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Ab Oktober vermietet der Lebensmitteldiscounter in Tübingen auch Wohnungen
Discounter in Bauhaus-Optik: In Derendingen bietet Aldi demnächst möblierte Wohnungen an. Bild: Faden
Ganz neu im Aldi-Sortiment

Ab Oktober vermietet der Lebensmitteldiscounter in Tübingen auch Wohnungen

Aldi: Den Namen verbinden die meisten Menschen eher mit günstigen Lebensmitteln und gelegentlichen Technik-Schnäppchen. Doch in Tübingen baut der Handelskonzern zur Zeit 43 Apartments.

18.08.2016
  • ulrich janssen

Tübingen. „Es ist nicht gerade unser Kerngeschäft“: Das räumt Nico Hinderer von Aldi Süd gern ein. Trotzdem zeigt sich der für die Filialentwicklung und die Immobilienvermarktung zuständige Bereichsleiter in der Regionalverwaltung Aichtal mit dem neuen Geschäftsmodell des Discounters „sehr zufrieden“.

Gleich neben der Aldi-Filiale in der Derendinger Wohlboldstraße errichtet der Discounter seit August 2015 ein drei- bis vierstöckiges Gebäude, das im September fertig sein soll. Ins Erdgeschoss wird dann ein dm-Drogeriemarkt einziehen, oben drüber warten 43 Apartments auf Mieter. Alle Wohnungen sind mit Doppelbett und Einbauküche versehen und identisch möbliert – inklusive einer „trendigen Pendelleuchte“.

Zum Wintersemester 2016 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Die günstigeren Apartments sind schon alle vermietet, für den Rest sucht der Konzern noch Interessenten. Von 500 bis 610 Euro reichen die Preise fürs Einzelapartment, die drei Doppel-Apartments sind für 900 Euro zu haben. Das ist kein Discountangebot. Aldi betont aber, dass Nebenkosten, Hausmeisterservice, Aufzug, WLAN und Kabel-TV-Anschluss bereits enthalten seien. „Bei den Preisen“, meint Hinderer, „orientieren wir uns am Markt.“ Und: „Wir wollen nicht unbedingt groß Geld damit verdienen.“

Dass der Milliardenkonzern, der normalerweise nur kastenförmige Standardbauten mit leicht geneigtem Satteldach baut, auf einmal mehrgeschossige Häuser errichtet und darin Wohnungen vermietet, ist ungewöhnlich. Im Bereich der Regionalverwaltung Aichtal, die den größten Teil von Baden-Württemberg abdeckt, ist Tübingen die einzige Stadt mit Aldi-Wohnungen im Angebot. Hinderer kann nicht ausschließen, dass in anderen Gesellschaften auch gelegentlich mal Wohnungen angeboten werden, im Internet aber vermietet der Discounter bisher lediglich Laden- und Büroflächen. So auch in Tübingen an der Herrenberger Straße.

Testet der weltweit tätige Konzern etwa im kleinen Tübingen ein neues Geschäftsfeld? Zu den Gründen, warum Aldi in der Unistadt auf seinen Laden drei Geschosse draufsetzt, sagt Hinderer nur: „Wir wollten Wohnraum schaffen.“

Einfach zu schade für eingeschossige Bauten

Davon allerdings war im Frühjahr 2011, als der Konzern sein Projekt bei der Stadt anmeldete, noch keine Rede. Damals wollte der Konzern auf seinem Grundstück in Derendingen neben der eigenen Filiale nur einen weiteren eingeschossigen Kasten errichten, um ihn an den dm-Markt zu vermieten. Als der Tübinger Handel- und Gewerbeverein gegen die drohende Konkurrenz an der Peripherie protestierte, verweigerte die Stadtverwaltung in Sorge um den innerstädtischen Handel und um das Ortsbild die Genehmigung. Aldi ließ sich davon wenig beeindrucken und setzte seinen Plan mit Hilfe eines Widerspruchs beim Regierungspräsidium durch.

Erst in den weiteren Verhandlungen mit der Stadt öffnete sich der Konzern dann für die städtischen Wünsche. „Wir haben diese Wünsche schon sehr stark ausgedrückt“, erinnert sich Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke, der für das Gelände an der Wohlboldstraße sogar einen eigenen Bebauungsplan aufsetzte. Soehlke: „Wir fanden den Standort einfach zu schade, um dort eingeschossig zu bauen.“ Aldi versprach nicht nur, an der Wohlboldstraße Wohnraum zu schaffen, sondern auch so zu bauen, dass es zum ambitionierten Wohnumfeld im Tübinger Mühlenviertel ästhetisch halbwegs passt.

Das Ergebnis ist ein schlichter, L-förmiger Bau mit drei- und (im vorderen Bereich) vier Geschossen sowie einer Dachterrasse. Die dominierenden Farben sind weiß, schwarz und grau. Zielgruppe für die Apartments sind vor allem, aber nicht nur Studierende. Dass sich Aldi durchaus auf die speziellen Bedürfnisse einer Unistadt einstellen kann, zeigt die Ausstattung des Baus. Es gibt eine Solarthermie-Anlage. Vor dem Haus sind drei Carsharing-Plätze vorgesehen, und sogar an einen Fahrradabstellraum wurde gedacht.

„Die waren“, erinnert sich Cord Soehlke an die Verhandlungen, „eigentlich ganz kooperativ.“ Dass dies nicht nur an der Sympathie für grüne Ziele lag, weiß der Baubürgermeister allerdings auch. „Die haben vermutlich relativ schnell kapiert, dass es sich für sie rechnet.“

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18.08.2016, 01:00 Uhr
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