Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Pilot stirbt im Flieger

Airbus der American Airlines muss notlanden - Witwe berichtet von Herzproblemen

Drama in einem Passagierflieger der American Airlines: Der Pilot bricht zusammen, sein Kollege muss den Flieger notlanden. Experten zufolge bestand keine Gefahr. Doch der Fall wirft Fragen auf.

07.10.2015
  • SVEN KAUFMANN (MIT DPA/AFP)

Syracuse Louise Anderson wurde von der zittrigen Stimme einer Stewardess aus dem Bordlautsprecher geweckt, als sie nachts auf dem Weg nach Boston in ihrem Flugzeugsitz schlief: Den Passagieren sei mitgeteilt worden, erzählte sie dem Portal syracuse.com, der Pilot sei krank: Sie sollten sich anschnallen, der Flug werde umgeleitet. Andere sagten dem Sender CBS, vor der Ansage habe es eine Turbulenz gegeben, der Jet habe plötzlich deutlich an Höhe verloren.

Anderson und die übrigen 146 Passagiere in dem Airbus A 320 ahnten zu dieser Zeit noch nicht, welches Drama sich im Cockpit abgespielt haben muss: Erst als sie nach der Notlandung in Syracuse (US-Staat New York) den A 320 verlassen hatten, erfuhren sie: Ihr Pilot ist tot.

Flug 550 der American Airlines war in der Nacht zum Montag auf dem Weg von Phoenix (Arizona) nach Boston (Massachusetts) gewesen, als der Copilot plötzlich einen medizinischen Notfall meldete: Der Kapitän sei "arbeitsunfähig", funkte er an den Tower in Syracuse und bat für Flug American 550 um Landeerlaubnis. Der Copilot konnte die Maschine sicher landen.

Eine medizinisch geschulte Stewardess soll noch in der Luft versucht haben, den Piloten zu reanimieren. Nach der Notlandung eilten Rettungssanitäter in die Kabine des Airbus - doch für den 57-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. Ein Passagier meinte geschockt: "Wir kannten ihn nicht, aber wir haben unser Leben in seine Hände gelegt, und nun ist er nicht mehr da."

American Airlines-Chef Doug Parker sprach der Familie des Piloten sein Beileid aus und lobte die Crews am Boden und in der Luft für ihren Einsatz. Zur Todesursache selbst wollte die Airline indes nichts sagen. Syracuse.com berichtete, ersten Untersuchungen der Rechtsmedizin zufolge sei der 57-jährige eines "natürlichen Todes" gestorben.

Allerdings: Nach Angaben seiner Witwe hatte der Mann schon seit Jahren Herzprobleme. 2006 wurde ihm demnach ein doppelter Bypass gelegt, seitdem musste er sich alle sechs Monate auf seine Flugtauglichkeit untersuchen lassen. "Soweit wir wissen, war er bei perfekter Gesundheit, als er gestern wegfuhr", sagte sie CBS. "Er schien völlig in Ordnung." Er habe in den vergangenen Wochen fünf Kilo Gewicht verloren und ihr noch gesagt, er fühle sich so gut wie schon lange nicht mehr.

Die Vorstellung, dass ein Pilot am Steuerknüppel zusammenbrechen könnte, ist nicht nur für Menschen mit Flugangst ein Horror. Experten zufolge bedeutet ein solcher Fall jedoch keine Gefahr für die Passagiere. Verkehrsflugzeuge würden von Pilotenteams geflogen, um zu gewährleisten, dass ein zweiter Pilot das Flugzeug im Notfall steuern könne. "Dies ist eine Tragödie, und seine Familie tut mir sehr leid", sagte der Luftfahrtexperte und Ex-Pilot John Cox. "Aber war dies eine Gefahr für die Passagiere? Nein".

Auch Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit erklärt, dass hier "keine Gefahr" bestanden habe. Es gebe tatsächlich immer mal Situationen, in denen einer der Piloten unpässlich werde. "Das fängt im Prinzip mit einer Magen-Darm-Verstimmung an und kann natürlich leider manchmal so weit gehen, dass es ernsthafte Zwischenfälle gibt." Aber: "Piloten sind soweit geschult, dass diese Situation - auch wenn es außergewöhnlich klingt - nicht gefährlich ist. Ein Flugzeug bei Bedarf alleine zu landen ist etwas, das jeder Pilot können muss. Das ist Teil der Ausbildung."

Dennoch: Kann ein Pilot quasi plötzlich am Steuerknüppel sterben? Wahl erklärt, dass alle Piloten einmal pro Jahr in "Medicals" von Ärzten untersucht würden, ab 40 Jahren auch halbjährlich. Alles ausschließen könne man damit freilich nicht. "Statistisch gesehen ist der Durchschnittspilot zwar gesünder als die übrige Bevölkerung. Dies feit uns Piloten allerdings nicht davor, zum Beispiel einen Kreislaufkollaps zu erleiden.")

Airbus der American Airlines muss notlanden - Witwe berichtet von Herzproblemen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

07.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel
„Das ist die Hölle“ Brückeneinsturz in Genua
Doping, Alkohol, Drogen Der tiefe Fall des Jan Ullrich

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Gästeführer (1): Manfred Bayer Ein Gedicht ist immer dabei
Renate Angstmann-Koch über Gästeführerinnen und -führer Tübingen-Liebhaber und Menschenfreunde
Konzert: Von Wegen Lisbeth Gefährder im Weinberg
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular