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Auf dem Feld teilt Finn Lemke aus, privat ist er sehr sozial eingestellt

Abwehrchef mit zwei Seiten

Die Abwehr hat sich bei der Handball-EM bislang als Prunkstück der Nationalmannschaft erwiesen. Einen großen Anteil daran hat Finn Lemke, der rein privat nicht ins neue Bad-Boy-Image des Teams passt.

22.01.2016

Von SWP

Sebastian Schmid berichtet von der Handball-EM.

Breslau. Anfang der 90er Jahre führte in der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA kein Weg an den Detroit Pistons vorbei. Zweimal holte sich das Team den Titel, das wegen seiner unfairen und überharten Gangart den Spitznamen "Bad Boys" erhielt. Bei der Handball-EM in Polen fällt aktuell immer wieder der Begriff Bad Boys, doch es geht dabei nicht um die legendären Pistons, sondern um die deutsche Nationalmannschaft. Finn Lemke ist dieses Böse-Buben-Image gar nicht so Recht. "Wenn ich an einen Bad Boy denke, dann sehe ich einen Typen mit kräftigem Bartwuchs und dem Messer zwischen den Zähnen vor mir", sinniert der 23-Jährige, der sich damit nicht identifizieren kann. "Obwohl, der Bart kommt so langsam."

Im Gegensatz zu den Pistons ist das, was die deutschen Abwehrspieler bei der EM anbieten, auch nicht unfair oder provoziert den Gegner besonders. Hart geht der Innenblock von Dagur Sigurdsson allerdings schon zur Sache. Im November beim Supercup war noch vom international unerfahrenen "Babyblock" die Rede, doch das ist nun vorbei. Hendrik Pekeler (24 Jahre, 203 Zentimeter groß), Christian Dissinger (24/204), Erik Schmidt (23/202) und eben Lemke (23/210) haben sich nicht nur wegen ihrer Körpergröße bei den EM-Gegnern eine Menge Respekt verschafft.

Bei den Siegen gegen Schweden (27:26) und Slowenien (25:21) war es vor allem Lemke, der mit seiner Energie die anderen in der Abwehr mitriss und mit seiner kompromisslosen Art seine Gegenspieler zur Wirkungslosigkeit verdammte. Dafür gab es Lob von einem, der weiß, wie es geht. "Finn hat sich in diesen drei Länderspielen entwickelt, wie ich es selten von einem Nationalspieler gesehen habe", sagt Teammanager Oliver Roggisch, jahrelang selbst Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft.

So emotional Lemke auf dem Spielfeld und der Bank auch ist, abseits ist er ein ganz Ruhiger. Einer, dem es gar nicht so Recht ist, dass er nun plötzlich im Rampenlicht steht und Dinge von sich preisgeben soll. "Ich komme sehr ungern aus mir raus", gibt der Rückraumspieler des SC Magdeburg zu. Wenn es um Handball und seine berufliche Laufbahn geht, kommt er dann aber doch ins Reden, oder ins "Schnacken" wie der gebürtige Bremer das nennt. An der FH Magdeburg studiert Lemke Soziale Arbeit, hat davor ein halbes Jahr ehrenamtlich in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet, verschiedene Praktika im sozialen Bereich in Schottland, Holland und Deutschland absolviert. "Das ist der Aufgabenbereich, der mich ausfüllt und mir Freude bereitet."

Weiter weg vom Bad-Boy-Image wie Lemke kann man eigentlich nicht sein. Doch auf dem Handball-Feld tun sich netten Kerle eben schwer. "Wir spielen nun mal einen Sport, der hart ist - da muss ich die Rolle annehmen", sagt Lemke. Die Ungarn können sich darauf gefasst machen, dass ihnen Lemke und die Bad Boys heute (18.15 Uhr/ZDF) das Leben schwer machen.

Sebastian Schmid berichtet von der Handball-EM.

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Erstellt:
22. Januar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
22. Januar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2016, 08:30 Uhr

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