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Leitartikel · Bahn

Ärgerlich, aber heilbar

Derzeit sucht die bahneigene Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm 62 neue Mitarbeiter – etwa einen „Experten Inbetriebnahme Großprojekt“, einen „Jurist Vertrags- und Nachtragsmanagement“ oder einen „Praktikant Change Management“, der sich um neue Strategien, Strukturen und Verhaltensweisen im Unternehmen bemüht.

06.12.2017
  • FABIAN ZIEHE

Die Jobausschreibungen gleichen einer Anamnese.

Den Patienten Stuttgart 21 plagen viele Gebrechen: Kürzlich stach man aus Kreisen des Bahnaufsichtsrates durch, dass S 21 nochmal 1,1 Milliarden Euro teurer wird – wobei noch offen ist, wer bei den „alten“ zwei Milliarden Euro Mehrkosten mitbezahlt. Auch soll S 21 erst 2024 fertig werden. Bislang galt die Zielmarke 2021: Bis dahin soll auch das Schwesterprojekt Wendlingen-Ulm befahrbar sein.

An einer Heilung sollten alle interessiert sein. Auch wer nie einen Tiefbahnhof wollte, weiß, dass das Rad nicht mehr zurückzudrehen ist. Bei aller Empörung über die Mauscheleien vorab, das Schönrechnen, das Ignorieren der Risiken: Gram nutzt so wenig wie das Feixen, alle Pannen schon lang vorhergesagt zu haben.

Ein Umdenken ist längst festzustellen. Im Krebsgang hatten sich die Grünen 2011 nach der gewonnen Landtagswahl und der verlorenen Volksabstimmung zu einer „kritischen Begleitung“ von S 21 durchgerungen. Und siehe da: Der Wähler nahm das der Ökopartei fünf Jahre später nicht (mehr) übel. Mittlerweile haben sich die Projektpartner zu einem Kompromiss auf den Fildern („Drittes Gleis“) geeinigt. Fast geräuschlos vereinbarte man einen zusätzlichen Halt an der Neubautrasse in Merklingen. Auch eine verbesserte Anbindung an die Trasse im Neckartal („Wendlinger Kurve“) scheint nun möglich.

Schade nur, dass das Schwarzer-Peter-Spiel weitergeht – oder, um im Bild zu bleiben: Bei neuen Malaisen wird der Patient S 21 geblockt und zum Kollegen verwiesen. Schon richtig: Die Bahn baut, die Bahn muss primär die Probleme lösen. Richtig ist aber auch: Der Bund hält sich fein raus – obwohl das Kanzleramt das Vorhaben einst stark befeuert hat. Im Übrigen hat das Bundesverkehrsministerium den Staatskonzern Bahn mit zu führen und zu fördern.

Richtig ist zudem, dass Stadt und Land immer wieder über den eigenen Schatten springen müssen, um Murks zu vermeiden. Auch wenn das kostet und man juristisch gesehen gar nicht zahlen muss. Die Bahn ihrerseits muss sich ehrlich machen, Kosten und Risiken klar benennen und nicht mehr nur zugeben, was offensichtlich ist. Da sind die Bahner in Stuttgart den Berliner Kollegen deutlich voraus.

Dem Bürger muss klar sein: Es gibt keine Alternative zur Rosskur, mag sie noch teurer als 7,6 Milliarden Euro werden und weitere Genesungszeit erfordern. Großprojekte in Demokratien kosten stets Zeit, Geld und Nerven, mag man im Detail vieles auch besser machen können. Angesichts der Genese von S 21, die 2010 im Stuttgarter Schlossgarten sogar in blanker Gewalt gipfelte, werden Narben zurückbleiben. Das ist ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern. Tröstlich ist: Die S-21-Malaise ist heilbar.

leitartikel@swp.de

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06.12.2017, 06:00 Uhr
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