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Traumsicher unscharf

Alice Angeletti und ihre Ausstellung „Getrenntes Ich“ im Tübinger Clubhaus

Alice Angeletti, in La Spezia geboren, kam vor zwei Jahren als Erasmusstudentin nach Tübingen.

19.12.2009
  • Peter Ertle

Eigentlich Ägyptologin, aber schon in Italien leidenschaftlich fotografierend und ausstellend, besuchte sie in Tübingen Günter Weckwarth-Sängers Fotokurs an der Uni, absolvierte ein Praktikum bei Fotokünstler Tilman Rösch, wurde ausstellendes Mitglied der 4-Elemente Crew von Künstlern aus Aix en Provence, Tübingen, Perugia und Durham. Inzwischen spricht sie fließend Deutsch, gibt Fotokurse an der Volkshochschule und Sprachunterricht. Sie findet das künstlerische Leben in der Stadt richtig gut, aber, sagt sie, man müsse aufpassen, dass man noch über den Tübinger Horizont hinaussehe. Offensichtlich tut sie das, denn jüngst hat sie für ihre Fotos eine Agentur in Paris gefunden.

Tübingen. Sie ziehen einen sofort in ihren Bann, diese Fotoarbeiten Alice Angelettis im Clubhaus. Gesichter, Körper, Körperausschnitte, Figuren in Beziehung, schwarz-weiß, in mehr oder weniger diffusem Licht, unscharf, körnig, also immer etwas ins Schemen- oder Gespensterhafte tendierend. Etwas Dunkles, Geheimnisvolles, Ungeheures geht von Ihnen aus. Auf diesen Bildern ist es Nacht, nicht faktisch, aber atmosphärisch. Da werden alle Formen größer, zwischen Gesichtern und Gesichte ist nicht immer zu unterscheiden, eine Vagheit an Konturen verbindet sich mit einer Traumsicherheit – für das im Foto erst eine Sprache gefunden werden muss.

Die Arbeiten bilden diesen Prozess ab, die Fotografin liefert quasi das äußere Abbild eines inneren Blicks. Es ist ein forschender Blick. Die Fotos sprechen nicht alles aus, beziehungsweise doch, aber sie sprechen symbolisch. Nicht im Sinne „das steht für das“. Denn wir haben längst vergessen, was wofür steht. Aber wir bekommen angesichts dieser Fotos wieder eine Ahnung davon. Das ist die romantische Seite dieser Bilder.

Und dann gibt es da etwas sehr Paradoxes: Sie strahlen viel Würde, ja sogar etwas Erhabenes aus, diese Motive, aber gleichzeitig eine Scheu, etwas sehr Intimes, manchmal hat man ein Erbarmen mit der ein oder anderen Kreatur. Erhabenheit, Erbarmen, das sind anachronistische Begriffe, der eine aus alter ästhetischer Theorie stammend, der andere aus der Theologie – aber warum nicht? Die Fotos haben ja auch etwas sehr Klassisches, zum Teil liegt das an den Motiven: Was wäre klassischer als der Körper, das Gesicht, das Fragment, schwarz-weiß. Eine andere Klassizität liegt im Verfahren: Es handelt sich um analoge Fotografie. Da wird nichts retouchiert, kein Bildbearbeitungsprogramm läuft drüber.

Und wer stand Modell, wer wurde arrangiert? Hauptsächlich eine Schaufensterpuppe. Und noch eine weitere. Und die Fotografin selbst. Übrigens für den Außenstehenden oft nicht zu unterscheiden. Unbelebtes wird belebt, Belebtes wird puppenhaft, dazwischen: Stufen. Allesamt aber sind es Studien zum Thema Identität, Frau, Mutter, Kind, Nähe und Distanz. Gewalt, Angst, Schmerz, sind auch im Spiel, aber sozusagen Caféteria-moduliert, das heißt: Die „herberen“ Arbeiten sind hier nicht ausgestellt. Peter Ertle

Info

Alice Angeletti, „Getrenntes Ich“, Fotografie, Clubhaus, noch bis 31. Januar, Mo-Do 8-19 Uhr, Fr 8-17.30 Uhr.

Alice Angeletti und ihre Ausstellung „Getrenntes Ich“ im Tübinger Clubhaus
Ich und Ich, getrennt, dazwischen: Ich? Alice Angeletti im Clubhaus zwischen zweien ihrer analoger Fotoarbeiten. Bild: Sommer

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19.12.2009, 12:00 Uhr
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