Sportstätten

65 Millionen für EM und VfB

Vor der Europameisterschaft 2024 muss vor allem die Haupttribüne der Mercedes-Benz-Arena modernisiert werden. Falls die Profis nicht aufsteigen, wird ein Plan B entwickelt.

09.11.2019

Von DANIEL GRUPP

Der Eingangsbereich vor der Haupttribüne des Stadions wird umgestaltet. Auf den Dachring soll eine Solaranlage kommen. Foto: Carsten Riedl

Stuttgart. Sechs Fußballspiele der Europameisterschaft 2024 in Stuttgart auszutragen, streben die Stadt und der VfB Stuttgart an. „Die Stadt will möglichst viel Spiele“, sagte Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) im Wirtschaftsausschuss, als den Stadträten Pläne zur Modernisierung der Mercedes-Benz-Arena präsentiert wurden. Von dem 65-Millionen-Euro-Projekt soll auch der Verein profitieren, der höhere Erlöse im Businessbereich erwartet.

Die Euro bezeichnete Fabian Schuster von der Unternehmensberatung Ernst und Young als „sehr, sehr große Chance“. Werde das Stadion modernisiert, bestehe die Aussicht auf „hochwertigere Spiele“. Angestrebt werden zumindest Viertelfinalpartien. Im Ausschuss war auch Halbfinale zu hören. Was aber angesichts der Konkurrenz von Berlin, Dortmund und München als wenig wahrscheinlich gilt.

Eberhard Becker befasst sich schon seit längerem mit der Modernisierung des Stadions. Der Architekt vom Stuttgarter Büro asp erinnerte an frühere Umbauten. Zur WM 2006 war die Gegentribüne neu saniert worden, 2011 kam die Laufbahn weg, um die Zuschauer dichter ans Spielfeld zu rücken. Jetzt geht es um eine bessere Technik und vor allem um die Haupttribüne. Die hat Businesslogen und -sitze erhalten, stammt aber im Wesentlichen aus dem Jahr 1974. Becker: „Der Bauch der Haupttribüne wäre 2024 50 Jahre alt.“

Vor der Tribüne, die rund 13 500 Besucher fasst, kreuzen sich im Erdgeschoss (Ebene 0) die Wege der Mannschaftsbusse, der Rettungsdienste und der Zuschauer. Das soll anders werden. Die Fans werden künftig direkt zur Ebene 1 geführt, auch Feuerwehr und Spielerbusse bekommen getrennte Wege. Auf der Haupttribüne werden Sichtbehinderungen wegfallen. Zudem ist vorgesehen, die Sitztiefe der Logen- und Businessplätze von 80 auf 90 Zentimeter zu steigern.

Zusätzliche Businessplätze sind geplant, um den Anforderungen für ein EM-Viertelfinale gerecht zu werden. Der zweite Rang soll Toiletten und Kioske erhalten. Die Planer möchten im Erdgeschoss eine Küche unterbringen, in der Speisen frisch zubereitet werden können. Insgesamt werde die Aufenthaltsqualität steigen, was sich auch auf die Preise auswirken kann.

Die erforderlichen zusätzlichen Flächen möchte Architekt Becker erhalten, indem die oberen Ebenen bis zu den tragenden Säulen des Stadions vorgezogen werden. Auch die technische Seite der Arena wird modernisiert. Hierfür fallen 16 der 65 Millionen Euro an (siehe Infobox).

Der Umbau soll 2021, 22 und 23 über die Bühne gehen. Der europäische Fußballverband (Uefa) erwarte, dass im Sommer 2023, ein Jahr vor der EM, das Stadion spielbereit ist, berichtete Becker.

Steine für Beine

Das Sanierungskonzept beruht auf den Forderungen der Uefa, der notwendigen Instandhaltung und den Wünschen des VfB. Man habe in die Machbarkeitsstudie längst nicht alle Wünsche des Vereins aufgenommen, versicherte Martin Rau, von in.Stuttgart, der zusammen mit VfB-Finanzchef Stefan Heim Geschäftsführer der Stadion NeckarPark GmbH ist. „Der VfB hatte sehr visionäre Ideen“, sagte Rau. Er betonte, dass die von ihm verantworteten Projekte gewöhnlich den Kostenrahmen einhalten.

Die Ausgaben teilen sich Verein, Stadt und Stadiongesellschaft. Die Stadt deckt mit 20 Millionen Euro den Aufwand für die EM ab. Der VfB erhöht seine Einlage in der Stadion KG um 22,5 Millionen Euro. Die KG nimmt ihrerseits einen Kredit von 22,5 Millionen Euro auf. Der VfB erhofft sich dank der besseren Infrastruktur einen Mehrerlös von 4,1 Millionen Euro im Jahr. Im Gegenzug steigt die Pacht fürs Stadion um eine Million Euro. „Wir investieren in Steine, damit wir nachher mehr Geld für Beine haben“, sagte Heim.

Eine Unsicherheit bleibt der sportliche Erfolg der Profifußballer. Falls der Verein nicht aufsteigt, hängt die Finanzierung in der Schwebe. Dann soll im Frühjahr ein Plan B vorgestellt werden, kündigten Rau und Fuhrmann an. Bei den Stadträten stoßen die Sanierungspläne insgesamt auf positive Resonanz. Bedenken gab es allerdings wegen der Abhängigkeit der Finanzierung vom sportlichen Erfolg des Vereins.

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Erstellt:
9. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. November 2019, 06:00 Uhr

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