Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ärztemangel in Baden-Württemberg: Lösungen dringend gesucht

31.01.2019

Der Ärztemangel führt in vielen Regionen zu langen Wartezeiten. Bild: Racle Fotodesign/Fotolia.com

Der Gang zum Arzt entwickelt sich in vielen Regionen Deutschlands zur Herausforderung. Auch in Baden-Württemberg macht sich der Ärztemangel immer stärker bemerkbar. Vor allem auf dem Land müssen Patienten häufig lange Wartezeiten und umständliche Anfahrtswege in Kauf nehmen, um behandelt zu werden. Was gegen den Mangel getan werden kann, wird indes heiß diskutiert.

Die aktuelle Situation im Bundesland

Zahlen der Bundesärztekammer machen deutlich, dass Ärzte in Baden-Württemberg immer seltener werden. Ende 2017 gab es im Bundesland 19.739 ambulant praktizierende Ärzte. Über 25.000 arbeiteten in Kliniken und 1.312 im behördlichen Bereich. Die Zahlen alleine sind jedoch nicht das ganze Problem, da auch das Alter der berufstätigen Ärzte in Deutschland steigt. So berichtet aerztekammer-bw.de, dass 2017 fast 48 Prozent von ihnen älter als 50 Jahre waren. 1991 lag dieser Wert laut der Behörde noch bei niedrigen 26,1 Prozent. Auch ein Nachwuchsproblem scheint sich abzuzeichnen: von allen berufstätigen Ärzten in der Bundesrepublik waren 1991 25,2 Prozent jünger als 35 Jahre. 2017 war die Gruppe mit 19 Prozent deutlich kleiner.

Der Mangel an Ärzten wirkt sich in Baden-Württemberg unterschiedlich stark aus. Besonders betroffen war bereits Mitte des vergangenen Jahres die Region Tuttlingen, denn dort beliefen sich die unbesetzten Arztsitze auf 17,5. Weiterhin fehlten in Aalen zwei Ärzte, im Gebiet Ostalb/Schwäbischer Wald 7,5 und in weiteren Landstrichen zwischen einem und fünf Mediziner. Wichtig ist zudem ein Blick auf die jeweilige Versorgungsquote, schließlich berücksichtigt diese auch die Einwohnerzahlen in den einzelnen Bezirken. Teilweise lag diese Quote in 2017 bei nur 76 Prozent, wobei 100 Prozent als optimal gelten. Viele Arzt-Jobs sind also frei in Baden-Württemberg.

Was das für die Zukunft bedeutet

Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft und die immer älteren Ärzte in Praxen bilden gemeinsam ein großes Problem. So wird es in der Zukunft eine deutliche Steigerung der behandlungsbedürftigen Patienten geben, während Ärzte aufgrund ihres eigenen Alters in den Ruhestand gehen. Die Rede ist inzwischen von rund 500 Arztpraxen im Land, die in den nächsten Jahren nicht mit neuen Medizinern besetzt werden können.

Auf der Suche nach Ursachen findet sich vor allem die Situation der derzeitigen Medizinstudenten und Absolventen. Nur wenige von ihnen streben nach dem Studium eine Karriere als niedergelassener Arzt an, sondern fühlen sich mit Teilzeitstellen und Angestelltenverhältnissen wohler. Auf dem Land ist es besonders schwierig, den Nachwuchs von einer Niederlassung zu überzeugen. Für die Einwohner Baden-Württembergs bedeutet dies im Ernstfall noch mehr Schwierigkeiten bei der Suche nach einem geeigneten Behandler.

Lösungsansätze sind unterschiedlich

Selbstverständlich geht der zunehmende Ärztemangel nicht an der Politik vorüber. So präsentierte die Stuttgarter Landesregierung im vergangenen Jahr ihr Vorhaben, 150 weitere Studienplätze zu schaffen und Mediziner in Unikliniken auszubilden. Das Land selbst bleibt ebenfalls nicht untätig und investiert noch bis August 2019 170.000 Euro in die eingehende Analyse der Situation. Wie CDU und Grüne gemeinsam entschieden, sollen 21 Gemeinden und Städte näher untersucht werden.

Ebenfalls angesprochen wurde seitens der CDU die sogenannte „Landarztquote“. Damit sollen, wie der Abgeordnete Stefan Teufel angab, zehn Prozent mehr Studienplätze geschaffen werden. Wiederum zehn Prozent aller Medizinstudenten sollen sich dann dazu verpflichten, künftig in einer Region mit schlechter Versorgungslage tätig zu werden. Der Plan stieß allerdings auf reichlich Kritik und auch die Kassenärztliche Vereinigung wies darauf hin, dass sich die Zukunft angehender Mediziner nicht zu Beginn des Studiums planen ließe.

Darüber hinaus finanzieren die CDU und das Land gemeinsam ein Programm, an dem Medizinstudenten ab dem siebten Semester teilnehmen können. Die Studenten erhalten in einem Zeitraum von maximal zwei Jahren monatlich 300 Euro, verpflichten sich jedoch dazu, wenigstens fünf Jahre lang in einer Landarztpraxis tätig zu werden. Bis zu 30.000 Euro erhalten Hausärzte, die sich in ländlichen Gebieten niederlassen. Das Förderprojekt läuft bereits seit einiger Zeit, weswegen bis 2017 schon mehr als 1,8 Millionen Euro investiert wurden.

Ein weiterer Ansatz, der für mehr Entspannung der Situation sorgen soll, ist das Modellprojekt für Telemedizin. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hat in diesem Zusammenhang das Portal DocDirect gestartet. Hier können Patienten Mediziner von zu Hause aus kontaktieren und sich beraten lassen. Sowohl per Telefon als auch Video-Chat oder mit Hilfe von Bildmaterial sollen sich die Ärzte ein Bild von der Situation machen und weitere Schritte empfehlen. Muss der Patient in einer Praxis behandelt werden, stehen in den Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen sogenannte PEP-Praxen zur Verfügung, in denen ein taggleicher Besuch möglich ist. Die Anzahl der niedergelassenen Ärzte wird sich durch dieses Projekt zwar nicht steigern lassen. Für Patienten, die keinen akuten Behandlungsbedarf haben und trotzdem ärztlichen Rat benötigen, ist Telemedizin aber möglicherweise eine sinnvolle Lösung.

Zum Artikel

Erstellt:
31. Januar 2019, 10:13 Uhr
Aktualisiert:
31. Januar 2019, 10:13 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 10:13 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+