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Zivilopfer

Afghanistans blutige Statistik

In dem von Kämpfen erschütterten Land wurden 2017 mehr als 10 000 Menschen verletzt oder getötet.

16.02.2018
  • JAN DIRK HERBERMANN

Genf. Terroranschläge, Bodengefechte, Luftangriffe: Die Gewalt in Afghanistan fordert unter der Zivilbevölkerung einen entsetzlichen Blutzoll. Die Vereinten Nationen berichten von 10 453 Opfern im Jahr 2017 in dem Land, wo Regierung und westliche Verbündete gegen islamistische Extremisten kämpfen. Es handle sich um eine „schaurige Statistik“, erklärte der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto, in einem am Donnerstag verbreiteten Bericht. Im vergangenen Jahr wurden demnach 3438 Menschen in Afghanistan getötet, davon waren 861 Kinder.

Im selben Zeitraum erlitten 7015 Menschen Verletzungen, unter ihnen 2318 Kinder. Zwar ging die Opferzahl unter Zivilisten für 2017 im Vergleich zu 2016 um neun Prozent zurück. Die Abnahme sei angesichts der nicht enden wollenden Gewalt aber kein Trost, hielten UN-Funktionäre fest. Sie befürchten auch ein blutiges Jahr 2018. In den Jahren von 2009 bis 2017 wurden in dem muslimisch geprägten Staat mehr als 80 000 an dem Konflikt unbeteiligte Menschen verletzt oder getötet. Die Dunkelziffer könnte jedoch weitaus höher liegen.

Terrorattacken und Luftangriffe

Die UN machen die islamistischen Taliban, die Terrormiliz „Islamischer Staat“, andere Gegner der Regierung und auch unbestimmte Gruppierungen für zwei Drittel aller Todesfälle und Verwundungen unter den Zivilisten verantwortlich. Als besonders „schändlich“ prangerte der Sonderbeauftragte Yamamoto die vermehrten Suizidattacken mit selbst hergestellten Sprengsätzen an. Die Angreifer wählen oft gezielt große Ansammlungen von Menschen aus – und machen selbst vor Moscheen nicht Halt.

Ein Fünftel der Opfer geht den Angaben nach auf das Konto der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten, darunter auch westliche Einheiten. Die Autoren betonen, dass die Zahl der zivilen Opfer von Luftangriffen den höchsten Stand seit Beginn der Zählungen im Jahr 2009 erreicht habe. Im vergangenen Jahr seien 295 Menschen durch Attacken von Militärjets getötet worden, 336 hätten Verletzungen erlitten. Vor allem die USA setzen in Afghanistan auf Luftschläge, um Terroristen zu bekämpfen.

Jan Dirk Herbermann

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16.02.2018, 06:00 Uhr
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