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Aggression und Gewalt prägen Alltag vieler Kinder
Kindern drohen Gefahren wie in dieser nachgestellten Szene. Foto: dpa
Kriminalität

Aggression und Gewalt prägen Alltag vieler Kinder

Die Zahl der Fälle sexuellen Missbrauchs stagniert auf hohem Niveau. Spätfolgen zeigen sich in einem Anstieg allgemeiner Volkskrankheiten.

17.03.2017
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Der Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Johannes-Wilhelm Rörig, ist erschüttert: „Aggression und Gewalt, auch sexuelle Gewalt, gehören noch immer zum Alltag vieler Kinder in Deutschland.“ Gerade hat Professor Jörg M. Fegert, Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uni-Klinik in Ulm, die Ergebnisse einer neuen Studie präsentiert: Danach verharrt die Zahl der als Kind von sexuellem Missbrauch betroffenen Bundesbürger auf einem erschreckend hohen Niveau.

Obwohl nach dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen, an Schulen und in Sportvereinen vor sechs Jahren nicht nur die Stelle des Missbrauchsbeauftragten geschaffen, ein Runder Tisch von Experten und Betroffenen eingerichtet sowie eine Kommission zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch berufen wurden, stieg die Quote der von sexuellem Missbrauch betroffenen Personen sogar an – von 12,6 Prozent im Jahr 2010 auf heute 13,9 Prozent. Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 2500 Bundesbürgern von 14 bis 94 Jahren.

Die Studie ermittelte auch die Häufigkeit anderer Formen von Gewalt – emotionaler und körperlicher Misshandlung sowie Vernachlässigung. Danach trifft Gewalt als Kindheitserfahrung fast ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland – 30,8 Prozent (2010: 35,5 Prozent). Über die Spätfolgen von Misshandlung und Gewalt im Kindesalter sagt Professor Markus Huber-Lang vom Zentrum für Traumaforschung in Ulm: „Bei Kindheitstraumata kommt es auch zu einer Steigerung von allgemeinen Volkskrankheiten: Bluthochdruck, Diabetes, Krebs.“

Beim sexuellen Missbrauch erwiesen sich in der Studie Frauen (18 Prozent) als häufiger betroffen als Männer (9,3 Prozent). Von schweren oder extremen Misshandlungen berichteten dabei 11,3 Prozent der Frauen und bis zu 4 Prozent der Männer. Im Vergleich zur Erhebung von 2010 lag der Wert der betroffenen Frauen rund 3 Prozentpunkte höher, bei den Männern blieb er unverändert. Fegert: „Wir können von einer Entwarnung nicht reden.“

Der Missbrauchsbeauftragte Rörig appellierte an die Parteien, in der nächsten Wahlperiode des Bundestages noch mehr zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch zu tun. Er kritisierte die amtierende Bundesregierung, die eine dringend notwendige Reform des Opferentschädigungsgesetzes immer noch schuldig bleibe. Rörig: „Die politischen Rahmenbedingungen zum Schutz gegen Missbrauch und zur Hilfe für Betroffene müssen weiter verbessert werden.“ Die von Experten im November 2011 ausgearbeiteten Handlungsmöglichkeiten seien längst nicht ausgeschöpft.

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17.03.2017, 06:00 Uhr
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