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Abgeordnete: Pokémon Go schnüffelt und verstößt gegen europäisches Recht
Sommerspaß mit Datenleck: Jugendliche spielen auf einer Wiese Pokémon Go. Foto: dpa
EU-Experten gegen Datenmonster

Abgeordnete: Pokémon Go schnüffelt und verstößt gegen europäisches Recht

Pokémon Go sammelt Nutzerdaten zur kommerziellen Verwendung. Mehreren Europaabgeordneten geht das zu weit: Die Kommission soll handeln.

27.08.2016
  • KNUT PRIES

Brüssel. Es ist der Hit der Saison, der Sommerspaß für Millionen vor allem jüngerer Menschen, die mit dem Smartphone auf Jagd nach virtuellen Monstern gehen. Es ist ein Riesengeschäft für den Spielentwickler Niantic, dessen Mutterkonzern Google und den Lizenzgeber Nintendo. Und es ist möglicherweise rechtswidrig. Das jedenfalls meinen Experten im Europa-Parlament zu Pokémon Go. Sie werfen den Betreibern vor, sich über die App massenhaft Daten zu verschaffen und damit Geschäfte zu machen – ein Verstoß gegen die europäischen Datenschutzregeln. Ende Juli waren weltweit täglich rund 45 Millionen Menschen unterwegs, um mit ihrem Smartphone Picachu, Taubsi, Traumato und Co. einzufangen. Zwar ist das Jagdfieber etwas zurückgegangen, aber immer noch sind jeden Tag rund 30 Millionen Pokémonauten unterwegs.

Der belgische Abgeordnete Marc Tarabella, Verbraucherschutz-Fachmann der Sozialdemokraten im Europaparlament, will den Missbrauch von der EU-Kommission in Brüssel stoppen lassen: „Wir verlangen eine europäische Untersuchung. Durch Pokémon Go verletzt die Firma Niantic Labs das europäische Recht zum Schutz persönlicher Daten.“

So sieht es auch Jan Philipp Albrecht von den Grünen, federführender Berichterstatter des Europaparlaments für das neue EU-Datenschutzrecht. Das gilt zwar erst von 2018 an, aber auch nach den jetzt geltenden Vorschriften sei Niantics Umgang mit den persönlichen Informationen unzulässig. „Da werden Standort-Daten gesammelt, Bewegungsprofile erstellt und über die Kamera sogar Dritte erfasst. Die Erhebung und Weiterverwertung solcher Daten, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, ist nicht statthaft“, sagt Albrecht .

Der Missbrauch ergibt sich laut Tarabella aus den Nutzungsbedingungen, mit denen sich jeder einverstanden erklärt, der die App auf sein Handy lädt – ein Klick-Häkchen reicht. „Ich möchte mal wissen, ob ein einziger Pokemon-Jäger sich die Mühe gemacht hat, diese Bedingungen zu lesen“, sagt Tarabella. „Mehr als 10 000 Worte auf dem Handy – das hakt man lieber im Blindflug ab.“ Damit stimme man einem breitflächigen Verzicht auf Schutzrechte zu. So registriere Niantic Computer-, E-Mail-, Facebook- und Google-Adressen, speichere GPS-Koordinaten und verfolge die Internet-Abfragen der Nutzer.

Tarabella beanstandet auch die Vertraulichkeitsregeln des Betreibers. Danach stehen Niantic sämtliche vom Spieler eingesammelte Angaben zur weiteren kommerziellen Nutzung zur Verfügung. Ein Unding, meint der Abgeordnete. Er habe nichts gegen Pokémon und gönne allen ihren Spaß. Aber „hinter dem, was nur ein Spiel zu unserer Unterhaltung sein soll, steckt eine ganze Maschine, um Daten zu sammeln und in die Privatsphäre der Nutzer einzudringen.“

Weniger einig als beim Befund sind die zuständigen EU-Parlamentarier, was zweckmäßigerweise zu geschehen hätte, um das Übel abzustellen. Tarabella sieht vor allem die Kommission am Zug. Die solle nicht nur die Sache auf Rechtsverstöße untersuchen, sondern auch ein europäisches Alarmsystem einrichten, wie es das bereits für gesundheitsgefährdende Lebensmittel und riskante Gebrauchsgüter gibt. Die Kommission verweist hingegen auf die Zuständigkeit der nationalen Datenschutzämter.

Die stehen auch nach Ansicht des Grünen-Abgeordneten Albrecht in der Verantwortung, bei Niantic die Einhaltung der Regeln durchzusetzen und Rechtsverletzungen gegebenenfalls zu ahnden. Saftige Geldbußen – bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes – drohen allerdings erst, wenn das zukünftige EU-Regelwerk 2018 in Kraft tritt..

Albrechts christdemokratischer Parlamentskollege Jan Voss findet die Vorwürfe übertrieben. „Ich kann da keinen Abgrund erkennen“, sagt der Innenpolitik-Experte aus Bonn. Sicher seien die Nutzungsbedingungen von Pokémon „an manchen Stellen kritikwürdig“. Grundsätzlich müsse aber der Nutzer akzeptieren, dass für ein solches Such- und Finde-Spiel die Übermittlung persönlicher Daten notwendig sei. Bei einem kostenlosen Spiel sei das Marketing der Kundeninformationen „üblich und normal“ und auch im künftigen Datenschutzrecht ausdrücklich vorgesehen.

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27.08.2016, 01:00 Uhr
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