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Open Air in Seebronn

Abschieds-Shows und alte Freunde beim Rock of Ages

Am Freitagnachmittag beginnt das 13. Rock of Ages-Festival in Seebronn. Bis Sonntagabend decken 19 Bands und Einzelkünstler die Genres von Pop über Bluesrock bis Heavy Metal ab. Am Sonntag ist Familientag mit ausgeweitetem Kinderprogramm.

26.07.2018
  • Hete Henning

Die Rockmusik in Seebronn ist dieses Jahr fest in Männerhand. Keine Doro Pesch, keine Suzi Quatro, keine Kim Wilde, keine Baby Jean Kennedy. Dafür Männer wie die von Nazareth, Sweet und den Hooters, die allesamt ein wenig in die Jahre gekommen sind. Aber das will das Rock of Ages-Festival ja: Die Musik von früher am Leben erhalten für das genauso in die Jahre gekommene Publikum, das sich gerne an seine wilde Jugend erinnert.

Den Anfang macht am Freitag um 17 Uhr die vergleichsweise junge Hardrock-Band Noplies aus Deutschland (gegründet 1996), gefolgt von den Black Star Riders (17.50 Uhr) aus den USA, die mit Sänger Ricky Warwick und Gitarrist Scott Gorham den alten Thin Lizzy-Sound pflegen. Nazareth aus Schottland, die um 19.05 auftreten, sind alte Bekannte in Seebronn. Die Band existiert seit einem halben Jahrhundert und ist mit Nummern wie „Love Hurts“ und „Dream On“ ganz groß geworden. Auch mal wieder zum Rock of Ages kommen The Sweet (20.20 Uhr). Die ebenfalls 1968 gegründete Band („The Ballroom Blitz“, „Love is Like Oxygen“) hat ihren baldigen Rückzug in den Ruhestand angekündigt.

Gäste beim Pink Floyd-Tribute

Sehr aufwändig wird der Auftritt von Echoes (Freitag, 22 Uhr). Die deutsche Pink Floyd-Tribute Band um Sänger und Gitarrist Oliver Hartmann reist mit riesiger Bühnenshow samt Streicherensemble an, das, wie Festivalmacher Horst Franz betont, rein weiblich besetzt ist. Der Auftritt wird für eine DVD-Veröffentlichung mitgeschnitten. Da passt es, dass als Gastkünstler die Sänger Michael Sadler (Ex-Saga), Midge Ure (Ultravox) und Geoff Tate (Operation: Mindcrime) dabei sind. Zu Ure und Tate später mehr.

Am Samstag um 12 Uhr hat die junge deutsche Rockband Supernova Plasmajets mit Sängerin Jenifer Crush ihren Auftritt. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Crush dieses Jahr die einzige Frontfrau beim Rock of Ages ist. Um 12.55 Uhr sind Lazuli aus Frankreich dran, die Progressive Rock mit Weltmusik-Elementen und einem Hauch von Chanson verbinden. Fozzy aus den USA (14 Uhr) mit dem früheren Wrestler Chris Jericho am Mikro frönen Heavy Rock und Metal; die Band Shakra aus der Schweiz (15.05 Uhr) setzt auf melodischen Hardrock. The New Roses aus Wiesbaden (16.10 Uhr) haben sich mit Blues-geschwängertem Hardrock als Vorgruppe von ZZ Top, Joe Bonamassa und Molly Hatchet einen guten Namen erspielt.

Die Stunde von Operation: Mindcrime schlägt am Samstag um 17.20 Uhr: Mit dieser Band bringt der frühere Queensrÿche-Sänger Geoff Tate das mittlerweile 30 Jahre alte Konzeptalbum „Operation: Mindcrime“ auf die Bühne. „Da singt seine Tochter Emily Tate mit“, weiß Veranstalter Horst Franz. Britischen Party-Rock machen The Quireboys ((18.40 Uhr), bevor um 20.05 mit Fish einer der Altmeister des britischen Art Rock auftritt. Der Ex-Marillion-Sänger ist jetzt 60 Jahre alt und will der Bühne den Rücken kehren. Seebronn ist eine der letzten Gelegenheiten, sein „Kayleigh“ noch mal live zu hören. Als Abschluss am Samstag (22 Uhr bis Mitternacht) hat Horst Franz den Metal-Sänger Udo Dirkschneider gebucht, der vordem bei Accept aktiv war und mit Nummern wie „Balls To The Walls“ aus dieser Zeit für Stimmung sorgen will.

Steineklopfen und Dino-Tanz

Der Sonntag ist zunächst den Familienund vor allem den Kindern gewidmet: Von 11 bis 13 Uhr tritt bei freiem Eintritt Volker Rosin auf, der unter anderem aus dem „Tigerenten Club“ bekannt ist und Stücke wie „Das singende Känguru“ im Repertoire hat. Mit von der Partie ist auch Kristinas Kleine Tanzschule. An allen drei Festivaltagen locken Hüpfburg, Wasserbälle, ein Kinderschmink- und Tattoo-Stand sowie ein Parcours mit Dosenwerfen, Eier- und Hindernislauf und Sackhüpfen.

Für die Betreuung der Jungen und Mädchen ist erstmals die über 20-köpfige Gruppe zuständig, die sich unter Leitung des früheren Jugendbüro-Chefs Hubert Wellhäuser über Jahre hinweg um die Kids bei der Ergenzinger Kinderspielwoche gekümmert hat. Es gibt Bastel- und Malangebote (Motto: „Steinzeit“), Bodypercussion, eine Instrumentenwerkstatt,, und die Kinder können einen Dino-Tanz einstudieren. Kleine Forscher haben laut Horst Franz am Sonntag und eventuell auch am Samstag Gelegenheit zum Steineklopfen: Die Firma Holcim stellt eine Ladung Ölschiefer aus dem Steinbruch in Dormettingen. Die Chancen, darin Fossilien wie Ammoniten und Belemniten (sogenannte Donnerkeile) zu finden, sind groß.

Der Auftritt der Hard- und Heavy-Band Heavysaurus am Sonntag um 15 Uhr ist zwar kindgerecht, gehört aber schon zum kostenpflichtigen Hauptprogramm. Die deutsche Band nach finnischem Vorbild steckt in Dinosaurier-Kostümen. Horst Franz zufolge verbirgt sich hinter Milli Pilli an den Keyboards eine weitere Frau. Verifizieren ließ sich das aber nicht. Crystal Ball aus der Schweiz (16.05 Uhr) machen gitarrenlastigen, melodischen Hardrock.

Schlussakkord mit Feuerwerk

Midge Ure tritt um 17.20 Uhr auf. Der Schotte wurde als Sänger der New-Wave-Band Ultravox berühmt („Dancing with Tears in My Eyes“), war aber mit Stücken wie „Breathe“ und „If I Was“ auch solo erfolgreich. Mr. Big ist eine 1988 gegründete US-amerikanische Hardrock-Band, die sich umformierte, auflöste und schließlich wiedervereinigte. Ihren größten Erfolg hatte sie mit „To Be With You“. Auch eine Coverversion von Cat Stevens‘ „Wild World“ brachte ihr einige Meriten. Die Schlussakkorde beim Rock of Ages werden dieses Jahr The Hooters setzen. Mit ihren Hits „Johnny B.“ und „All You Zombies“ haben sie das Publikum in Seebronn schon mehrfach erfreut. Mit einem großen Feuerwerk wird das Festival um 23 Uhr zu Ende gehen.

Bleibt nur die Unsicherheit mit dem Wetter. „Wir hoffen, dass es nicht so heiß wird, dass sich da was zusammenbraut“, sagt Horst Franz. Für den Fall eines heftigen Unwettters gebe es einen ausgeklügelten Evakuierungsplan in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, dem DRK, den hiesigen Busunternehmen und der Stadt Rottenburg. „Wir haben vorsorglich Schlüssel für die Hallen der umliegenden Dörfer“, so Franz. Der Festivalmacher blickt aber optimistisch in die Zukunft. Vielleicht schon nächstes Jahr will er mit Suzi Quatro wieder eine große Frau des Rock ’n’ Roll engagieren.

Tickets gibt’s auch noch vor Ort

Eintagestickets kosten direkt vor Ort 75 Euro. Tickets für alle drei Festivaltage sind für 140 Euro zu haben. Karten für Kinder von elf bis zum abgeschlossenen 14. Lebensjahr kosten die Hälfte. Wer jünger ist als elf Jahre, kommt umsonst aufs Festivalgelände.

Am Sonntagvormittag ist der Eintritt für alle Besucher frei, Getränke gibt es dann zum halben Preis. Das ändert sich um 14.30 Uhr, wenn fürs Hauptprogramm wieder die regulären Eintrittspreise fällig werden.

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26.07.2018, 01:00 Uhr | geändert: 26.07.2018, 20:09 Uhr
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