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Sarrazin unter Druck

Äußerungen über Juden lösen heftigen Widerspruch aus

Mit der These, alle Juden hätten ein bestimmtes Gen, hat Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin den Streit über religiöse Minderheiten weiter angeheizt. Er löste heftige Reaktionen aus.

30.08.2010

Frankfurt Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin gerät jetzt auch wegen seiner jüngsten Äußerungen über Juden weiter unter Druck. In der "Welt am Sonntag" hatte er erklärt: "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden." Mitglieder der Bundesregierung und andere Politiker, der Zentralrat der Juden und die Türkische Gemeinde reagierten mit heftiger Empörung und stellten die Eignung Sarrazins für sein Amt in der Notenbankspitze in Frage. Er selbst blieb dagegen unnachgiebig und lehnte auch den vielfach geforderten Austritt aus der SPD ab.

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stefan Kramer, reagierte entsetzt. "Wer die Juden über ihr Erbgut zu definieren versucht, erliegt - auch wenn das vermeintlich positiv gemeint ist - einem Rassenwahn." Sarrazin versuche, Minderheiten zu polarisieren und gegeneinander aufzubringen. Die Juden in Deutschland würden ihm dabei nicht auf den Leim gehen. Der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, warf Sarrazin einen faktischen Rückgriff auf Elemente der Rassenhygiene aus der Nazi-Zeit vor. Damit habe Sarrazin eine "rote Linie überschritten".

Kanzlerin Angela Merkel verurteilte die Äußerungen Sarrazins als "vollkommen inakzeptabel". Sie seien ausgrenzend und machten ganze Gruppen verächtlich. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kritisierte: "Wortmeldungen, die Rassismus oder gar Antisemitismus Vorschub leisten, haben in der politischen Diskussion nichts zu suchen." Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reagierte nicht minder heftig: "Jede Provokation hat ihre Grenzen." Diese Grenze habe Sarrazin überschritten. Auch der scheidende hessische Ministerpräsident Roland Koch nannte die jüngsten Äußerungen Sarrazins unerträglich. "Damit stellt er sich völlig ins Abseits." Zwar spreche Sarrazin Probleme an, denen die Gesellschaft nicht ausweichen dürfe. "Ihm selbst geht es aber offenbar nur noch um Verbalradikalismus und Tabubrüche."

Den von SPD-Chef Sigmar Gabriel geforderte Parteiaustritt lehnte Sarrazin ab. "Ich bleibe SPD-Mitglied bis an mein Lebensende." Der Vorsitzende von Sarrazins Berliner SPD-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf, Christian Gaebler, sagte dagegen: "Das Maß ist voll." Wenn der Exsenator nicht freiwillig austrete, "bereiten wir ein Parteiausschlussverfahren vor."

Die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, forderte eine überparteiliche Initiative zur Abberufung Sarrazins als Bundesbankvorstand. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, forderte Kanzlerin Merkel auf, ein Verfahren zur Absetzung Sarrazins als Bundesbank-Vorstand einzuleiten. apn/dpa

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Erstellt:
30. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. August 2010, 12:00 Uhr

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