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Skandal

Achenbach denkt an Comeback

Vier Jahre saß der Kunstberater im Gefängnis, nun legt er seine Autobiografie „Selbstzerstörung“ vor.

14.10.2019

Von DPA

„Süchtig nach Größe“: Helge Achenbach. Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf. „Helge is back“ – Das ist Helge Achenbachs erster Satz im Gespräch. Deutschlands einst bekanntester Kunstberater saß vier Jahre im Gefängnis. Den Aldi-Erben Berthold Albrecht hatte Achenbach mit fingierten Rechnungen um rund 20 Millionen Euro betrogen. Heute kauft er selber bei Aldi ein. Achenbach hat seinen Aufstieg in die Welt der Milliardäre und seinen Absturz nun in der Autobiografie „Selbstzerstörung“ verarbeitet, die am Mittwoch erscheint. Doch seit seiner Haftentlassung 2018 ist er als Kunstberater wieder gefragt. Auf einem Hof in Kaarst bei Düsseldorf betreibt er einen Verein für verfolgte Künstler.

Ein Comeback im Kunstgeschäft schließt Achenbach nicht aus. Da war etwa der junge Milliardär, der ihn angesprochen habe. „Das tut auch meiner Seele gut“, sagt Achenbach. Mit der Schickeria will er aber nichts mehr zu tun haben. „Es ist alles so ein verlogenes Gesabbel.“ Dabei hat der Mann Jahrzehnte mitgespielt, wie ein „Junkie, der den nächsten Schuss braucht“ sei er gewesen, schreibt er. „Süchtig nach Größe und Anerkennung.“ Er hatte zehn Millionen Umsatz und wollte 50 Millionen. Nun sitzt Achenbach auf einem Schuldenberg von 20 bis 30 Millionen Euro.

Achenbachs Firmengeflecht ist pleite, seine Kunstsammlung wurde zwangsversteigert, Ehefrau Dorothee ließ sich scheiden. Achenbach wurde Untermieter von Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, fing an zu malen und unterstützt mit seinem Verein Culture without Borders Künstler aus Syrien und Afrika. Zwar rechnet Achenbach mit dem Kunstmarkt ab, doch Namen nennt er kaum. Allerdings saßen ihm wohl auch die Anwälte vor allem der Albrecht-Familie im Nacken. Fragwürdige Deals hätten ja alle gemacht: „Wer sich in diesem Haifischbecken bewegt, egal ob Händler, Galerist oder Künstler, weiß, dass falsches Spiel hier nicht die Ausnahme ist, sondern die Regel.“

Klar habe er den Albrechts „Zucker gegeben“, schreibt er. Andere sagen, Helge Achenbach habe sie „angefüttert wie Karpfen“. Berthold Albrecht habe ihm vertraut, schreibt Achenbach. „Ich musste dringend aufhören, ihn zu bescheißen.“ Viele Freunde aus der Kunstszene sind Achenbach nicht geblieben. Inzwischen ist er ein gefragter Vortragsgast bei Managerseminaren und Kunstfreunden. Sein Thema: das Scheitern. dpa

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Erstellt:
14. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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