Die Stimmung ist gekippt

Aktionsbündnis gegen S 21 will mit Parkbesetzern Kompromiss suchen

Der angekündigte Rückzug der Parkschützer aus dem Schlossgarten lässt auf sich warten. Zwar wird ein neuer Rasen gesät, die Parkbesetzer wollen aber bleiben.

29.04.2011

Von YVONNE WEIRAUCH

Stuttgart Die Zelte im Mittleren Schlossgarten sollten Ende April verschwunden sein und neuer Rasen gesät werden. Die Parkschützer und das Aktionsbündnis gegen S 21 waren sich da einig. Auch mit den Parkbesetzern habe man gesprochen. Nun sei die Stimmung aber gekippt, sagt Irmela Neipp-Gereke, Sprecherin des Aktionsbündnisses. Der Rasen werde zwar gesät, aber die Parkbesetzer bleiben.

Einer der Mülleimer ist vollgestopft mit Abfall, Tüten und leere Flaschen stehen daneben, Tipis und Zelte sind durch den Regen ganz nass - seit Monaten campieren Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten und sie wollen ihr Zeltlager aufrecht erhalten. Ursprünglich sollten die Zelte der Gegner am kommenden Wochenende abgebaut werden. Das Aktionsbündnis hatte vor drei Wochen angekündigt, dass alle Bahnprojekt-Gegner bis Ende April den Park verlassen werden. Ab Mai sollte der Park dann wieder allen Stuttgartern als Erholungsraum zur Verfügung stehen. Viele der Zelte sind weg, die Umfriedung, die wie eine Mauer einen Teil des Parks durchzogen hatte, fehlt mittlerweile ebenfalls.

Nun hat aber bei den derzeit bis zu 60 dort campierenden Parkbesetzern offenbar ein Umdenken stattgefunden. "Die Stimmung ist plötzlich eine andere", sagt Irmela Neipp-Gereke, Sprecherin des Aktionsbündnisses. Man sei überrascht, da im Vorfeld viele Gespräche über die Zelträumung mit den Parkbesetzern stattgefunden haben. Die meisten der dort lebenden S-21-Gegner hielten es für verfrüht, den Protest gegen das umstrittene Bahnprojekt schon jetzt vollständig aufzulösen. "Von außenstehenden Bürgern" seien die Zeltbewohner bestärkt worden, im Schlossgarten zu bleiben, vermutet Neipp-Gereke - "um die Widerstandsbewegung aufrecht zu erhalten und weitere Zeichen zu setzen."

In weiteren Gesprächen wollen Vertreter des Aktionsbündnisses jetzt versuchen, die Parkbesetzer womöglich doch zum Gehen zu überreden. Anfang Mai will das Aktionsbündnis dann damit beginnen in einigen Teilen des Schlossgartens neuen Rasen zu sähen. Dieser war bei dem Polizeieinsatz gegen S-21-Gegner am 30. September letzten Jahres und durch darauffolgende Demonstrationen stark beschädigt worden. "Wir sind zuversichtlich, dass sich eine Lösung finden wird und wir einen Kompromiss schließen können. Der Park sollte komplett frei gemacht werden", sagt die Sprecherin.

Anstatt für den 8. Mai haben die Parkschützer nun ihre Aktion für den 7. Mai geplant: Die ramponierten Rasenflächen werden gereinigt und dann neu eingesät. Abgebaut wurde schon die Umfriedung, die von den Künstlern und Zeltbewohnern geschaffen wurde. Die Bildmotive darauf stammen von einer Bauplane, die das Brandenburger Tor in Berlin während seiner Renovierung verhüllte. Die Einzelteile sollen am Samstag, 30. April, von 14 Uhr an im Mittleren Schlossgarten versteigert werden. Vorbesichtigung ist von 12 Uhr an. Die Aktion wird unter anderem von Schauspieler Walter Sittler moderiert.

Im Mittleren Schlossgarten sieht der Spaziergänger nach wie vor eine kleine Zeltstadt und den ramponierten Rasen. Foto: Yvonne Weirauch

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Erstellt:
29. April 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. April 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. April 2011, 12:00 Uhr

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