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Alle Augen auf Stuttgarts Mooswand
Der Aufbau der Mooswand ist in der kommenden Woche abgeschlossen. Sie wird sich auf 100 Metern erstrecken. Foto: Ferdinando Iannone
Umwelt

Alle Augen auf Stuttgarts Mooswand

Das Interesse an den Pflanzen, die Feinstaub umwandeln sollen, ist national und international gewaltig. Es gibt jedoch Zweifler.

11.03.2017
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Sie ist so gut wie fertig. 100 Meter lang, drei Meter hoch, bestückt mit einem festgetackerten Rollteppich aus Hornzahnmoos und Grauem Zackenmützenmoos. Stuttgarts Mooswand an der Bundesstraße 14, die erste in Baden-Württemberg, steht fast in voller Pracht. Bis Mittwoch soll das letzte Drittel begrünt sein. Dann kann das Pilotprojekt in die Vollen gehen.

Nach Partikelklebstoff auf der Straße und Putzaktionen für den Belag startet die Stadt Stuttgart mit der Mooswand den nächsten spektakulären Versuch, die viel zu hohe Schadstoffkonzentration im Kessel zu drücken. Das Interesse ist gewaltig. Der öffentlichen Präsentation des Prototypen wohnten am Freitag mehrere Fernsehteams aus dem In- und Ausland bei – just an dem Tag, an dem der nächste Feinstaub-Alarm ausgerufen werden musste (siehe Infobox). Auch Kommunen aus der Region und drüber hinaus sind gespannt, ob funktioniert, was sich die Landhauptstadt in Zusammenarbeit mit der örtlichen Universität und dem Naturkundemuseum ausgedacht hat. Dr. Hans-Wolf Zirkwitz, der Leiter des städtischen Amts für Umweltschutz, bestätigte, dass er schon Anfragen der Nachbarstädte Esslingen und Reutlingen hat. Auch habe er die Moos-Idee bereits vor einer Fachkommission des Städtetags präsentiert.

Bei der Uni hätten ebenfalls schon Kommunen angeklopft, die sich von einem solchen Bauwerk saubere Luft erhoffen. Dort habe man die Anfragen aber bisher zurückgewiesen, sagte Manfred Hammer, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Immerhin sei das Ganze ja ein Pilotprojekt, das ergebnisoffen laufe. Von einer Maßnahme gegen den Feinstaub könne man noch nicht sprechen.

Aus Staub wird Dünger

Studien haben gezeigt, dass Moose die Eigenschaft haben, Feinstaub über die Oberfläche aufzunehmen, in Pflanzenmasse umzuwandeln und als Dünger fürs eigene Wachstum zu verwenden. Erforscht wurde dies aber nur unter Laborbedingungen, nicht im Feldversuch, wie Peter Pätzold, der Umweltbürgermeister, erklärte. Nun will man also herausfinden, wie die Pflanzen sich in der Praxis verhalten. Neben der Feinstaubkonzentration wird an der Wand auch die Menge des Stickstoffdioxids in der Luft gemessen. „Sollte es funktionieren, wovon wir ausgehen, ist das auch eine wichtige Maßnahme zur Begrünung der Stadt“, sagte Pätzold.

Es gibt aber auch Zweifler, etwa in den Reihen des Verkehrsministeriums, wie dessen Ministerialdirektor Uwe Lahl sagte. „Es gibt bei uns Experten, die sind eher pessimistisch“, berichtete er, und auch er selbst ließ durchblicken, dass er der Sache kritisch gegenübersteht. „Der Druck ist groß“, sagte er am Rande der Veranstaltung. Der Projektversuch ist auf zunächst zwei Jahre angelegt, erste Ergebnisse werden bis Ende dieses Jahres erwartet. Und sollten die zeigen, dass die Moose tatsächlich ihren Dienst tun, hat man schon neue Flächen im Blick. Etwa in Tunneln könnte sich Lahl die Pflänzchen vorstellen – weil dort besonders viel Feinstaub in der Luft hängt und auch, weil es dort kühler ist.

Verschönerung der Stadt

Der sonnige Standort an der B14 ist für das Grün nämlich nicht ideal. Man wird es häufig bewässern und im Sommer beschatten müssen. Direkt am Neckartor, Stuttgarts dreckigster Ecke, steht die Wand übrigens deshalb nicht, weil dort der Platz nicht ausgereicht hätte und Wasser- und Stromleitungen im Weg liegen, hieß es bei der Präsentation. Die CDU-Gemeinderatsfraktion hatte sich im Vorfeld des Termins mit einer Anfrage zu Wort gemeldet, um mehr zur Auswahl des aktuellen Standorts zu erfahren.

Auch zur Verschönerung der Stadt und zur Verbesserung des Klimas könnten solche Wände, sollten sie denn funktionieren, künftig beitragen. Die Mooswand könnte also zum echten Allrounder werden. Ob man sich die schwäbische Erfindung nicht patentieren lassen wolle? Der Gedanke sei ihm auch schon gekommen, sagte Tristan Basitta, ein Mitarbeiter der Firma Vertiko, die die Wand erstellt hat. „Ich muss mal den Geschäftsführer ansprechen.“

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11.03.2017, 06:00 Uhr
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