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Justiz

Aktivistin von „Robin Wood“ muss zahlen

Amtsgericht verurteilt „Eichhörnchen“ wegen Protestaktion gegen Transport von Atommüll auf dem Neckar.

12.04.2018

Von HANS GEORG FRANK

Abseilaktion: 200 Euro Strafe soll der Protest kosten. Foto: Uwe Anspach/dpa

Heilbronn. Tumultartige Szenen haben eine Verhandlung des Amtsgerichts Heilbronn wegen Protesten gegen den Transport von Atommüll auf dem Neckar geprägt. Eine „Robin Wood“-Aktivistin wehrte sich gegen zwei Bußgeldbescheide in Höhe von insgesamt 450?Euro. Ihr war zur Last gelegt worden, dass sie einmal als Schwimmerin bei Gundelsheim gegen die Überführung der Castor-Container von Obrigheim nach Neckarwestheim demonstriert habe. Bei der anderen Aktion soll sie sich von einer Brücke bei Bad Wimpfen abgeseilt und das Schiff zwei Stunden aufgehalten haben. Beidesmal habe es sich um eine ungenehmigte Versammlung gehandelt, die durch drei Durchsagen „laut und deutlich“ für aufgelöst erklärt worden seien, sagten Zeugen vor Gericht.

Die 36-jährige Französin sah sich als Opfer der „Willkür“ des Richters, beklagte sie mehrfach. Ihr werde rechtliches Gehör versagt, sie habe keine Akteneinsicht bekommen, weil die Unterlagen an eine falsche Adresse geschickt worden seien. Ihren Antrag auf Befangenheit wies der protesterfahrene Richter ab, weil er seiner Ansicht nach nur dazu diene, „das Verfahren zu verschleppen“. „Eichhörnchen“, wie die kampferprobte Frau in der Szene heißt, gebärdete sich derart aufsässig, dass sie auf Weisung des Richters wegen „ungebührlichen Verhaltens“ von Wachtmeistern samt Stuhl aus dem Gebäude getragen werden musste. Auch mit Geschrei und Konfetti protestierende Unterstützer wurden des Raums verwiesen.

Die Geldbußen reduzierte das Gericht auf 200 Euro. Das Urteil ging allerdings im Geschrei der Beschuldigten unter, die nach der Beweisaufnahme wieder an der Verhandlung teilnehmen durfte.

Das Heilbronner Amtsgericht befasst sich in insgesamt 15 Verfahren mit Aktionen gegen die Castortransporte, bei denen in fünf Tranchen insgesamt 342 Brennelemente ins Zwischenlager Neckarwestheim geschafft worden sind. Der Widerstand gegen diese „Atommüllverschieberei“ solle als „sozial adäquates Verhalten“ verstanden werden, betonte die verurteilte Aktivistin. Sie stand nach eigenen Angaben schon in mehr als 100 Verfahren vor Gerichten. Hans Georg Frank

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Erstellt:
12. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. April 2018, 06:00 Uhr

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