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Die Frau war sein Motor

ARD-Spielfilm zum 125. Geburtstags von Carl Benz

347435 war die Patentnummer, unter der Carl Benz vor 125 Jahren sein Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb angemeldet hat. Die ARD feiert den Geburtstag des Autos mit einem Film über seinen Erfinder - und dessen Frau.

23.05.2011
  • ANNA-LENA BUCHMAIER

Stuttgart . "Carl und Bertha" (Regie: Till Endemann, Drehbuch: Stefan Rogall) hat nicht den Anspruch, ein neuer Kino-Blockbuster zu werden. Dazu fehlt es ein wenig an Hollywood-Faktor und -Professionalität, vor allem was das schauspielerische Können angeht. Vielmehr ist die SWR-Koproduktion eine unterhaltsame Liebes- und Lebensgeschichte zweier Menschen, die die Welt mit einer technischen Pionierleistung - dem Automobil - revolutioniert haben. Und zwar jeder auf seine Art.

Der sympathische Carl Benz, glaubhaft gespielt von Ken Duken, hat die Vision eines pferdelosen Wagens, der von einen Gasmotor betrieben werden soll. Doch am Ende des 19. Jahrhunderts ist die Welt noch nicht bereit für seine Erfindung. Die Leute sehen keine Berechtigung für ein solches Gefährt. Dem jungen Erfinder aus Karlsruhe mangelt es an Unterstützern und Sponsoren, man hält ihn für einen Spinner.

Einzig seine Frau Bertha, gespielt von Felicitas Woll, glaubt daran, dass seine Vision in die Tat umgesetzt werden kann. Sie ist Carls treibende Kraft, sein Antriebsmotor.

Der Film, der heute im Rahmen der ARD-Themenwoche "Der mobile Mensch" zum ersten Mal ausgestrahlt wird, ist eine Mischung aus Drama, Liebesfilm und einem gut gemachten Historienfilm. Bis hin zur antiken Wäscheklammer stellt er ein realistisches Bild von Baden-Württemberg um 1900 dar.

Pforzheim im Jahr 1870: Auf einem Tanzabend lernt Carl Benz Bertha Ringer, eine Tochter aus gutem Hause, kennen. Schon bei der ersten Begegnung erzählt er ihr von seinem Vorhaben - überhaupt bindet er es jedem auf die Nase. Allein Bertha glaubt fest an Carl und verlobt sich entgegen dem Willen ihrer Eltern mit ihm.

Bertha Benz wird im Film als wahre Heldin des Automobils gefeiert. Sie hat ihrem Mann, der sich wochenlang in der Werkstatt verkrochen hat, den Rücken freigehalten. Hätte sie ihn nicht darin bestärkt, an seinem Traum festzuhalten, so wäre es, darf man dem Film glauben, nie zum des Benzschen Automobil gekommen. Für die Konstruktion des teuren Motors nimmt Bertha sogar Schulden auf sich.

Nicht nur das Geld, auch die Zeit wird für die beiden knapp: Ein anderer Ingenieur, Gottlieb Daimler (gespielt von Olli Dittrich), tüftelt zur selben Zeit an einem Benzinmotor und will sich ebenfalls die Patentrechte für das erste Automobil sichern.

Felicitas Woll zeigt in "Carl und Bertha", dass sie im Erwachsenenfilm angekommen ist und sich von ihrem Image als Göre in "Mädchen Mädchen" oder "Lolle" in "Berlin, Berlin" befreit hat. Sie spielt ihre Rolle ordentlich, manchmal etwas theatralisch. Der Film leidet auch ein wenig unter klischeehaften, gekünstelten Sätzen wie "Wir müssen nur ganz fest daran glauben". Außerdem: Warum sprechen nur die Statisten den badischen Dialekt?

Wenn man sich in die Geschichte eingefunden hat, wird man mit einer spannenden Handlung belohnt: Spätestens wenn der Gasmotor in Carls Werkstatt nach monatelanger Arbeit zum ersten Mal anspringt - das ist schon ein Moment in dem man Gänsehaut bekommen kann.

Von ehrfürchtigen Momenten dieser Art hat der Film mehrere zu bieten: Zum Beispiel, als sich Bertha spontan den Wagen schnappt und von Mannheim nach Pforzheim fährt, um ihrem von Zweifeln geplagten Mann die Funktionstüchtigkeit seines "Hexenkarrens" zu beweisen. Für die 104 Kilometer, die erste Autofahrt der Welt, braucht sie 12 Stunden und 57 Minuten.

Der Film schärft den Blick für das alltäglich gewordene Fortbewegungsmittel und die technische Leistung, die dahintersteckt. In seltenen Momenten besticht er sogar durch unerwarteten Witz, etwa als Bertha eine Apotheke zur ersten Tankstelle der Welt erklärt und den Wagen mit Fleckenwasser tankt.

Info "Carl und Bertha", ARD, Montag, 23.5., 20.15 Uhr.

ARD-Spielfilm zum 125. Geburtstags von Carl Benz
Vor der ersten Fahrt: Carl (Ken Duken) und Bertha (Felicitas Woll) Benz. Foto: SWR/Stephanie Schweigert

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23.05.2011, 12:00 Uhr
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