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Hand-Werk

Acht Gramm Persönlichkeit

Brillen 100 % made in Baden-Württemberg – von der Schraube bis zur Farbe. Emil Spreitz verknüpft schwäbische handwerkliche Fertigkeiten mit einer Leidenschaft fürs Tüfteln und einer großen Portion Dienstleistung. Heraus kam eine erstaunliche Erfolgsgeschichte. Erfolgreich, schön und vor allem mit viel Liebe zum Detail startet auch die erste eigene Brillenkollektion von Optik Metzger in Tübingen und Balingen. Wie könnte es anders sein? Natürlich aus dem Hause Spreitz.

09.10.2015
  • TEXT: Evi Miller | FOTOs: Unternehmen

Als studierter Betriebswirt und Verkaufsleiter in der Elektrobranche saß Emil Spreitz vor acht Jahren fest im Sattel. „Haus gebaut, Sohn gezeugt und Baum gepflanzt waren nicht genug“, so Spreitz. 2007 brachte die „nexxt-change Unternehmensnachfolgebörse“ den Kontakt zur Firma Schrodt in Pforzheim. „Bei der Besichtigung des Maschinenparks hat mein Bauch schon „ja“ gesagt, als der Kopf noch nicht Bescheid wusste“, erinnert sich Emil Spreitz. Er befragte die Optiker in der Region: Sie machten ihm Mut: Brillen made in Baden-Württemberg würden auf dem heimischen Markt gefragt sein. Nach der Anfangseuphorie kam dann aber schnell die Ernüchterung: „Die erste Kollektion war fürchterlich – nichts hat gepasst – weder Dimensionen noch Design oder Farben“, sagt Emil Spreitz heute mit einem Lachen. Hier wär‘ dann beinahe schon Schluss gewesen: Die ersten Brillen waren unverkäuflich. Dass Spreitz trotzdem weiter machen konnte und der Erfolg sich dann rasant schnell eingestellt hat, verdankt er zum einen der Volksbank Pforzheim, die weiter an seine Idee „made in Baden-Württemberg“ glaubte und ihm sprichwörtlich den Weg finanziell frei machte. Zum anderen einem großen Reutlinger Unternehmen, das ihn bei der Produktion von Edelstahlfassungen an die Hand nahm. Mit einem weiteren großen Auftrag wurde die zweite, für die Spreitz Manufaktur bahnbrechende Geschäftsidee geboren: Brillenproduktion mit Dienstleistung zu verknüpfen. So bekam der Kunde zum Beispiel die Möglichkeit, aus 100 Farben seine ganz individuelle Brille auszusuchen. Mit Sonderanfertigungen und kundenspezifische Lösungen sollten alle Wünsche bedient werden. „Vielfalt und Made im Schwabenländle“ brachten den Durchbruch, so Spreitz.

Hohe Fertigungstiefe für mehr Unabhängigkeit

Konsequenterweise erweiterte Spreitz in den vergangenen Jahren nicht nur die Produktion, zum Beispiel um Acetatfassungen, sondern auch den Maschinenpark. Rund 30 Maschinen und 200 Arbeitsschritte durchläuft eine Brillenfassung aus dem Hause Spreitz. Selbst die Schließblöckle produziert die Manufaktur im eigenen Haus, seit Spreitz die seltene und alte Maschine von einem Kunden abkaufen konnte. Im letzten Jahr kam noch eine eigene Lackiererei dazu. „Alles, was wir in den letzten Jahren erwirtschaftet haben, haben wir wieder in die Anschaffung der Maschinen gesteckt. Echt schwäbisch eben. So sind wir auch ein bisschen stolz darauf, bald schuldenfrei zu sein“, so Spreitz. Die hohe Fertigungstiefe beschert dem Unternehmen Unabhängigkeit und Flexibilität. Eine Stärke des Unternehmens. Eine andere: „Wir machen auch mal Blödsinn,“ sagt Spreitz und meint damit seine Leidenschaft fürs Tüfteln. „Wir sind eine Manufaktur und forschen auch an neuen Möglichkeiten und Materialien.“ Derzeit versucht Spreitz, Holz mit Mikrofaser-Tüchern und Jeansstoff zusammenzubringen. „Der Spaßfaktor ist sehr hoch.“

Seit vier Jahren befindet sich die Spreitz Manufaktur im alten Fabrikgebäude im Schwöllbogen 2 in Metzingen. Vom Ein-Mann-Betrieb ist das Unternehmen auf 13 Mitarbeiter angewachsen. Auch Ehefrau Claudia, gelernte Steuerfachgehilfin, ist eine wichtige Stütze des Unternehmens. Die Auftragslage ist so gut, dass noch keine Zeit war, die eigene Homepage in Angriff zu nehmen. Vielleicht auch nicht notwendig. „Demnächst“, verspricht Spreitz. Im Schwabenland geht das meiste sowieso über Mund-zu-Mund-Propaganda.

„Ludwigs“ aus Baden-Württemberg

Wolfgang Pupke, Geschäftsführer von Optik Metzger in Balingen und Tübingen, war bei seinem ersten Besuch in der Spreitz Manufaktur jedenfalls sofort begeistert. Das war im Herbst vergangenen Jahres, im Frühjahr dieses Jahres kam die erste eigene Kollektion von Optik Metzger auf den Markt: „Ludwigs“ – getauft nach dem Firmengründer von Optik Metzger. „Wir wollten schon lange eine eigene Kollektion herausbringen, aber nicht mit Fassungen aus China. Die Zusammenarbeit mit Emil Spreitz ermöglicht es uns, unseren hohen Anspruch zu verwirklichen: eine Kollektion, die zu 100 Prozent aus Baden-Württemberg kommt und einfach echt schwäbisch ist.“

Die Grundkollektion umfasst 20 Modelle in 100 Farben – jede gerade einmal acht Gramm leicht. „Wer einmal eine Ludwigs auf der Nase hat, will keine andere mehr“, so Pupke. „Ludwigs Brillen sind Einzelstücke, die in Proportion und Farbe exakt zum Gesicht seines Trägers passen.“ Sonderanfertigungen machen diese perfekte Maße möglich. „Ein zehntel Millimeter entscheidet, ob eine Brille passt oder nicht“, sagt Spreitz.

Gibt es ein Lieblingsmodell? Jedes der 20 Modelle ist das Lieblingsmodell von einem der Mitarbeiter, dessen Namen es auch trägt. Das Modell „Emil“ besticht auf den ersten Blick mit einer ausgefallenen Materialkombination von Büffelhorn – „von bereits gestorbenen Büffeln, die nicht extra dafür getötet wurden“, so Spreitz – und dem Furnier amerikanischer Mooreiche. „Jedes dieser Modelle ist ein Unikat, mit eigener Maserung und eigenem Charakter. Ein absolutes Designerstück,“ schwärmt Spreitz. Eine Brille für Individualisten eben.

Acht Gramm Persönlichkeit
Durch und durch echt schwäbisch bis zum kleinsten Schräubchen: Die Brillen der Spreitz Manufaktur in Metzingen.

Acht Gramm Persönlichkeit

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09.10.2015, 12:00 Uhr
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