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Schwimmern droht ein Fiasko wie 2012 – Auch Weltmeister Koch enttäuscht

Alle gehen baden

Ihre vier größten MedaillenChancen haben die deutschen Beckenschwimmer versiebt. Wie 2012 läuft alles auf ein großes olympisches Debakel hinaus.

12.08.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Rio de Janeiro. Sambatrommler und Tänzer in der Schwimm-Arena, auf der VIP-Tribüne mit grauer Schiebermütze Hollywood-Superstar und Oscar-Preisträger Matthew McConaughey zusammen mit seiner Frau, dem brasilianischen Model Camilla Alves. Die beiden hatten erst gegenüber in der Carioca-Halle noch den hart erkämpften Sieg der amerikanischen Basketballer gegen Australien verfolgt. Kurz bevor um 22 Uhr Ortszeit mit der Entscheidung über 200 Meter Brust der Final-Tag im Olympia-Pool begann, war jedenfalls ordentlich Spektakel geboten.

Nur Weltmeister Marco Koch fand dabei seine gewünschte Rolle nicht. 28 Jahre nach „Albatross“ Michael Groß hatte wieder ein Deutscher die Chance, Olympiasieger zu werden. Als Siebter ging der 26-jährige Darmstädter aber regelrecht baden und schwamm weit an der ersehnten ersten deutschen Medaille in Rio vorbei. Furore machte ein anderer: Dimitri Balandin, einem Kasachen, gelang der Gold-Coup.

Bei den deutschen Beckenschwimmern fügt sich inzwischen Ernüchterung an Ernüchterung und summiert sich zu einer weiteren großen Enttäuschung. Schon vor vier Jahren in London waren sie leer ausgegangen. Als Konsequenz wurde Anfang 2013 als Nachfolger des glücklosen Dirk Lange ein neuer Cheftrainer verpflichtet: Henning Lambertz. Und erste Erfolge ließen auf eine Trendwende hoffen. Der Hallenser Paul Biedermann wurde 2015 noch einmal WM-Dritter über 200 Meter Freistil, Koch selbst Brust-Weltmeister. Doch der Auftritt in Rio ist wieder ein Schlag ins Wasser. Die ganz großen Talente sind nicht in Sicht, und Biedermann hat jetzt gerade seine Karriere beendet. Auch die hoch gehandelte Franziska Hentke aus Magdeburg kam über 200 Meter Schmetterling nicht übers Halbfinale hinaus und weinte bittere Tränen.

Die offizielle Zielvorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die Schwimmer lag bei „zwei bis fünf Medaillen“. Das schlechte Abschneiden dürfte also erneut auch Konsequenzen für die finanzielle Förderung haben. Dabei macht Lambertz den erneuten Rückschlag bereits jetzt auch an den Mittelkürzungen nach dem Fiasko von London fest. „Wenn wir nicht richtig investieren, können wir es sofort sein lassen. So weiterzumachen hat keinen Sinn.“ Für den Fall, dass künftig noch weniger Geld zur Verfügung steht, sieht der 45-Jährige schwarz: „Dann war's das mit dem Schwimmen.“ DOSB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig kommentierte: „Die bisherigen Ergebnisse sind enttäuschend. Wir werden das nach Olympia mit dem Schwimm-Verband analysieren.“ Als Cheftbundestrainer will Lambertz jedenfalls weitermachen, räumt aber auch eigene Fehler ein. Gerade Koch, Biedermann und Hentke habe er im „Eliteteam“ zu viele Freiheiten gelassen. „Im Nachhinein war das falsch. Das hätte ich anders machen müssen.“

Marco Koch, der in 2:08,00 Minuten rund eine halbe Sekunde langsamer war als bei seiner Bestzeit im Januar, ärgerte sich zwar, hatte aber keine Erklärung: „Gefühlt, kann ich nicht sagen, was ich falsch gemacht habe. Es war einfach nicht mehr drin.“ Einen Domino-Effekt beim Blick auf andere nicht zufriedenstellende Ergebnisse sieht er nicht: „Keiner lässt sich von so was beeinflussen nach vier Jahren hartem Training“, behauptete Marco Koch und versprach zum Schluss: „In vier Jahren sind die Spiele in Tokio. Ab morgen beginnt für mich die Vorbereitung.“ 2020 wird er 30 sein. Ein Alter, in dem Paul Biedermann sein letztes Rennen gemacht hat.

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12.08.2016, 06:00 Uhr
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