Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Adieu, Bistro!
Leere Stuhlreihe in einem Bistro in Paris. Der Institution des französischen "savoir vivre" droht das Aus. Foto: Konstantin L. / Fotolia
Nicht mehr rauchen, kaum noch reden: Einer französischen Institution droht das Ende

Adieu, Bistro!

Nach Baskenmütze und Gauloise droht einer weiteren französischen Institution das Aus. Das Rauchverbot drängt die Bistros ins Abseits.

11.03.2016
  • PETER HEUSCH

Paris. Gutes altes Frankreich, was ist bloß los mit dir? Den typischen Franzosen mit Baskenmütze und Gauloise im Mundwinkel, der mit einem Baguette unter dem Arm auf dem Weg zum Bistro ist, um dort sein Glas Roten zu kippen - ihn sucht man schon lange wie die Stecknadel im Heuhaufen. Die Zeiten ändern sich selbst links des Rheins und raffen liebgewonnene Klischees dahin wie der Rostfraß die letzten 2CV.

Na gut, der Eiffelturm steht noch. Aber sonst? Das "Lungentorpedo" Gauloise führt einen aussichtslosen Abwehrkampf gegen moderne Filterzigaretten mit lächerlich geringen Nikotinwerten. Baskenmützen werden nur noch hin und wieder von jungen Frauen getragen, wenn gerade ein renommierter Pariser Modemacher auf dem Nostalgie-Trip ist. Der von Anti-Alkohol-Kampagnen befeuerte Gesundheitswahn hat den Weinkonsum in den letzten 30 Jahren um die Hälfte schrumpfen lassen. Und nun sind die sich ändernden Lebensweisen auf dem besten Wege, auch der urfranzösischen Institution des Bistros den Garaus zu machen.

Zählte man vor einem halben Jahrhundert gut 200 000 Bistros in Frankreich, so sind es heute weniger als 35 000. Jahr für Jahr werfen mindestens weitere 500 Cafébesitzer das Handtuch. Als eine existentielle Krise wird der offenbar unaufhaltsame Niedergang vom nationalen Gaststätten-Verband Synhorcat bezeichnet. Hauptverantwortlich ist ihm zufolge das strenge, im Januar 2008 eingeführte Rauchverbot in Restaurants und Cafés, welches fast allen Bistros Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent bescherte.

Fraglos haben das Rauchverbot und die verschärften Alkoholkontrollen im Straßenverkehr viel zu den Umsatzverlusten beigetragen. Doch das eigentliche Problem ist ein anderes: Bistros kommen aus der Mode. Die Zeiten sind vorbei, wo zumindest die Mehrzahl der männlichen Franzosen morgens im Stammbistro den ersten Café noir trank und dabei einen Blick in die Zeitung warf, während der Mittagspause zum Verzehr eines Sandwichs oder des preisgünstigen Tagesmenüs wiederkam und schließlich noch einmal erschien, um den Arbeitstag mit einem Glas Rotwein oder Pastis zu beschließen.

Meist sind es nur noch die älteren Semester, die in den Bistros für Umsatz sorgen. Für diese "Piliers de bar" (Tresen-Pfeiler), wie verdiente Stammkunden genannt werden, ist das Bistro ein Lebensmittelpunkt geblieben, in dem man seine Bekannten und Freunde trifft. Aber für die jüngeren Generationen gilt das nicht mehr. Sie kommunizieren lieber über Facebook oder Twitter und treffen sich lieber bei Starbucks oder in modernen Bars, die neben angesagtem Dekor laute Musik, Cocktails und drahtloses Internet bieten.

Nicht die Traditionspflege sondern eine "überlebensnotwendige Anpassung und Modernisierung" sei das Gebot der Stunde, heißt es bei Synhorcat. Die Bistros müssten dem Zeitgeist folgen und dazu gehöre eine Änderung der Karte, des Dekors und bestenfalls auch "hübsche Kellnerinnen wie in den Szenebars".

Fragt sich nur, ob ein auf postmodern gequältes Bistro, in dem Beinahe-Models im Minirock Hamburger und Cocktails servieren, noch als Bistro durchgehen kann.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.03.2016, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular