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Afrikanisches Experiment im olympischen Eiskanal
Geschafft: Akuoma Omeoga, Seun Adigun und Ngozi Onwumere (von links) sind bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang als erstes afrikanisches Team am Start. Foto: Under Armour
Bob

Afrikanisches Experiment im olympischen Eiskanal

Erstmals startet bei den Winterspielen ein nigerianisches Team. Die Mannschaft um Seun Adigun genießt die Atmosphäre in Pyeongchang.

20.02.2018
  • MANUELA HARANT

Pyeongchang. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang durfte Seun Adigun die nigerianische Flagge rtagen. Stolz schwenkte die zierliche Lady die riesige Fahne langsam nach links und rechts, gefolgt von ihren zwei Teamkolleginnen Akuoma Omeoga und Ngozi Onwumere sowie ihren Trainern und Betreuern. Das ist jetzt schon mehr als eine Woche her, und der erste Frauenbob aus Afrika ist immer noch nicht im Wettkampf den Eiskanal im Alpensia Sliding Center hinuntergerast. Denn die Damen treten mit ihren ersten beiden Läufen erst heute in den olympischen Vergleich ein.

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Doch die Nigerianerinnen, allesamt ehemalige Sprinterinnen in der Leichtathletik, leben den olympischen Geist. Während deutsche Profisportler teils erst anreisen, wenn die Wettkämpfe anderer Sportarten längst begonnen haben, genießt das Trio, von dem eine Athletin letztlich nur zuschauen darf, von Anfang an den besonderen Flair des weltweit größten Sportereignisses. Hürdensprinterin Seun Adigun (31) weiß dagegen schon, was Olympia bedeutet: Sie repräsentierte Nigeria bereits bei den Sommerspielen 2012 in London. Bobfahren war für sie jedoch bis vor kurzem kein Thema. „Es fühlt sich an, wie in eine Mülltonne gesteckt zu werden und den Berg hinunterzurollen“, berichtet Ersatzfrau Ngozi Onwumere (26) von ihrer ersten Fahrt im Eiskanal im September 2016. Mit einer Crowdfunding-Aktion und unterstützt vom denkbar kleinen nigerianischen Bobverband schafften es die drei Afrikanerinnen in unterschiedlicher Besetzung, aber immer mit Adigun an den Lenkseilen, ihren Quotenplatz bei Olympia 2018 zu ergattern.

Dort heißt die Devise tatsächlich: Dabei sein ist alles. Im Training landete Bob Nigeria stets weit abgeschlagen am Ende des Feldes. Seit dem Beginn der Spiele, eigentlich schon weit davor zelebrieren die Damen, die von Skeletoni Simidele Adeagbo komplettiert werden, ihre aufregende Zeit in den sozialen Medien aber wie Profis. Unter Hashtags wie #WeWill, #AfricaRising oder #ImpossibleIsNothing posten die neuen „Bobprofis“ gegenseitige Motivationssprüche für ihren bevorstehenden Start.

Im Vergleich zum jamaikanischen Kultmannschaft von Calgaary 1988, deren Geschichte unter dem Titel „Cool Runnings“ verfilmt wurde, geht das Nigeria-Team die Mission Olympia allerdings schon etwas professioneller an: Seun Adigun und ihre Mitstreiterinnen trainierten in Houston mit nachgebauten Holzbobs auf Rollen das Anschieben, lernten das Fahren im Eiskanal von Park City im US-Bundesstaat Utah.

Deshalb scheuen sie auch den Vergleich mit den Jamaikanerinnen nicht, die ohnehin nun auch einen Frauenbob an den Start bringen (siehe Info). Doch Adigun ist sich ihrer Exotenrolle natürlich bewusst, und das es für viele weniger um den Sport als um die Besonderheit ihrer Herkunft geht: „Das Verrückte ist, dass die meisten Leute gar nicht verstehen, was Bobfahren ist, aber das ist ihnen egal“, sagte Adigun in einer US-Talkshow. Kein Wunder, schließlich gibt es in ihrem Land weder Berge noch Schnee.

„Wir nehmen teil, um den Menschen zu zeigen, was möglich ist“, sagt Adigun. Zu sehen gibt es das jeweils heute ab 20.50 Uhr (12.50 MEZ) und morgen ab 22 Uhr (14 Uhr MEZ) im olympischen Eiskanal von Pyeongchang.

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20.02.2018, 06:00 Uhr
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