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Stuttgart

Abitur-Noten: Südwest-Schüler hinken hinterher

Sind die Abiturienten ausgerechnet im für seine pfiffigen Menschen bekannten Südwesten weniger intelligent als Gleichaltrige in anderen Bundesländern? Die Abiturnoten scheinen das nahe zu legen.

23.07.2018
  • dpa/lsw

Stuttgart. Doch mehr spricht dafür, dass die Bedingungen auch der dem gemeinsamen bundesweiten Pool entnommenen Abituraufgaben zu Noten-Unterschieden führen. Davon ist zumindest der Landesschülerbeirat überzeugt.

Hintergrund: Die Abitur-Noten in Baden-Württemberg haben sich - anders als in anderen Bundesländern - in den vergangenen Jahren verschlechtert. Der Anteil der Schüler mit der Bestnote 1,0 sank nach Angaben der Kultusministerkonferenz zwischen 2006 und 2016 von 1,79 Prozent auf 1,4 Prozent. Auch die Durchschnittsnote verschlechterte sich von 2,38 auf 2,43. Zuvor hatten «Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» (Montag) darüber berichtet.

Zum Vergleich: In Bayern stieg der Prozentsatz der Spitzenabsolventen demnach von 0,95 auf 1,9 Prozent. Der Notenschnitt verbesserte sich im genannten Zeitraum von 2,43 auf 2,32. Die aktuellen Abi-Noten werden mit der amtlichen Schulstatistik im Herbst erhoben und im Frühjahr 2019 veröffentlicht.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wertete die Zahlen nicht als Zeichen, dass die Schüler andernorts höhere Leistungen erbringen. «Dass die Schüler in Berlin und Brandenburg in den vergangenen Jahren aber auf einmal alle schlauer geworden sind, wage ich sehr zu bezweifeln», sagte die Politikerin den Zeitungen. Das Abitur müsse deutschlandweit vergleichbarer werden. «Und zwar über die bereits angestoßenen Maßnahmen wie dem gemeinsamen Abitur-Aufgabenpool hinaus.» Sie strebe an, mit einem Länderstaatsvertrag deutlich mehr Verbindlichkeit zu erreichen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rät zu Gelassenheit. «Eine Zehntel-Note kann mal entscheidend sein, aber es haben auch andere Faktoren eine große Bedeutung für die Zulassung in einem Studiengang», sagte Sprecher Matthias Schneider. Hochschulen müssten ein Mix an Zulassungs-Kriterien anwenden und täten das bereits, darunter auch Team-, Präsentations- und Kommunikationsfähigkeit. Wichtig sei auch der Weg zum Abitur - in Baden-Württemberg müssten Mathe, Deutsch und Englisch bis zum Abitur genommen werden. In anderen Ländern habe man mehr individuelle Wahlfreiheit, die sich in besseren Abschlussnoten widerspiegeln könne.

Der Landesschülerbeirat will die relativ schlechteren Abitur-Noten im Südwesten nicht künstlich verbessern. «Solche Eingriffe wären der falsche Weg», sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Leandro Karst, in Pforzheim. Er lehnte damit die Möglichkeit ab, dass Lehrer im Rahmen ihres Ermessensspielraums Noten nach oben drücken. Auf diesen Ermessensspielraum der Lehrer hatte auch Kultusministerin Eisenmann hingewiesen, nachdem Schüler im Südwesten sich über die aus ihrer Sicht sehr schwere Englisch-Klausur beschwert hatten - anders als Prüflinge in Mecklenburg-Vorpommern mit der gleichen Aufgabe.

Die Abituraufgaben aus dem bundesweiten Pool zeigen nach Meinung von Karst in die richtige Richtung, aber es gebe noch immer deutliche Unterschiede. Das zeige eben jenes umstrittene Englischabitur. So war im Norden die Zeit für die schriftliche Prüfung großzügiger bemessen und der Einsatz von Wörterbüchern erlaubt. Karst: «Es müssen auch die Rahmenbedingungen der Prüfungen definiert werden.» Doch eine völlige Vergleichbarkeit werde es nie geben: Denn auch die Vorbereitung auf die Abi-Klausur variiere - und zwar von Schule zu Schule.

Der Chef des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, gab zu bedenken, dass der Trend baden-württembergischen Abgängern vom Gymnasium schaden könne. «Baden-Württemberg mag Vorbild sein, die Noteninflation könnte jedoch Nachteile für Abiturienten haben», sagte er dem Bericht zufolge. Bei Studiengängen mit Zulassungsbeschränkungen könnten Absolventen aus dem Südwesten im Wettbewerb mit anderen womöglich den Kürzeren ziehen.

In Deutschland gibt es 6805 Studienangebote mit örtlicher Zulassungsbeschränkung und 93 mit bundesweitem Numerus clausus wie Human-, Tiermedizin oder Pharmazie. Für diese spielt die Abiturnote eine große Rolle. Rund 11 500 Studiengänge sind nach weiteren Angaben der Hochschulrektoren-Konferenz zulassungsfrei.

Wenigstens bei den Arbeitgebern, so zeigt sich Schülervertreter Karst überzeugt, seien die unterschiedlichen Niveaus der Abschlussprüfungen bekannt. «Für die ist es kein Geheimnis, dass das Abitur hier schwieriger ist als anderswo.»

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23.07.2018, 13:16 Uhr | geändert: 23.07.2018, 16:30 Uhr
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