Geldbranche

Kommentar: Absurdes System

Die Enthüllungen eines internationalen Journalisten-Netzwerks werfen einmal mehr ein fragwürdiges Licht auf die Geldbranche, aber auch auf Missstände in der Aufsicht.

22.09.2020

Von ROLF OBERTREIS

Wieder einmal ist die Deutsche Bank vorne mit dabei. Auch die Commerzbank spielt keine rühmliche Rolle . Dass selbst die Börse erschreckt reagiert und Anleger in Scharen Aktien der Deutschen Bank verkaufen, belegt, wie schlecht es um das Vertrauen in die großen Geldhäuser bestellt ist.

Das System ist absurd, in dem Banken zunächst einträgliche Geschäfte mit dubiosen Kunden vereinbaren, saftige Gebühren kassieren und dann den Behörden einen möglichen Verdacht auf Geldwäsche melden. Im Schnitt benötigen sie dafür ein halbes Jahr. Doch die mutmaßlich kriminellen Geschäfte sind binnen weniger Tage abgewickelt und das schmutzige Geld unerkannt im legalen Finanzkreislauf versickert.

Die Ausflüchte der Banken mag man nicht mehr hören. Zwischen versprochenem Kulturwandel und Realität klafft eine Lücke. In Europa fehlt zudem eine einheitliche Kontrollbehörde in Sachen Geldwäsche. Und die Geldbußen für verspätet eingereichte Meldungen sind offenbar zu niedrig. Der neuerlichen Enthüllungen sollten ein Weckruf sein. Dass jährlich nur ein Prozent der Geldwäsche-Fälle aufgedeckt wird, darf niemanden wundern.

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Erstellt:
22. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. September 2020, 06:00 Uhr

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