Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Abriss nach 50 Jahren
Die letzten Reste der alten St. Peter-Kirche sind mit Asbest durchsetzt. Eine Spezialfirma wird sie abtragen. Foto:Uwe Roth
St. Peter-Gemeinde in Bad Cannstatt ersetzt marode Kirche durch Neubau

Abriss nach 50 Jahren

Der Neubau einer Kirche ist selten. In Bad Cannstatt wird für sechs Millionen Euro die St.-Peter-Kirche ersetzt. Sie war bei ihrem Abriss erst 50 Jahre alt.

10.08.2016
  • UWE ROTH

Stuttgart. Was von einer Kirche übrig blieb: Mitten im vornehmen Wohngebiet Memberg im Stadtteil Bad Cannstatt steht am Rand einer umzäunten Brache der hässliche Rest einer Betonwand. Aus der oberen Abrisskante ragt ein Gewirr rostiger Eisenstäbe. Vom Dach sind ein paar verwitterte Holzlatten übrig geblieben. Dies könnte die Rückwand des Altarraums gewesen sein.

Im Juni war mit dem Abriss der St.-Peter-Kirche, einem Gemeindezentrum und Kindergarten begonnen worden. Der meiste Bauschutt ist abtransportiert, das Gelände plattgemacht. Ein eher kleines Warnschild erklärt, warum die Abbruchfirma einen Bogen um das übrig gebliebene Gebäudefragment gemacht hat: Asbest. „Das hat vorher niemand gewusst“, sagt Pfarrer Martin Kneer. Er ist ansonsten gelassen. Nach der Planung wird erst im Februar 2017 mit dem Neubau begonnen. Bis dahin dürfte eine Spezialfirma die Reste, die Lungenkrebs auslösen können, beseitigt haben.

Die Ausschreibung dazu läuft derzeit, sagt der Pfarrer, der viel lieber darüber spricht, dass ein Ersatz für den maroden Betonbau nie in Frage gestellt worden sei – und das in Zeiten stetiger Kirchenaustritte und zwei weiterer katholischen Kirchen nicht allzu weit entfernt im gleichen Stadtteil. Allein im Bistum Rottenburg-Stuttgart haben nach jüngsten Zahlen im vergangenen Jahr rund 15 000 Mitglieder die katholische Kirche verlassen. In seiner Gemeinde hingegen, so betont Pfarrer Kneer, liege die Zahl der Mitglieder mit 2000 einigermaßen stabil.

Gleichwohl sei der Kirchenraum mit seinen 500 Plätzen am Ende überdimensioniert gewesen. „Der Riesenraum war nur noch an Weihnachten oder besonderen Gottesdiensten wie Kommunion gefüllt“, sagt der Geistliche. Umgekehrt war die Kindertagesstätte auf dem Gelände für den wachsenden Bedarf viel zu klein geworden. Die Größenverhältnisse stimmten nicht mehr.

Aber das war nicht der eigentliche Anlass, die Abrissbirne schwingen zu lassen. Die St.-Peter-Kirche war ein typisches Produkt der Kirchenarchitektur in den 1970er Jahren. Wenige Jahre nach der Einweihung 1972 nervten bereits bauliche Mängel. Besonders schlimm: Es zog wie Hechtsuppe. Pfarrer Martin Kneer beschreibt die Misere: „Im Winter mussten wir Decken für die Besucher des Gottesdienstes auslegen, weil wir die Kirche nie richtig heizen konnten.“

Bei Veranstaltungen im Gemeindezentrum holten die Besucher in der kalten Jahreszeit ihre Mäntel nach kurzer Zeit. „Das hat bei der alljährlichen Bibelwoche im Herbst nicht gerade für eine gemütliche Atmosphäre gesorgt.“ Hohe Heizkosten von bis zu 70 000 Euro im Jahr seien die Folge gewesen. Zudem drang immer wieder Wasser in die Decke der Kirche und ins Gemeindezentrum ein.

Seit 2009 hat sich der Kirchengemeinderat mit der Frage beschäftigt, was mit dem schönen, aber unpraktischen Kirchenbau geschehen soll. Fünf Jahre später wurde der Architekturwettbewerb ausgelobt. Die neue Kirche soll im ersten Halbjahr 2019 eingeweiht werden. Um die Kosten von 6,3 Millionen Euro finanzieren zu können, hat die Kirche einen Teil des Geländes an die Stiftung Liebenau bei Ravensburg verkauft.

Sie baut als zweite Außenstelle in Stuttgart ein Wohnheim für 24 Erwachsene mit Behinderung. Daneben entsteht ein Förder- und Werkstattbereich. Die Fertigstellung ist Ende 2017 geplant. „Es ist für uns ein Experiment“, heißt es von der Liebenau. „Dadurch, dass die Gemeinde und die Kita gleich nebenan sind, können wir den Behinderten ein bisschen mehr Normalität bieten, einfach durch die ungezwungene Begegnung im Alltag. Normalität ist das, was uns fehlt.“

Die künftige Kirche mit 100 Plätzen auf 240 Quadratmetern werde als Sakralbau deutlich zu erkennen sein, auch wenn mit den Gemeinderäumen und der Kita ein großer Teil eine weltliche Nutzung habe, sagt Alexander Schmidt, Leiter der Abteilung Bauen und Liegenschaften bei der Katholischen Kirche Stuttgart. Der Zugang zur Kirche, Kita und zu den Gemeinderäumen erfolgt über ein gemeinsames Foyer. „Vieles, was man landläufig mit einer Kirche verbindet, das Kirchenschiff und der Turm etwa, fehlen in modernen Sakralbauten.“ Die Kirche werde aber beispielsweise an der Raumhöhe über dem Altar zu erkennen sein.

Zudem werde es verschiedene Orte geben, wie man sie aus großen Kirchen kenne: einen Bereich für Taufe, eine Nische für die Marienstatue, einen optisch abgetrennten Altarraum, eine kleine Seitenkapelle für Meditationen. „Wenn man die Schwelle übertritt, wird man sofort spüren, dass man sich in einem Sakralraum befindet“, versichert Schmidt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular