesuv am Golf von Neapel ist knapp 1300 Meter hoch. Der Vesuv im Gartenreich Dessau-Wörlitz misst nur 17 Meter, aber die Kleinausgabe des Vulkans hat es in sich. Das raffinierte Innenleben mit verschiedenen Kammern ermöglicht einen gigantischen Feuerzauber mit gewaltig viel Rauch.

Der künstliche Vesuv steht auf einer Insel in einem Landschaftsgarten mit einfallsreich gestalteten Wasserflächen, Kanälen, Brücken, Tempelchen, Grotten und Denkmälern. Dieses Gartenreich, angelegt im 18. Jahrhundert wenige Meter südlich der Elbe, zählt heute zum kulturellen Welterbe, als herausragendes Beispiel für die Umsetzung philosophischer Prinzipien der Aufklärung. Fürst Franz (1740-1817), der fast 60 Jahre lang regierte, hatte ambitionierte Ziele. Der fortschrittlich gesinnte Fürst wollte seine 30 000 Untertanen bilden, wobei er immer eines im Auge hatte: das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden. Dafür stehen die langen Reihen von Obstbäumen, mit deren Ertrag die kostspielige Anlage des Landschaftsgartens finanziert wurde.

Die Freude an bizarren Einfällen kam nicht zu kurz, wie der Vesuv zeigt, bei dessen Bau auf Findlinge aus der Eiszeit zurückgegriffen wurde. 1794, am 54. Geburtstag des Fürsten, spuckte der Dessauer Vulkan erstmals Feuer. Im Lauf der Jahrhunderte ging vieles verschütt. Nach der Wende gelang es einem Professor der Universität Cottbus, einem Spezialisten für explosive Altlasten, den Vulkan wieder funktionstüchtig zu machen. Weil ein Vulkanausbruch sehr aufwändig ist, wird der Dessauer Vesuv nur alle paar Jahre aktiv.

Jetzt war wieder Anlass, denn im benachbarten Schloss Wörlitz (dem ersten klassizistischen Bauwerk in Mitteleuropa) ist eine Ausstellung über Lady Hamilton zu sehen. Die war von Geburt eine Emma, Tochter eines Hufschmieds, schaffte es aber, als frühe emanzipierte Frau mit Schönheit und Können Furore zu machen. Sie heiratete den 35 Jahre älteren Sir William Hamilton, den britischen Botschafter im Königreich Neapel. Sir William war begeisterter Vulkanologe, und als Fürst Franz zu Besuch war, wurde der Vesuv bestiegen, wobei der Gast aus Anhalt-Dessau etwas Ascheregen abbekam. Dieses Erlebnis mag dazu beigetragen haben, dass der Fürst 22 Jahre später in seinem Gartenreich der Freundschaft mit Sir William ein monumentales Denkmal setzte, eben in Gestalt des Vesuv. Neben den Vulkan ließ der Fürst einen Nachbau der Villa Emma in Posilippo stellen.

Eines schönen Tages tauchte in Neapel Goethe auf, dem die Fähigkeit der Lady Hamilton, mit expressiven Gesten antike Figuren nachzustellen, sehr imponierte. Als eine Art Bühne für die Lady hatte ihr Gemahl einen schmalen Kasten zimmern und schwarz ausschlagen lassen. Der Kasten war golden gerahmt, so dass die Lady darin wie eine gemalte Figur erschien.

1798 ging die Zweisamkeit der Hamiltons zu Ende. Die Lady hatte sich in Admiral Nelson, den britischen Seehelden, verliebt, was der betagte William tolerierte – Stoff für Klatsch und Tratsch in ganz Europa. Als der Botschafter 1800 aus Neapel abberufen wurde, traten Sir William, die Lady und der Seeheld zu dritt die Heimreise nach London an. Auch bei Fürst Franz in Anhalt-Dessau war das Trio natürlich zu Gast. Ein Happy-End war der Lady Hamilton nicht beschieden. Als der Ehemann und der Liebhaber gestorben waren, verarmte sie und musste vor ihren Gläubigern nach Calais fliehen, wo sie 1815 starb.

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22.08.2016, 06:00 Uhr
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