Mössingen · Aktion

90. Jahre Mössinger Generalstreik: Auf der Straße erinnern

Zum Gedenken an den Mössinger Generalstreik vor 90 Jahren laden Linke und Gewerkschaften für den 28. Januar zu einer Demonstration ein.

18.01.2023

Von Frank Rumpel

So spielte das Melchinger Lindenhof-Theater 2013 den Generalstreik in der Pausahalle. Eine kleine Szene werden die Melchinger auch bei der Demo am 28. Januar zum Besten geben. Archivbild: Klaus Franke

So spielte das Melchinger Lindenhof-Theater 2013 den Generalstreik in der Pausahalle. Eine kleine Szene werden die Melchinger auch bei der Demo am 28. Januar zum Besten geben. Archivbild: Klaus Franke

Wir wollen das wichtigste Ereignis in der Mössinger Geschichte im Gedächtnis halten und veranstalten deshalb zum 90. Jahrestag die Demonstration“, sagte Jürgen Jonas von der Linken im Steinlachtal (List) beim Pressegespräch. So lädt die Linke zusammen mit Gewerkschaften und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes mit dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BDA) am Samstag, 28. Januar, zu einer großen Demonstration nach Mössingen ein (siehe Kasten), um an den Generalstreik von 1933 zu erinnern.

Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, rief die Kommunistische Partei für den 31. Januar zu einem landesweiten Streik auf. In Mössingen beschlossen Kommunisten und Gewerkschafter aus dem Steinlachtal sich dem Generalstreik anzuschließen. Rund 800 Arbeiterinnen und Arbeiter gingen damals auf die Straße. Der Zug startete bei der Langgass-Turnhalle, von dort ging es zur Pausa und dann weiter zur Firma Merz und zur Buntweberei Burkhardt, deren Tore allerdings verschlossen waren. Die Streikenden beschlossen zurück zur Turnhalle zu ziehen, doch kam ihnen auf dem Rückweg bereits die vom Fabrikanten Otto Merz verständigte Bereitschaftspolizei entgegen. Die Streikenden zerstreuten sich, doch wurden über 100 von ihnen später verhaftet und vor Gericht gestellt.

„Unser Demonstrationszug geht genau in die entgegengesetzte Richtung“, sagte Gisela Kehrer Bleicher vom VVN-BDA. Die Demo beginnt am Bahnhof, weil wohl etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Zug anreisen. Von dort geht es mit zwei Zwischenstationen zur Langgass-Turnhalle, wo es eine Abschlusskundgebung gibt. 15000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie bei der Demo zum 50. Jahrestag 1983 werden es wohl nicht, aber, sagte Kehrer-Bleicher, die auch für die Linke im Tübinger Kreistag sitzt, „wenn 1000 kämen, wäre das schon schön“.

Dem VVN sei es wichtig gewesen, für den 90. Jahrestag ein breites Bündnis zusammen zu bekommen, sagte Kehrer-Bleicher. Zentral sei dabei, dass es kein Gedenken ohne die Verpflichtung gebe, auf aktuelle Entwicklungen hinzuweisen. Gerade die Häufung von Krisen, wie wir sie derzeit erleben, führten dazu, „dass rechte Kräfte das populistisch zu nutzen versuchen und unsere Demokratien gefährden“, sagte Kehrer-Bleicher, die sich zudem freute, dass auch die Stadt mit einer Veranstaltung und einer Ausstellung an den Generalstreik erinnert.

Arbeiterinnen und Arbeiter hätten den Protest damals getragen und sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus positioniert, sagte Kerstin Pätzold vom Deutschen Gewerkschaftsbund, der zusammen mit IG-Metall, Verdi und GEW zur Demonstration einlädt. Zudem sei Solidarität ein zentraler Wert der Gewerkschaftsarbeit und auch deshalb wolle man an den Generalstreik erinnern, sagte Pätzold. Aus der mutigen Aktion von damals entspringe ein Auftrag für heute „rechten Tendenzen frühzeitig und gemeinschaftlich entgegen zu treten“.

Vom Bahnhof zur Langgass-Turnhalle

Die Demonstration, zu der mehrere Gewerkschaften, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und die Linke im Steinlachtal am 28. Januar einladen, beginnt um 14 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Mössinger Rathausplatz gleich beim Bahnhof. Der Zug setzt sich gegen 14.45 Uhr in Bewegung. Am Jakob-Stotz-Platz erinnert Jürgen Jonas an einen der Organisatoren des Generalstreiks 1933. Gegen 15.15 Uhr ist eine Zwischenkundgebung bei der Pausa geplant. Dort spielt auch das Theater Lindenhof eine Szene. Weiter geht es zur Langgass-Turnhalle, wo es gegen 16 Uhr die Abschlusskundgebung gibt. Dort sprechen Kai Burmeister, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Baden-Württemberg und Wolfgang Däubler, Professor für Arbeitsrecht. Außerdem singt der Tübinger Ernst Bloch-Chor.

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Erstellt:
18.01.2023, 18:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 42sec
zuletzt aktualisiert: 18.01.2023, 18:00 Uhr

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